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Der Konflikt findet nur auf der Bühne statt

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Die Szene ist wild, laut und energiegeladen: Zwei Gruppen junger Leute stürmen aufeinander zu, die einen bewaffnet mit Unihockeyschlägern, die anderen mit Basketbällen. Mit ihren Sportgeräten erzeugen sie rhythmische Geräusche, mit den Füssen stampfen sie auf den Boden, die Konfrontation scheint unausweichlich. Die verfeindeten Gruppen, die da auf der Bühne zu sehen sind, sind die Montagues und die Capulets aus dem Stück «Romeo und Julia»–es sind aber auch Deutsch- und Welschfreiburger, wie das Theater Two Words One Stage sie in ihrer Version des Shakespeare-Klassikers darstellt.

Zweisprachige Aufführung

Bei dem Stück, das am Wochenende am Kollegium Gambach zu sehen ist, handelt es sich um eine Initiative der beiden jungen Theatermacher Christoph Mayer und Aurélie Blanc. Der 28-jährige Lehrer und die 26-jährige Literaturhistorikerin haben das Theater Two Words One Stage gegründet, um ihre Vision einer zweisprachigen, auf Freiburg zugeschnittenen Version von «Romeo und Julia» umzusetzen. Ursprünglich hätte die Inszenierung im Rahmen eines Festivals des Kulturcafés Le Tunnel stattfinden sollen. «Nach der Schliessung des Cafés beschlossen wir, das Projekt trotzdem zu realisieren», erzählt Christoph Mayer.

Weil Mayer und Blanc das Stück hauptsächlich mit jungen Schauspielerinnen und Schauspielern aufführen wollten, lancierten sie im vergangenen Frühling einen Aufruf an allen Orientierungs- und Mittelschulen des Kantons. Etwa 40 Interessierte erschienen daraufhin zum Casting; 25 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren blieben schliesslich dabei. Dazu kommen sechs erwachsene Schauspieler, welche die Erwachsenen-Rollen der Inszenierung spielen. Mit dieser Truppe arbeitet das Regie-Duo nun seit Mitte August auf Hochtouren: Fast täglich wird während zehn Stunden geprobt. Die kurze, aber intensive Probenzeit habe zum einen mit der Verfügbarkeit der Beteiligten während der Sommerferien zu tun, erklärt Christoph Mayer. Sie habe aber noch einen anderen Vorteil: «Durch das ständige Beisammensein und die enge Zusammenarbeit entsteht eine ganz eigene Dynamik, die dem Stück guttut.»

Diese Dynamik kommt besonders deshalb zum Tragen, weil die Inszenierung stark auf den Konflikt im Stück fokussiert: den Konflikt zwischen den verfeindeten Familien von Romeo und Julia, der hier zum Konflikt zwischen Deutsch- und Welschfreiburgern wird. «Konflikte kann man nur dann gut spielen, wenn man sich gut versteht», sagt Christoph Mayer. «Die Schauspieler kommen sich dabei sehr nahe und müssen aufeinander eingehen und aufeinander reagieren.» Darum sei es wichtig gewesen, dass die Gruppe schnell zusammenwachse. Und das sei gut gelungen: «Die anfänglich vorhandene Distanz zwischen deutsch- und französischsprachigen Schauspielern ist rasch aufgebrochen.» Ein wichtiges Ziel des Projekts sei damit schon erreicht: «Wir wollten mit dem Theater einen Ort schaffen, an dem sich deutsch- und französischsprachige Jugendliche treffen können, denn in Freiburg gibt es dafür immer noch kaum institutionelle Möglichkeiten.»

Arbeit mit Klischees

Während die Schauspielerinnen und Schauspieler über die Sprachgrenze hinweg rasch zusammengefunden haben, geht es auf der Bühne umso konfliktreicher zu. Dabei arbeitet die Gruppe bewusst mit Klischees wie den Unihockey spielenden Deutschfreiburgern und den welschen Basketballfreunden. Allerdings habe er diese Bilder nicht selber erfunden, betont Christoph Mayer. Grundlage sei eine Umfrage bei rund 200 Vertretern beider Sprachgruppen. «Wir zeigen, was sie übereinander sagen und denken.»

Abgesehen von diesen freiburgischen Elementen hält sich die Inszenierung weitgehend an das Original: Sie ist auf Deutsch und Französisch gespielt und basiert grossenteils auf bestehenden Übersetzungen. Christoph Mayer und Aurélie Blanc haben die Freiburger Version von «Romeo und Julia» während der Sommerferien geschrieben. Der Aufwand sei gross gewesen, sagt Mayer, aber er habe sich gelohnt. «Die Idee funktioniert, und ich könnte mir vorstellen, weitere Projekte mit Two Words One Stage zu realisieren.»

Aula des Kollegiums Gambach,Freiburg. Sa., 3. September, 20 Uhr; So., 4. September, 16 Uhr. Reservation bei Freiburg Tourismus: 026 350 11 00.

Schauspieler: «Wir haben während der Arbeit den Röstigraben überwunden»

A uch wenn einige Erwachsene mitspielen, ist Two Words One Stage vor allem ein Theaterprojekt für junge Leute. Um möglichst viele Jugendliche mitmachen lassen zu können, haben die Autoren und Regisseure Christoph Mayer und Aurélie Blanc das Originalstück um fünfzehn jugendliche Rollen erweitert, die teilweise Originaltexte sprechen, teilweise neu geschriebene.

Von den 25 beteiligten Jungschauspielerinnen und -schauspielern sind zehn deutscher Muttersprache. Einer von ihnen ist der 17-jährige Frederik Meyer, der den Romeo spielt. Nebst der Theatererfahrung sei das Projekt für ihn eine Art «Französisch-Intensivkurs», so der Stadtfreiburger. «Anders als in der Schule bin ich hier gezwungen, Französisch zu sprechen. Das hat mir geholfen, den Respekt vor der Sprache zu verlieren.»

Theater und Choreografie

Ähnlich sieht es die 16-jährige Düdingerin Noemi Müller, die den Mercutio darstellt: «In der Theatergruppe ist es mir egal, wenn ich beim Französischsprechen Fehler mache», sagt sie. Und sie habe rasch ihre früheren Vorbehalte gegenüber den Welschen abgelegt. «Wir waren sogar schon zusammen im Ausgang.» Die 21-jährige Kim Hornisberger aus Muntelier, die selber zweisprachig ist, ergänzt: «Wir sind alle aufeinander zugegangen und haben während der gemeinsamen Arbeit selber den Röstigraben überwunden.»

Auch die 19-jährige Sarra Piesse aus Marly ist zweisprachig aufgewachsen. Am Theaterprojekt schätzt sie nebst der gelungenen Zusammenarbeit zwischen den Sprachgruppen die vielen rhythmischen Elemente: «Es ist nicht nur ein Theater, sondern auch eine Choreografie mit Tanz- und Kampfelementen», sagt sie. cs

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