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«Der Gedankenspieler»: Lust an der Reise in Gedanken

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Peter Härtling starb am 10. Juli 2017 in seinem vierundachtzigsten Lebensjahr nach längerer Krankheit. Und doch war es überraschend, war er doch intensiv mit dem vorliegenden Roman «Der Gedankenspieler» beschäftigt. Wie in seinen anderen autobiografischen Werken ist die Auseinandersetzung mit dem sich verschlechternden Gesundheitszustand auch in «Der Gedankenspieler» eingegangen.

Härtling selbst war seit längerer Zeit schwer krank, litt an Herzrhythmusstörungen und an Diabetes. In den letzten beiden Jahren seines Lebens war er auf Dialyse und den Rollstuhl angewiesen. Mit dem knorrigen, meist schlecht gelaunten Johannes Wenger hat er sich sein Alter Ego geschaffen.

Wann ist Leben lebenswert?

Die Hauptfigur der Erzählung, Wenger, treibt die zentrale und hochaktuelle Frage herum, ob seine Existenz mit all den Einschränkungen, Schmerzen und Leiden noch lebenswert sei. Auf der andern Seite erlebt er immer wieder auch Situationen, die ihm deutlich machen, wie viel Glückspotenzial auch diese letzte Lebensphase besitzt.

Johannes Wenger ist ein aus­sergewöhnlicher, aber auch komplizierter Mensch. Er ist ein grantelnder ehemaliger Architekt, der sich in Gedanken mit seiner Vergangenheit und den verbliebenen Freunden auseinandersetzt. Er schreibt viele Briefe, schickt diese aber in den meisten Fällen nicht ab, sondern verfasst sie eben nur in Gedanken! Um die Leserin, den Leser nicht zu verwirren, sind diese Briefe in Gedanken kursiv gedruckt.

Zwischenmenschlich schwierig

Wenger hat sich in seine ganz eigene, schöngeistige Welt zurückgezogen. Auch im hohen Alter und gezeichnet von der Krankheit schreibt er Artikel für eine Architekturzeitschrift. Man schätzt ihn als kompetenten Kenner der einschlägigen Szene. Ausserdem ist er ein grosser Kenner und Liebhaber der Literatur und der klassischen Musik. Nur mit den zwischenmenschlichen Beziehungen will es nicht so recht klappen, und das nicht erst im hohen Alter und im pflegebedürftigen Zustand. Nähere Beziehungen machen ihm seit seiner Jugend zu schaffen. Irgendwie scheint er nicht dafür geschaffen zu sein …

Zur Erzählung: Peter Härtling, selbst kurz vor dem Tod, schreibt über einen Mann kurz vor dem Tod: Johannes Wenger rutscht aus, stürzt und verletzt sich dabei so sehr, dass er nunmehr auf den Rollstuhl angewiesen ist. Ein gewaltiger Schock für den ehemaligen Architekten; er ist mehr oder weniger hilflos den Pflegenden ausgeliefert.

Von Einsamkeit zerfressen

Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexe plagen ihn. Der Alltag wird mühsam, die Einsamkeit droht ihn aufzufressen. Es ist der junge Arzt Dr. Mailänder, der ihn beispielhaft unterstützt und ihn so am Leben hält. Seine Hilfsbereitschaft geht so weit, dass er, mitsamt seiner Familie, Wenger zu einem gemeinsamen Osterurlaub einlädt. Die Erfahrungen, welche dabei Mailänders Familie und der alte Wenger miteinander machen, sind von ganz spezieller Natur und vom Autor meisterhaft erzählt.

Der Autor führt uns vor Augen, womit wir uns mit einer mit zunehmendem Alter immer grösser werdenden Wahrscheinlichkeit selbst werden auseinandersetzen müssen.

Dieser Roman ist eine Mut machende Darstellung der letzten Lebensphase des Menschen, erzählt in einer unaufgeregten, gepflegten Sprache und ohne jede Gefühlsduselei.

Peter Härtling ist 1933 in Chemnitz geboren. Seit 1974 arbeitete er als freier Schriftsteller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Peter Härtling starb am 10. Juli 2017.

Peter Härtling: «Der Gedankenspieler», Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018, 223 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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