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Der Kantonsarzt erklärt, warum jeder Fall an einer Schule intensive Abklärungen verlangt

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Kantonsarzt Thomas Plattner erklärt, wie kompliziert die Abläufe bei Corona-Fällen in Schulen sind, vor allem, wenn Fälle von Virusmutationen auftreten.
Aldo Ellena

Nach Corona-Fällen an den Schulen Tafers und Schmitten haben Eltern Kritik am Vorgehen der Taskforce geäussert. Diese nimmt nun Stellung und erklärt, wie komplex die Nachverfolgung durch die Virusmutation geworden ist.

Nicht schnell genug reagiert, nicht richtig informiert, zu spät reagiert – dies sind zusammengefasst die Reaktionen von Eltern, deren Kinder von einer Corona-Infektion an den Schulen von Schmitten und der OS Tafers betroffen sind.

Viele verschiedene Variablen

Kantonsarzt Thomas Plattner und Claudia Lauper, Generalsekretärin der Gesundheitsdirektion, zeigen im Gespräch mit den FN Verständnis für die Unsicherheiten, die bei Eltern und anderen Betroffenen aufgetreten sind. «Es ist kompliziert, weil es kein für alle Fälle gültiges Patentrezept gibt», sagt Claudia Lauper. Das Bundesamt für Gesundheit gibt den Kantonen unterschiedliche Vorgehensweisen vor – je nachdem, ob ein Kind vom «normalen» Coronavirus betroffen ist oder von der sogenannten britischen Variante, die als viel ansteckender gilt.

Neben diesen zwei Prozessen gibt es bei beiden noch einmal viele Variablen. So kommt etwa ein anderes Verfahren zum Zug, wenn nur ein Fall in einer Klasse auftritt oder wenn mehr als zwei Kinder betroffen sind. Ein weiteres Element, das je nach Fall unterschiedliche Massnahmen zur Folge hat, sind die Lehrpersonen: Hat die betroffene Lehrperson nur in einer Klasse unterrichtet, gelten andere Vorgehensweisen, als wenn sie Fächer in verschiedenen Klassen unterrichtet hat. Konnte sie die Schutzmassnahmen – Abstand und Maske – immer einhalten, gilt noch einmal eine andere Weisung, als wenn dies nicht der Fall war. Im Fall von Belfaux wurde beispielsweise die Schule geschlossen, weil die Durchmischung von Lehrpersonen und Schülern sehr gross war.

Anderes Vorgehen bei Kindern

Eine zusätzliche Unterscheidung machen die Behörden, ob es sich bei den positiv Getesteten um Kinder im Primarschulalter handelt oder um Erwachsene bzw. um OS-Schüler, die ab 16 Jahren Corona-mässig wie Erwachsene eingestuft werden und weil dort eine Maskenpflicht gilt. «Bei Kindern nimmt man zum einen an, dass sie das Virus seltener übertragen. Zum anderen weiss man, dass die wenigsten von ihnen schwere Symptome verspüren», erklärt Thomas Plattner. «Je älter sie sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Virus übertragen.»

All diese Variablen zusammengenommen erklären, warum es beispielsweise für die Eltern der Jugendlichen an der OS Tafers andere Weisungen gab als für jene in Schmitten. So werden etwa die Eltern von Kindern, die im Rahmen eines vor Ort durchgeführten Massentests getestet wurden, anders informiert als die Eltern oder anderen Personen, die einen Test in einem der Testzentren machen. In der Regel sei es so, dass positiv Getestete durch die Contact-Tracing-Stelle kontaktiert werden, während negativ Getestete per SMS informiert werden.

Tests nach fünf Tagen

Der grösste Unterschied zwischen Fällen von normalem und mutiertem Virus ist die Quarantäne: Beim normalen werden nur die engen Kontakte in Quarantäne geschickt, also die Familie, nicht aber die übrigen Klassenkameraden, wenn sie keine engen Kontakte sind. Wenn mehr als 2 Schüler betroffen sind, wird je nach Analyse der Situation eine Quarantäne der Klasse in Betracht gezogen. Beim mutierten Virus gelten laut Richtlinien des BAG alle Klassenkameraden als enge Kontakte und müssen deshalb in Quarantäne sowie die Familien der Schüler. 

«Eine weitere Schwierigkeit ist der Verlauf einer Infektion», sagt Claudia Lauper. Bevor man weitergehende Massnahmen treffen könne, müsse man jeweils die Testresultate abwarten. Das Bundesamt für Gesundheit habe die Weisung gegeben, dass bei Fällen mit der Corona-Mutation die Personen des näheren Umfelds nach fünf Tagen getestet werden. «Weil man weiss, dass am fünften Tag das Risiko, dass sie Symptome zeigen, am höchsten ist und damit die Chance, infizierte Fälle aufzuspüren, am grössten», so Thomas Plattner.

«Das wiederum erhöht unsere Chancen, die infizierten Fälle aufzudecken und zu typisieren, also zu analysieren, ob es sich um das normale Virus oder um eine Mutation handelt und wie diese Infektion mit anderen Ansteckungen zusammenhängt», erklärt der Kantonsarzt. 

Schwieriges Contact-Tracing

«Das heisst, dass jeder Fall anders ist», fasst Claudia Lauper zusammen. «Jede Schule, jede Klasse und jede Familie.» Weil diese Vorgänge so komplex seien, sei das Contact-Tracing, also das Aufspüren von weiteren möglichen Ansteckungen, jeweils nicht einfach. Die Taskforce sei angesichts der Zunahme der Fälle daran, eine eigene Hotline für betroffene Schulen mit dem mutierten Virus einzurichten und eine Einheit des Contact-Tracings nur für diese abzudelegieren.

Einige Eltern haben die Taskforce aufgerufen, für die ganze Schule Schmitten vorsorglich Fernunterricht zu verordnen. Anders lasse sich das Virus bei Familien mit Kindern in mehreren Schulen nicht eindämmen. Thomas Plattner erklärt, dass es seitens Kantonsarzt keine Möglichkeit gebe, auf Verdachtsbasis zu handeln und vorsorglich eine Quarantäne auszusprechen. Die Erziehungsdirektion könne aber Fernunterricht anordnen, wenn sie in Absprache mit der Schule zum Schluss komme, dass dies organisatorisch und pädagogisch sinnvoll sei.

Abwarten bis zu den Ferien

Der Kanton Bern hat am Mittwoch entschieden, dass für Fünft- und Sechstklässler nun auch Maskenpflicht gilt. Ist dies auch eine Massnahme, die in Freiburg kommen könnte? «Ja, es wäre eine Möglichkeit», sagt Thomas Plattner. Konkret sei noch nichts entschieden. «Wir werden die Fälle an den Schulen nun auszuwerten», ergänzt Claudia Lauper. So werde beispielsweise klar, welche Wirkung erzielt werden konnte, indem man die engen Kontakte der Betroffenen in Quarantäne geschickt und nach fünf Tagen getestet habe.

Für Unverständnis bei den Eltern hat auch der Brief gesorgt, in dem Eltern des Corona-Falls in Schmitten, mitgeteilt wurde, dass ihre Quarantäne-Zeit eigentlich vor fünf Tagen angefangen habe. «Die Quarantäne fängt an dem Tag an, an dem die Person den letzten Kontakt mit der infizierten Person hatte», erklärt Thomas Plattner. Er räumt aber ein, dass der Brief unglücklich formuliert sei. Die Taskforce werde diesen Kritikpunkt aufnehmen und die Betroffenen klarer informieren, warum es diese rückwärts gerichtete Quarantäne-Anordnung gebe, sagt Claudia Lauper.

Strategie immer wieder anpassen

«Das Rückverfolgen der Kontakte ist nur eine von vielen Massnahmen, um die Corona-Pandemie einzugrenzen», sagt Kantonsarzt Thomas Plattner. Sie wirke zusammen mit der Schliessung der Läden und den geltenden Abstands- und Hygieneregeln. «Bei wenig Fällen ist sie die effizienteste.» Der Kanton Freiburg habe derzeit zwischen 50 und 80 Fälle pro Tag. «Wir waren auch schon bei 500», sagt er. Das Contact-Tracing und die Quarantäne-Anordnungen seien nach dem Lockdown letzten Frühling als eine Art individueller Lockdown eingesetzt worden und hätten gute Erfolge bei der Unterbrechung der Infektionsketten erzielt.

«Wir bewegen uns seit letztem März auf unbekanntem Terrain», sagt der Kantonsarzt. «Wir müssen die Strategie stets anpassen und neue Massnahmen treffen, in der Hoffnung, dass sie Wirkung zeigen.» Die Kommunikation mit der Bevölkerung sei schwierig, wenn es dauernd einen Kurswechsel gebe und etwas, was gestern noch galt, morgen nicht mehr gültig ist. im

Im Kanton Freiburg sind 173 Fälle des mutierten Virus bekannt

In der laufenden Woche sind bis Mittwochabend 271 Fälle von Corona festgestellt worden. Allein am Mittwoch gab es 102 neue Fälle, am meisten davon im Saanebezirk. Im Kanton Freiburg gibt es derzeit 173 Personen, die sich mit dem mutierten Coronavirus angesteckt haben, 20 befinden sich in Spitalpflege. Seit Beginn der Pandemie sind 449 Personen am Virus gestorben; derzeit gibt es noch keine Statistik, wie viele davon am mutierten Virus. Neun Freiburger Schulen und 30 Klassen sind von Corona betroffen. Es sind 39 Fälle mit der Virusmutation bekannt. im

Kommentare (3)

  • 04.02.2021-Jutzet

    Nun ich kann zwar gewisses Verständnis für die Verunsicherung/Verärgerung aufbringen, aber hört doch auf nur zu Jammern. Ja Herr Tobler, es wird Verantwortung abgeschoben, aber auch von jedem Einzelnen Bürger! Die EIGENverantwortung, oder halt der gesunde Menschenverstand, sollte irgendwo mal wieder aktiviert werden! Alles der Schule, dem Kanton, dem Bund oder wem auch immer abzuschieben ist doch etwas gar einfach (wieso sich nicht in Selbsquarantäne begeben wenn es ihres Erachtens dermassen klar ist? Fast jeder Arbeitgeber wäre wohl damit einverstanden gewesen oder wo möglich Homeoffice). Man stelle sich vor der Kanton hätte die Schule(n) aufgrund eines 1-2 Ansteckungen geschlossen (und schlussendlich wären vielleicht gar keine weiteren dazugekommen), der Aufschrei wäre nicht minder gross gewesen, da gehe ich jede wette ein! Auch „hochbezahlte“ Fachpersonen können nicht alles vorhersagen, vor allem wenn es es dazu keine oder kaum Erfahrungswerte gibt, dies können weder die Leute im Kanton, noch beim Bund, noch irgendwo auf der Welt. Ich bin der Ansicht, die Schweiz hat bisher einen recht guten Weg gefunden um die Wirtschaft zu stützen, die sozialen Kontakte nicht komplett einzuschränken und trotzdem auch das Gesundheitssystem nicht komplett zu überfordern.

  • 04.02.2021-Karl Siegenthaler

    Obwohl eine Genfer-Studie – die seit zwei Tagen vorliegt – belegt, dass Kinder bei der Verbreitung des Virus eine grosse Rolle spielen, argumentiert der Kantonsarzt diesbezüglich weiterhin differenziert. Sehr geehrter Herr Kantonsarzt Plattner; verfolgen Sie die Medien und Wissenschafts-Arbeiten oder sind wir Laien tatsächlich besser informiert als der Fachmann?

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