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Der Frust ist gross

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Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben: Ursula Schneider Schüttel hätte gerne weiter auf nationaler Ebene politisiert und zeigt sich gefasst, aber doch sehr traurig über ihre Abwahl. Bereits am späteren Sonntagnachmittag zeichnete sich ab, dass es knapp wird für die SP-Frau aus dem Seebezirk. Immer wieder wanderte ihr Blick auf das Handy, um den Stand der Dinge abzufragen. «Eigentlich hätten wir wohl besser eine Wanderung unternommen, fernab vom Geschehen», sagt ihr Ehemann Stefan Schüttel während des Mittagessens in der Crêperie sucrésalé an der Lausannegasse in Freiburg und lacht. Seiner Ehefrau ist die Nervosität anzumerken und dennoch geniesst sie es sichtlich, am Wahlsonntag mit ihrem Mann, den beiden Söhnen Alain und Pascal Schüttel sowie dessen Partnerin gemeinsam am Tisch zu sitzen. «Wir haben früher in dieser Gasse gewohnt», erzählt Schneider Schüttel. Doch als ihr erster Sohn Pascal rund zweijährig gewesen sei, habe es sie nach Murten gezogen. Heute ist Pascal 21 Jahre alt, der jüngere Sohn Alain ist 18-jährig und tritt in die Fussstapfen seiner Mutter: Der Student will für die SP in den Murtner Generalrat.

 

Die beiden Söhne und der Ehemann der SP-Frau fiebern mit an dem Tag der Entscheidung, immer wieder zückt der eine oder der andere das Handy, und dennoch: «Es hätte durchaus seine Vorteile, wenn sie nicht gewählt würde», sagt Pascal Schüttel offen. Sie hätte mehr Zeit, und sie könnten vielleicht zusammen in die Ferien fahren. Doch dazu wollen sich die drei Männer noch nicht allzu viele Gedanken machen, auch Schneider Schüttel hat keinen konkreten Plan B in der Tasche: «Ich hätte mehr Zeit, um einfach mal ein Buch zu lesen, nicht nur die Zeitung», sagt sie schmunzelnd. Auch würde sie als Rechtsanwältin wieder mehr Mandate annehmen. Aber so richtig vorstellen kann es sich Schneider Schüttel wohl nicht. Die Vollblutpolitikerin ist noch zu sehr mittendrin in den nationalen Debatten. Als stille Schafferin, dossierfest, fleissig und ehrgeizig gilt sie, die im April 2012 für Christian Levrat in die grosse Kammer eintrat.

 

 Ob sie die Wahl in den Nationalrat schafft, ist in der Familie Schneider Schüttel schon länger das grosse Thema: «Seit etwa drei Monaten gehört dies zum Alltag», sagt Stefan Schüttel und lacht. Er ist erfrischend locker und nimmt die ersten Stimmenzahlen gelassen: «Solange die Gemeinden Freiburg und Marly noch nicht ausgezählt sind, ist noch gar nichts definitiv», sagt er zu seiner Frau. Seine Unterstützung ist ihr gewiss. Er sei Chemiker und arbeite in der Industrie. Und es sei gut, dass sie beruflich in einem anderen Gebiet tätig seien. «Politisch sind wir aber auf derselben Linie.» Er könne es sich nicht vorstellen, mit einer Frau verheiratet zu sein, die politisch auf der anderen Seite steht. Was aber nicht heissen soll, dass sie immer der gleichen Meinung seien: «Oft wollen wir das Gleiche erreichen, erachten aber nicht denselben Weg dahin als richtig oder als den besten», sagt die Murtnerin.

 

 Eines der Dossiers, das sie schweren Herzens abgeben wird, ist die Gesetzesvorlage zur Rehabilitierung administrativ versorgter Menschen. Nach ihrem Eintritt in die grosse Kammer nahm sie Einsitz in der Rechtskommission und diskutierte dort über das Thema fürsorgerische Zwangsmassnahmen mit. Seither setzt sie sich engagiert für Verdingkinder, Fremdplatzierte, Zwangsadoptierte, Kinder der Landstrasse, Zwangssterilisierte, Menschen, die ohne Gerichtsurteil ins Heim oder ins Gefängnis gesteckt wurden, ein. Damit diese ihr Selbstwertgefühl zurückbekommen und finanzielle Unterstützung erhalten. Sie habe keine Hobbys, sagt die Politikerin, wobei sie eigentlich ihr soziales Engagement, auch für die Stiftung Applico für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, als Hobby betrachte. «Daran würde sich aber auch nichts ändern, wenn ich nicht mehr gewählt würde», so Schneider Schüttel.

 

 Nach den köstlichen Crêpes zieht es Ursula Schneider Schüttel ins Forum Freiburg, wo das grosse Stelldichein von Politik und Medien an dem Wahlsonntag stattfindet. Stefan und Pascal Schüttel machen sich auf den Heimweg, Alain Schüttel begleitet seine Mutter ins Forum. Immer wieder zückt auch er sein Handy. Die Stimmenzahlen sprechen eine klare Sprache: Ursula Schneider Schüttel schafft es nicht. Ihr 18-jähriger Sohn Alain Schüttel sieht es nüchtern und blickt nach vorn: Im Seebezirk habe seine Mutter viele Stimmen holen können, auf Kantonsebene habe es nur knapp nicht gereicht. «Jetzt ist etwa ein Jahr Pause, das ist auch gut.» Danach folgten die Staatsratswahlen und damit das nächste Ziel seiner Mutter, sich in diesem Gremium einen Sitz zu ergattern.

Auch Schneider Schüttel freut sich über die Stimmen aus dem Seebezirk, die sie erhalten hat. Aber dennoch: «Es ist eine grosse Enttäuschung für mich», so die Rechtsanwältin aus Murten.

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