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«Der Hauptdarsteller in deiner Hand»

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«Der Hauptdarsteller in deiner Hand»

Autor: Carole Schneuwly

Wer Figurentheater hört, denkt meist an Kasperli, Pinocchio oder an unbeholfen hergestellte Sockenpuppen oder Marionetten aus dem Bastelunterricht. Genau da liegt das grosse Problem des modernen Figurentheaters, wie der Freiburger Berufspuppenspieler Pierre-Alain Rolle festhält: «Marionetten gelten in weiten Kreisen immer noch als Unterhaltung für Kinder. Obwohl es längst standardisierte Ausbildungen, Publikationen und Interessenvereinigungen gibt, hat das Puppenspiel bei weitem nicht den Stellenwert eines Theaters oder eines Konzertes.»

Religiös und politisch

Pierre-Alain Rolle weiss, wovon er spricht: 1981 hat er mit Marie-Dominique San José Benz das Figurentheater Le Guignol à Roulettes gegründet, das sich in der Zwischenzeit vom Amateurtheater zur anerkannten professionellen Bühne entwickelt hat. Was sein Zielpublikum angeht, ist er hin und her gerissen. Er kreiere gerne Stücke für Kinder, möge aber auch Projekte für Jugendliche oder Erwachsene. Bloss: «Produktionen für ein älteres Publikum verkaufen sich schlicht nicht. Gefragt sind Stücke für Fünf- bis Achtjährige.»

Ein Blick in die Geschichte oder in andere Länder zeigt, dass dies nicht so sein muss: In vielen Weltgegenden hat das Puppenspiel religiöse Ursprünge. Im asiatischen Raum ist bis heute das Schattentheater sehr beliebt, das vor allem mythische Stoffe aufgreift. In Europa entstanden während der Renaissance die ersten Stoffe speziell für das Puppentheater. In Italien etwa verhalf die Blüte der Commedia dell’arte auch dem Figurentheater zu einem Aufschwung. Die Stoffe waren meist archaischer, mythischer Natur, handelten von Gut und Böse, von Himmel und Hölle. Eine Wende brachte die Aufklärung, als die Intellektuellen sich von derart übernatürlichen Themen abwandten. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Puppenspiel zunehmend romantisiert; die neuen Stücke wurden speziell für Kinder entwickelt. Dennoch gab es auch im 20. Jahrhundert Zeiten, in denen dem Figurentheater eine ausgesprochen politische Bedeutung zukam: Im nachrevolutionären Russland etwa diente es der «Bildung des Volkes», im nationalsozialistischen Deutschland wenig später zu Propagandazwecken.

Auch in jüngerer Zeit hat sich das Figurentheater kontinuierlich weiterentwickelt. Es entstanden experimentelle Stücke und Verbindungen mit anderen Sparten der Bühnenkunst. Pierre-Alain Rolle stellt indes fest, dass viele renommierte Figurenspieler auf Bezeichnungen wie «Puppentheater» oder «Marionetten» verzichteten. Lieber sprächen sie von «Inszenierung» oder «Performance», um dem Vorurteil der Kunst für Kinder zu entkommen.

Traumberuf Puppenspieler

Rolle mag sich über solche Entwicklungen ärgern, der Begeisterung für seinen Beruf tun sie aber keinen Abbruch. Der 55-Jährige möchte nichts anderes sein als ein Puppenspieler. In diesem Beruf könne er alles vereinen, was er gerne tue: das Handwerkliche beim Herstellen der Puppen, das Geschichtenerzählen beim Schreiben der Stücke und das Spielen bei den Vorstellungen. «Der Energiefluss zwischen dir, deiner Puppe und dem Publikum ist mit nichts anderem zu vergleichen», so Rolle. «Der Hauptdarsteller befindet sich in deiner Hand, und das Publikum glaubt daran – ja, die Leute kommen, um zu glauben.»

Um diese Faszination für das Figurentheater weiterzugeben und die Interessen der Puppenspieler zu vertreten, engagiert sich Pierre-Alain Rolle im internationalen Exekutivkomitee der Unima, der Union internationale de la Marionnette (siehe Kasten). Heute Samstag feiert das Schweizer Zentrum der Unima in Freiburg sein 50-jähriges Bestehen. Als Vorgeschmack sind schon seit Mitte Mai zahlreiche Schaufenster an der Lausannegasse mit Marionetten von Schweizer Puppenspielern geschmückt. Heute wird die ganze Strasse zur «Strasse des Figurentheaters»: Ohne festes Programm geben über 20 Künstler und Therapeuten (die meisten aus der Deutschschweiz) Einblick in ihr Schaffen. Zudem eröffnet das Figurentheater-Museum im Auquartier eine neue Wechselausstellung (siehe Artikel unten), und im Kellerpoche finden öffentliche Vorträge statt.

Für Pierre-Alain Rolle sind diese Veranstaltungen eine Chance, bei der Mission für mehr Verständnis für das Figurentheater einen Schritt weiterzukommen. Das Publikum soll selber spüren, was er meint, wenn er sagt: «Für uns Puppenspieler sind die Marionetten keine Puppen, sondern Persönlichkeiten mit Charakter.»

Lausannegasse: «Strasse des Figurentheaters». 10 bis 13 Uhr.

Kellerpoche: Vorträge von Dadi Pudumjee (Weltpräsident Unima) und Lucile Bodson (Direktorin Institut International de la Marionnette in Charleville-Mézières). 15 Uhr.

Figurentheater-Museum: Vernissage der Ausstellung zum Schweizerischen Marionettentheater Zürich. 17 Uhr.

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