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Der lange Weg zurück

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Oftmals sind es Sekunden, die ein Sportlerleben verändern. Ein Sieg, der gleichsam wie ein Blitzschlag eine Karriere erhellt und neue Perspektiven entstehen lässt. Oder eine Niederlage, die einen Traum zerstört und plötzlich alles unmöglich erscheinen lässt.

Jan Waeber ist 17 Jahre alt, als sich im Februar 2009 die fatalen Sekunden ereignen: Beim Training im Dojo des Hara Sport Murten zieht sich der Judoka eine Verletzung am rechten Knie zu. Von einem Moment auf den anderen bricht die verheissungsvolle Karriere, die dem jungen Talent prophezeit wurde, weg. «Es passierte kurz vor Trainingsende, bei einem Kampf mit einem Kollegen», erinnert sich der Gurmelsner. «Er versuchte, mich zu werfen, ich auszuweichen. Wir fielen beide auf dem Boden, und er landete irgendwie auf meinem Knie.» Eine herausgesprungene und zweifach gebrochene Kniescheibe, angerissene Bänder und ein Knorpelschaden im rechten Gelenk sind die Folgen der unglücklichen Aktion.

Eine fatale Diagnose

Zu diesem Zeitpunkt gehört Waeber dem Schweizer U17-Nationalteam an, vertritt sein Land an internationalen Judo-Wettkämpfen in ganz Europa. Der Geomatikerlehrling und zweifache Junioren-Schweizermeister steht vor dem Sprung in die U20-Equipe, der höchsten Juniorenstufe. Der Traum vom Profi ist gross, die Türen zur Karriere weit offen.

Eine Operation hält sein Arzt nicht für notwendig – ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellt. Nach einer längeren Zwangspause versucht Waeber, den Anschluss wieder zu schaffen, Schmerzen im Knie werfen ihn aber immer wieder zurück. Die sportlichen Top-Resultate bleiben aus, der Judoka fällt aus dem Nationalkader. Nach knapp zwei Jahren muss sich Waeber doch unters Messer legen. Erneut fällt er länger aus. «Es war eine schwierige Zeit, die ständige Ungewissheit und die Schmerzen haben auf die Moral gedrückt.»

Als der inzwischen 21-Jährige den Elan wiederfindet, haben ihn die Nationaltrainer längst aus dem Blickfeld verloren. Wenig überraschend, schliesslich hat Waeber die wichtigste Etappe auf dem Weg in die Elite-Nationalmannschaft komplett verpasst.

Wie wäre die Karriere wohl verlaufen, wenn es diese Verletzung nicht gegeben hätte? Diese Frage mag sich Jan Waeber nicht stellen. «Es wäre sicherlich anders herausgekommen, wenn ich damals sofort operiert hätte. Heute würde ich wohl direkt einen Spezialisten aufsuchen.»

Bester Deutschfreiburger Judoka

Bitterkeit verspürt der Träger des 1. Dan deswegen keine, das entspricht nicht seiner besonnenen Art. Er konzentriert sich lieber auf das Hier und Jetzt – und das hat einiges zu bieten. In den letzten Jahren hat sich Jan Waeber wieder an die nationale Spitze zurückgekämpft. Aktuell ist er der beste Deutschfreiburger Judoka und als einziger Deutschfreiburger in der Nationalliga A engagiert. Severin Lüthi, der andere Gurmelsner NLA-Kämpfer in Diensten von Morges, ist seit zwei Jahren verletzt und arbeitet an seinem Comeback.

Mit dem Team Nippon Bern hat sich Waeber für das Final-Four-Turnier qualifiziert und kämpft Anfang Dezember in Brugg um den Schweizer Mannschaftstitel. «Bern hatte mich bereits 2013, nachdem ich Dritter an der Schweizer Einzelmeisterschaft geworden war, angefragt für die NLA. Damals fühlte ich mich aber noch nicht bereit für diesen Schritt. Dieses Jahr hat sich Bern erneut um mich bemüht, also habe ich mich entschlossen, die Herausforderung anzunehmen. »

Auch wenn Judo hierzulande keinen grossen Stellenwert geniesst und sich abseits des Scheinwerferlichts abspielt, ist das sportliche Niveau in den letzten Jahren enorm gestiegen. Wie in anderen Sportarten üblich, verstärken sich auch die Schweizer NLA-Teams mit ausländischen Kämpfern, die speziell für die Meisterschaftspartien engagiert und eingeflogen werden. Umso höher ist es zu gewichten, dass sich Waeber in seiner ersten NLA-Saison bei den Bernern bereits als Stammkämpfer in seiner Klasse (–66 kg) etabliert hat. Obwohl er ursprünglich nur als Backup vorgesehen war. «Ich musste einige Male Lehrgeld zahlen, aber die wichtigsten Kämpfe habe ich gewonnen.»

Schlechte Laune der Natur

Dass Jan Waeber heute überhaupt Judo praktiziert, hat er einer schlechten Laune der Natur zu verdanken. «Als Kind hatte ich so stark Heuschnupfen, dass ich im Frühling und Sommer sogar in der Schule eine Sonnenbrille tragen, weil ich sonst nichts sehen konnte. Ein Outdoor-Sport wie Fussball kam für mich nie in Frage.» Als Achtjähriger begleitet er seinen Nachbarn ins Judotraining – und wird vom Kampfsportvirus gepackt. «Bei mir muss immer etwas laufen. Und ich brauche das Kräftemessen mit den anderen.

Heute absolviert Waeber fünf Trainings pro Woche, kämpft auf der Matte, stählt im Kraftraum seine Muskeln, büffelt auf dem Mountainbike oder beim Joggen Kondition. Pro Kategorie sind es die 16 besten Judokas, die sich während des Jahres über die Ranking-Turniere für den Finalevent qualifizieren konnten. Jan Waeber geht als Nummer eins des Rankings an den Start.

Schweizer Meistertitel als Ziel

Sein grosses Ziel ist denn auch der Gewinn des Meistertitels – nach den beiden Triumphen bei den Junioren wäre es sein erster bei der Elite. Im Vorjahr hatte sich Waeber im Halbfinal Arturo Sanchez geschlagen geben müssen. Der Genfer startet aber wie auch Vorjahressieger Marco Papa momentan in einer höheren Gewichtsklasse. Auch Nils Stump, der momentan alles abräumt, hat in die Kategorie –73 kg gewechselt. «Die meisten Gegner kenne ich, und ich weiss, was mich erwartet. Gegen einige Junge habe ich aber noch nie gekämpft, da muss ich besonders auf der Hut sein.»

Auch wenn die Ausgangslage vielversprechend ist – einer Medaille kann sich niemand sicher sein: Im Judo ist alles möglich, auch das vorzeitige Turnierende eines Favoriten. Oftmals entscheiden Sekunden – keiner weiss das so gut wie Jan Waeber.

«Bei mir muss immer etwas laufen. Und ich brauche das Kräftemessen mit den anderen.»

Jan Waeber

Judoka

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