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Der innerlich zerrissene Nomade

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«Es wird für mich eine schwierige Vernissage. Ich werde wenig reden, dafür fehlt mir die Kraft», sagt Hafis Bertschinger im Museum Murten mit tränenerstickter Stimme. Letzte Woche ist seine Ehefrau Mara, mit der er 45 Jahre verheiratet war, nach kurzer Krankheit gestorben. «Die Arbeit an der Ausstellung hilft mir, meine Traurigkeit auszuhalten», sagt der Freiburger Künstler in brüchigen Worten.

Trotz seiner Trauer eröffnet der 84-Jährige, der in der Stadt Freiburg wohnt und in Cormérod ein Atelier betreibt, morgen Samstag um 18 Uhr seine erste Ausstellung im Museum Murten. Sie wird bis am 10. Dezember zu sehen sein und zeigt über fünf Stockwerke verteilt mehr als 50 aktuelle, ältere und überarbeitete Bilder sowie Skulpturen aus verschiedenen Metallen und Holz.

Schweizer oder Libanese?

Die Exposition heisst «Pangea». Das altgriechische Wort bezeichnet den letzten Superkontinent auf der Erde. Er bestand aus einer einzigen Landmasse. Diese wurde vor über 150 Millionen Jahren langsam auseinandergerissen, wodurch die Kontinente entstanden, wie sie heute existieren. «Ich habe mich das ganze Leben zwischen den Kulturen, aus denen ich stamme, zerrissen gefühlt», erklärt Hafis Bertschinger, der sich als Künstler kurz Hafis nennt. Er ist in erdige Braun- und Beigetöne gekleidet und wirft beim Reden die Arme umher, während der Rest seines Körpers völlig ruhig ist.

Der Sohn einer Libanesin und eines Schweizers wuchs in Bhamdoun im Libanon auf und zog mit zwölf Jahren mit der Familie nach Zürich. «Ich weiss noch heute nicht, ob ich Schweizer oder Libanese bin», sagt Hafis Bertschinger, der mal Deutsch, mal Französisch, mal Englisch spricht.

Wie explodierende Vulkane

Weil ihn die Frage nach seiner Zugehörigkeit seit jeher beschäftigt und ihn andere Kulturen fasziniert haben, ist Hafis Bertschinger in den letzten fünfzig Jahren viel umhergereist. In Japan, Afrika, in den USA oder im Orient hat der «Nomadenkünstler», wie er sich nennt, seine Eindrücke künstlerisch ausgedrückt. Einige dieser Werke sind jetzt im Museum Murten zu sehen.

Besonders auffällig sind die abstrakten und hauptsächlich mit Acrylfarbe gefertigten Bilder, deren explosive Dynamik an Vulkanausbrüche erinnert. In diesem Vergleich findet sich der Künstler wieder: «Aktive Vulkane haben etwas Befreiendes. Das fasziniert mich», sagt Hafis Bertschinger. Er habe diese Bilder nicht bloss in klassischem Stil gemalt. «Ich habe die Farbe auch mit Pinseln auf die Leinwand gespritzt oder regelrecht hingeschlagen.»

«Ein sehr lebendiger Mensch»

Über diese Dynamik sagte Museumsleiter Ivan Mariano an der gestrigen Medienkonferenz: «Sie drückt perfekt die Persönlichkeit von Hafis Bertschinger aus. Er ist ein charismatischer und sehr lebendiger Mensch.»

Von dieser charismatischen Lebendigkeit zeugt jene Reise, die Hafis Bertschinger für 2018 plant: Er will von Juni bis August auf einem Velo den legendären, rund 3500 Kilometer langen Oregon Trail von Kansas City bis Portland quer durch die USA befahren und seine Eindrücke künstlerisch verarbeiten. «Diese Reise habe ich 1982 schon einmal gemacht, damals jedoch auf einem Pferd namens George», erzählt Hafis Bertschinger.

Seine unbändig wirkende Lebensenergie passt zu einem Zitat von Hafis, dem persischen Dichter aus dem 14. Jahrhundert; ihm, den seine Eltern verehrten, verdankt Hafis Bertschinger seinen Vornamen. «Du hast deine Grenzen – erhebe dich darüber», schrieb der Poet vor Jahrhunderten. «Genau das tue ich mit meiner Kunst. Das heisst: Ich versuche es», sagt Hafis Bertschinger.

«Ich fühle mich zerrissen zwischen den Kulturen, aus denen ich stamme.»

Hafis Bertschinger

Künstler

Cormérod

Eine private Führung und eine öffentliche Einweihung

Am Sonntag, 8. Oktober, leitet Hafis Bertschinger in Cormérod ab 14 Uhr eine private Führung. Zu diesem Anlass hat Hafis, wie sich der Künstler nennt, ehemalige Schüler einer 2. Primarklasse eingeladen, mit denen er vor über zehn Jahren eine kreative Matinée gestaltete. «Wir malten Motive aus dem Leben im benachbarten St-Antoine und schmückten mit unseren Werken die Kapelle von Cormérod», erinnert sich Hafis Bertschinger. 15 der Zweitklässler von damals nehmen am Sonntag am Wiedersehen teil. «Wir werden auf einem Rundgang in Cormérod mein Atelier besichtigen und wieder gemeinsam malen. Thema ist Fukushima», sagt Hafis Bertschinger.

Ab 15 Uhr folgt jener Teil des Anlasses, welcher für die Bewohnerinnen und Bewohner von Cormérod und Umgebung öffentlich ist: Hafis Bertschinger wird in Cormérod einige Skulpturen einweihen, die als Dauerleihgaben an die Gemeinde im Dorf stehen.

rst

 

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