Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Der Geschichte auf den Grund gehen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Lufttemperaturen von um die null Grad Celsius halten die Mitarbeiter des kantonalen Amts für Archäologie zurzeit nicht davon ab, im Murtensee zu tauchen. Sie suchen vor dem geschlossenen Fünfsternehotel Vieux Manoir in Merlach auf dem Grund des Murtensees nach Überresten von neolithischen Pfahlbauersiedlungen. «Im Winter sind die Bedingungen dafür besser», sagt Léonard Kramer, operativer Leiter der Tauchaktion. «Die Sicht ist besser, und es sind weniger Boote auf dem See unterwegs.» Und mit etwa 10 Grad Celsius sei das Wasser nicht so kalt wie die Luft.

Zwischen 3900 und 3500 vor Christus habe vor dem Vieux Manoir eine Siedlung existiert, erklärt Kramer. Damals standen die Häuser am Ufer auf Eichenpfählen. Übrig geblieben sind nur die Holzstämme, die sich wegen des höheren Seepegels nun unter Wasser befinden. Bedeckt vom sauerstoffarmen Schlick des Murtensees haben sie sich bis heute gut erhalten, sind aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Deshalb gehen die Archäologen selbst tauchen und setzen keine Kamera ein, sagt Kramer. Im Laufe der Zeit trägt das Wasser Sedimente ab, und so werden die im Grund steckenden Holzpfähle wieder sichtbar.

300 Pfähle entdeckt

Frühere Untersuchungen hatten im Chatoney-Park Spuren einer Siedlung hervorgebracht. Deshalb setzten die Archäologen ihre Suche im See vor dem Vieux Manoir fort. Die Taucher fanden im vergangenen Jahr tatsächlich einige Pfähle. Seit zwei Wochen hätten die Taucher den Bereich systematisch abgesucht, so Kramer. Mit einem erfreulichen Ergebnis: «300 Pfähle haben wir in dieser Zeit entdeckt. Das sind viele. Wir sind recht überrascht.» Kramer vermutet, dass sich die Überreste der alten Siedlung bis unter das Hotelgebäude erstrecken könnten.

Jeden gefundenen Holzstamm markieren die drei Taucher mit einer Nummer und einem langen Plastikstab, der aus dem Wasser ragt. Jeder Einsatz dauert bis zu zwei Stunden am Stück. Dann sind die Druckluftflaschen leer. Um bei einem Zwischenfall helfen zu können, befindet sich ein vierter Archäologe auf einer Plattform auf dem See und hält ständigen Funkkontakt mit seinen Kollegen, die gerade in bis zu 2,5 Metern Tiefe tauchen.

In einem zweiten Schritt erfassen die Taucher die genaue Lage aller Pfähle mittels GPS und tragen sie auf einer Karte ein. So sind Formen erkennbar. Kramer zeigt auf einer Karte auf die vielen kleinen grünen Punkte, die in kurzen Abständen aufeinanderfolgend eine Linie bilden. Diese Pfähle sollten das Dorf vor den Wellen schützen oder bildeten ein Gehege für die Tiere. Die eher durcheinander angeordneten roten Punkte symbolisieren Pfähle aus Eichenholz, auf denen die Häuser der Pfahlbauer standen. Anhand der Holzstücke erfahren die Archäologen mehr über die Siedlungen aus dem Neolithikum (siehe Kasten).

Proben nehmen

Die Archäologen kartieren nicht nur die Pfähle, sondern sorgen auch für ihren Schutz. Denn die vom See freigespülten Pfähle können sich zersetzen. «Wir haben auch schon Pfähle wieder mit Sedimenten zugedeckt, damit sie im Wasser erhalten bleiben», sagt Kramer. Von den Pfählen schneiden die Taucher mit einer Handsäge eine Probe ab. Ein Teil davon gehe ins Labor zur Untersuchung, der andere werde vom Amt für Archäologie gelagert, um für die Nachwelt erhalten zu bleiben. «Die Holzstämme bleiben aber im Seegrund stecken», betont der Archäologe. Sie würden keine ganzen Stämme ausgraben.

Für ihren dreiwöchigen Einsatz haben die Archäologen ihre Basis in Baucontainern im Chatoney-Park eingerichtet. Alle zwei Jahre wechseln sie für ihre Unterwasseruntersuchungen der Pfahlsiedlungen zwischen dem Murtensee und dem Neuenburgersee. Wahrscheinlich werden sie schon bald wieder an die Stelle vor dem Vieux Manoir zurückkehren, sagt Kramer. Denn noch haben die Taucher nicht die gesamte Siedlung kartiert.

Forschung

Holz ermöglicht den Blick in die Vergangenheit

Dank den gefundenen Pfählen können sich die Archäologen ein Bild der Siedlungen machen, die sich vor mehreren Tausend Jahren am Ufer des Murtensees befanden. Der Standort der Stämme verrät ihnen, wo früher Häuser standen. Das Alter der Pfähle ermitteln die Archäologen mittels der Dendrochronologie, also der Bestimmung der Jahresringe der Holzstämme.

«So zeichnen wir einen Plan des Dorfes und wie sich dieses im Laufe der Zeit verändert hat», sagt Léonard Kramer, operativer Leiter der Unterwasseruntersuchungen des Freiburger Amts für Archäologie. Der Kanton führt die Tauch­einsätze seit fast 15 Jahren in Eigenregie durch.

Die Taucher stossen vor dem geschlossenen Fünfsternehotel Vieux Manoir in Merlach auch immer wieder auf Bruchstücke von Tongefässen und auf Knochenstücke von Tieren. Hieraus können sich für die Archäologen neue Erkenntnisse über die Lebensweise der Pfahlbauer ergeben.

jmw

Mehr zum Thema