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Der Jetlag von Mensch und Tier

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Am Sonntagmorgen wird es für die 45 Holstein- und Red-Holstein-Milchkühe auf dem Hof von Landwirt Manfred Bolz aus Agriswil eine Überraschung geben: Wie jeden Tag werden sie am frühen Morgen selbstständig zum Melkstand gehen. Denn Kühe sind Gewohnheitstiere. Doch Manfred Bolz wird erst eine Stunde später eintreffen. Er wird nämlich wie alle anderen Menschen in der Nacht die Uhr um eine Stunde zurückgestellt haben. Denn ab Sonntag gilt wieder die Winterzeit.

Die Kühe werden also eine Stunde warten müssen. Werden sie dann unruhig? «Nein», weiss der Landwirt aus Erfahrung. «Sie werden etwas mehr Milch geben, weil sie eine Stunde länger Milch produzieren.» Der Ausgleich erfolge am späten Nachmittag gegen 17 Uhr beim zweiten Melken. «Dann werden wir weniger Milch bekommen.» In den ersten Tagen nach der Zeitumstellung werden die Milchkühe mehrmals vor dem Melkstand warten, sagt Bolz. «Dann haben sie sich normalerweise an die neuen Melkzeiten gewöhnt.»

Die Qualität des Futters ist wichtiger

Die Milchmenge seiner Kühe werde eher weniger von der Zeitumstellung beeinflusst, sagt der Landwirt. «Die Futterqualität ist entscheidender.» Seine Milchkühe ernähren sich im Sommer zu 95 Prozent von Gras und Klee. Im Winter sinkt dieser Anteil auf rund 80 Prozent. Dann erhalten die Kühe nebst Heu und Emd zusätzlich Kartoffeln, Maiswürfel, getrocknete Zuckerrübenschnitzel und Kraftfutter. Silofutter gibt es auf dem Betrieb auch im Winter nicht. «Die Hauptnahrung bleibt Gras», sagt Bolz. Futterzeiten muss er auf seinem Hof nicht an die Umstellung anpassen. «Unsere Kühe haben den ganzen Tag lang freien Zugang zum Futter», erklärt der Landwirt.

Umständlicher sei die Umstellung auf die Sommerzeit, weil die Uhren eine Stunde vorgestellt werden. «Dann komme ich eine Stunde früher in den Stall, und die überraschten Kühe liegen noch da», sagt Bolz.

Ein Melkroboter würde den Tieren die Zeitumstellung erleichtern. Damit könnten sie sich Tag und Nacht vollautomatisch melken lassen. Manfred Bolz plant jedoch nicht, eine solche Maschine anzuschaffen. «Die Milch meiner Kühe ist für Gruyère AOP bestimmt. Da ist der Einsatz von Melkrobotern nicht erlaubt», sagt der Landwirt.

Der Zeitumstellung kann Bolz eine positive Seite abgewinnen: «Die hellen Abende im Sommer ermöglichen uns, auch zu später Stunde draussen zu arbeiten.» Eine Abschaffung der Zeitumstellung nur in der Schweiz lehnt er ab. «Ein Alleingang wäre ziemlich blöde. Wenn allerdings ganz Europa die Uhren nicht mehr umstellt, muss auch die Schweiz mitziehen», sagt Landwirt Manfred Bolz.

Deutliche Mehrheit für Abschaffung

Im Gegensatz zu den Kühen scheint die Zeitumstellung den Menschen mehr Mühe zu machen. Die deutsche Krankenkasse «DAK-Gesundheit» führ­te im September und Oktober eine repräsentative Umfrage mit rund 3500 Personen durch. 79 Prozent der befragten Frauen und 70 Prozent der befragten Männer in Deutschland berichteten von Müdigkeit und Schlappheit durch die Zeitumstellung. 60 Prozent stellten Einschlafprobleme fest, und mehr als ein Drittel meldete Konzentrationsschwierigkeiten. Zwölf Pro­­zent führten ihre depressiven Verstimmungen auf die Änderung der Uhrzeit zurück.

Jungen Menschen fällt das Vor- und Zurückstellen der Uhr leichter. Während 15 Prozent der 14- bis 29-Jährigen über Probleme durch die Zeitumstellung klagten, waren es bei den 45-bis 59-Jährigen doppelt so viele. Die Krankenkasse «DAK-Gesundheit» erklärt diese Feststellung mit dem weniger flexiblen Tagesablauf von älteren Menschen, die in Job und Familie eingebunden sind.

Aus Sicht der Befragten in Deutschland dürfte die Zeitumstellung möglichst bald abgeschafft werden. Fast drei Viertel von ihnen bezeichnete die Umstellung der Uhren als sinnlos.

Chronologie

Früher liefen in der Schweiz die Uhren anders

Mit der Umstellung der Uhren in der Nacht von Samstag auf Sonntag kehren wir wieder zur Normalzeit, der sogenannten Winterzeit, zurück. Die Sommerzeit wurde in Europa erstmals 1916 eingeführt. Die Nachbarländer der Schweiz wollten so während des Ersten Weltkrieges Energie sparen. Die Schweiz zog nicht mit. Nach dem Ersten Weltkrieg handhabten die Länder in Europa das Umstellen der Uhren unterschiedlich: Einige schafften die Zeitumstellung wieder ab, andere behielten sie noch einige Jahre bei. Im Zweiten Weltkrieg galt wieder vielerorts die Sommerzeit – verbunden mit der Hoffnung, Energie zu sparen. Während der Jahre 1941 und 1942 stellten auch die Schweizer die Uhren um. Mit der Ölkrise in den 70er-Jahren führten viele europäische Länder die Sommerzeit wieder ein – ausser der Schweiz. Denn 52 Prozent der Stimmbevölkerung sprachen sich bei der Abstimmung im Mai 1978 gegen die Umstellung der Uhren aus. 1980 nahmen die Politiker einen zweiten Anlauf. Für ein Referendum wurden nicht genügend Unterschriften gesammelt, deshalb stellen seit 1981 auch die Schweizer die Uhren um. Politische Vorstösse zur Abschaffung der Sommerzeit scheiterten seither immer wieder. Das Parlament und der Bundesrat waren gegen einen Alleingang der Schweiz.

jmw

Prävention

Die Suva rät, geplante Kinobesuche zu verschieben

Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Gereiztheit, Appetitlosigkeit und Verdauungsprobleme seien mögliche Folgen der Zeitumstellung, schreibt die Schweizerische Unfallversicherung Suva in einem Communiqué. Der Körper könne bis zu 14 Tage benötigen, um sich an das Vor- oder Zurückstellen der Uhren anzupassen. Die Suva gibt deshalb Tipps, um die Auswirkungen etwas zu mildern:

– Licht ist der wichtigste Zeitgeber für den Körper. Um die innere Uhr zu eichen, hilft ein Spaziergang am Wochenende – möglichst spät am Tag, aber noch bei Tageslicht.

– Helles Kunstlicht am Abend hilft, die Zeitumstellung besser zu bewältigen. Kinobesuche oder Abendessen in einem dämmrigen Restaurant sollte man deshalb besser verschieben.

– Mit einem Mittagsschlaf lässt sich die Zeitumstellung nicht besser verkraften. Denn so ist man abends zu wenig müde zum Einschlafen.

– Schlaftabletten sind in der Umstellungsphase kein geeignetes Mittel zur Selbsthilfe. Sie sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

– Für das ganze Jahr gilt, den Koffein- und Alkoholkonsum vor dem Schlafengehen zu reduzieren.

jmw

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