Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Der letzte Schultag ist gekommen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Entspannt sitzen Margrit und Johann Baeriswyl am Küchentisch in ihrem Haus in Brünisried. Nur noch wenige Tage, dann schliessen sie ein wichtiges Kapitel ihres Lebens ab: ihre Schulzeit. Die beiden haben ihr ganzes Berufsleben an der Primarschule Plaffeien verbracht und unzählige Kinder betreut. Im Gespräch mit den FN erzählen die 63-Jährigen, wie sich Kinder und Schule entwickelt haben und warum sie der bevorstehenden Pensionierung mit einem guten Gefühl entgegenblicken.

Warum haben Sie damals den Lehrberuf ergriffen?

Margrit: Für mich war die Berufswahl schon in der Primarschule klar. Zu Hause habe ich meine Geschwister gezwungen, Schule zu spielen. Lehrerin war mein Traumberuf.

Johann: Bei mir war es ganz anders. Ich hatte sogar schon einen Lehrvertrag als Laborant in der Tasche. Aus irgendeinem Grund liess ich ihn wieder auflösen, warum, weiss ich nicht so genau. Meine Lehrer ermunterten mich, ans Collège zu gehen, und ich konnte mir vorstellen, Chemie zu studieren. Da mein Bruder schon ins Lehrerseminar ging, habe ich dort auch die Prüfung abgelegt und bestanden. So ging das. Bedauert habe ich es grundsätzlich nie.

Ihre erste Stelle war in Plaffeien. Bewusst gewählt oder zufällig?

Margrit: Die Schule Plaffeien suchte jemanden, und ich war froh, eine Stelle zu finden. Es war mir egal, wo. Es hat Vor- und Nachteile, wenn man am Ort wohnt, wo man auch unterrichtet. Mit der Erfahrung von heute würde ich wohl lieber nicht mehr im gleichen Dorf arbeiten und wohnen.

Johann: Wir gingen mit einer jugendlichen Unbeschwertheit ans Werk und haben uns das gar nicht überlegt, vielleicht auch, weil all unsere Freunde in Plaffeien waren. Die Hälfte der Eltern hat mich geduzt, da sie mich schon kannten, als ich noch ein kleiner Junge war.

Margrit: Wir packten die Aufgabe einfach an, waren voller Selbstvertrauen und sicher, dass es schon gut gehen wird. Ich erinnere mich noch genau an meine erste Klasse. Heute sind diese Kinder über 50 Jahre alt.

Haben Sie je an einen Berufswechsel gedacht?

Margrit: Nein. Durch meine Mutterschaft hatte ich einen Unterbruch, nach dem ich gerne wieder eingestiegen bin. Die letzten 13 Jahre als Schulleiterin habe ich zwar kaum mehr unterrichtet, aber trotzdem: Für mich ist es immer noch ein Traumberuf.

Johann: Ich hatte nach etwa 20 Jahren eine Krise und wollte etwas anderes machen. Eine Tätigkeit, bei der ich weniger mit Menschen zu tun hätte, ein Bürojob oder etwas in einem Archiv, wo ich meine Ruhe hätte. Als Lehrer steht man immer in Kommunikation, mit Kindern, Eltern, Schuldiensten und Behörden. Das ist zwar sehr wichtig, aber auch sehr anstrengend, es braucht Zeit und Sub­stanz. Schliesslich habe ich den Sprung nicht gewagt, weil ich mir meiner Verantwortung als Familienvater bewusst war. Das habe ich aber nie bedauert.

Margrit: Die Lehrpersonen haben einen anspruchsvollen Job. Das hat sicher auch mit der Einstellung zu tun. Ich habe das als Schulleiterin oft gesehen: Lehrpersonen setzen sich gerne selbst unter Druck. Sie wollen alle Erwartungen erfüllen und fühlen sich verpflichtet, unter Beweis zu stellen, dass sie ihre Arbeit gut machen. Ich denke, es kann einen Menschen schon belasten, es allen recht machen zu wollen.

Johann: Das ist so. Man will jedes Kind optimal fördern. Die Frage ist, wie weit gehst du in deinen Bemühungen? Niemand setzt dir Grenzen.

Wie hat sich der Beruf verändert?

Johann: Früher durfte man noch ohne grosse Aufregung Fehler machen, das wurde akzeptiert. Heute muss ein Neulehrer von Anfang an einfach funktionieren.

Margrit: Alles war etwas lockerer, weniger kontrolliert, wir hatten mehr Freiheit, wie wir den Unterricht gestalten wollten.

Johann: Ich finde, man hat noch heute im pädagogischen, didaktischen und methodischen Bereich viele Freiheiten im Klassenzimmer. Sobald man aber das Schulzimmer verlässt, sind extrem viele Reglemente und Sicherheitsvorschriften zu beachten.

Sie haben sich in den 1980er-Jahren als erstes Lehrerpaar im Sensebezirk ein Pensum geteilt. Wie kam es dazu?

Johann: Das war in der Zeit, als es immer mehr Lehrer gab. Doppelverdiener waren etwas verpönt. Ich hatte damals zudem eine Zeit lang den Plan, die Klavierlehrer-Ausbildung zu machen und so ein zweites Standbein aufzubauen. Unser Antrag bei Gemeinde und Staat wurde genehmigt. Massgebend war wahrscheinlich, dass wir ein Ehepaar waren, sonst wäre es wohl kaum gegangen.

Beruflich und privat so eng zusammen – ging das immer problemlos?

Margrit: Das ging anfangs sehr gut, vor allem auch, weil wir Lehrerkollegen ein super Team waren. Als unsere Kinder in die Schule kamen, war es wohl für sie nicht gerade einfach: Wir haben oft über die Schule gesprochen. Das hat sie bestimmt ziemlich gelangweilt.

Johann: Die Zusammenarbeit war nie ein Problem. Wir waren auf der gleichen Linie, haben aber viel besprochen.

Margrit: Von den Leuten kam nie eine kritische Rückmeldung, höchstens, dass die Frau strenger sei … Heute ist dieses System ja sehr üblich, kaum eine Lehrperson arbeitet mehr 100 Prozent.

Johann: Deshalb ist der Beruf auch bei Frauen beliebt; er kann gut in einem Teilpensum ausgeübt werden, und ein Wiedereinstieg ist gut möglich. Ein Mann sucht eher eine Vollzeitstelle. Doch kann man heute meiner Meinung nach kaum mehr längerfristig zu 100 Prozent unterrichten, denn der Aufwand ist immer grösser als das Pensum.

Hat sich an der Art des Unterrichtens im Laufe der Jahre etwas geändert?

Johann: Früher gab es vor allem Frontalunterricht und vielleicht noch etwas Partner- und Gruppenarbeit. Seit 20 bis 30 Jahren kennen wir die erweiterten Lernformen. Ich finde, es braucht von allem ein wenig, eine gute Balance. Je nach Fach und Thema eignet sich die eine oder andere Unterrichtsform besser als die andere. Was sich sicher geändert hat, ist die Infrastruktur. Wir sind heute super ausgerüstet, das war nicht immer so. Der Stellenwert der Schule ist gestiegen, die Behörden haben eingesehen, dass die Schule nicht nur kostet, sondern auch eine gute Investition in die Zukunft der Gesellschaft ist.

Margrit (lachend): Ja, das hat sich schon geändert. Kein Wunder, die heutigen Politiker waren ja mal unsere Schüler …

Sind die Kinder von heute anders als jene von früher?

Johann: Sie sind anspruchsvoller. Man muss sich mehr bemühen, sie zu motivieren. Früher war es ein Fest für das ganze Schulhaus, wenn wir einmal im Jahr einen 16-Millimeter-Film gezeigt haben. Heute ist es schwieriger, ihnen etwas Vergleichbares zu bieten. Früher wie heute besteht ein Teil unserer Arbeit – neben dem Leistungsauftrag – darin, die Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen und ihr Selbstvertrauen zu fördern. Allerdings nimmt heute das Vermitteln von Sozialkompetenz einen grösseren Stellenwert im alltäglichen Unterricht ein.

Margrit: Die Kinder sind verwöhnter und unruhiger. Es ist schwieriger, die Disziplin einzuhalten als früher.

Margrit Baeriswyl, Sie waren 13 Jahre lang Schulleiterin. Wie kamen Sie zu diesem Amt?

Die Aufgabe hat vorher immer jemand vom Team übernommen, es war vor allem eine administrative und organisatorische Arbeit, die niemand so gerne gemacht hat. Als in Deutsch­freiburg die Pilotphase für Schulleitungen anlief und langsam institutionalisiert wurde, ist die Stelle ausgeschrieben worden. Da habe ich zuerst meinen Mann gefragt, ob er das nicht übernehmen wolle.

Johann: Du hast gefragt, aber auch gesagt, dass du es übernimmst, wenn ich nicht will.

Margrit: Genau. Ich sagte mir, ich versuche es mal, habe mich beworben und wurde gewählt. Die Schulleiterausbildung ist aber das Beste, was ich machen konnte, weil ich durch sie viel in Sachen Personalführung und Verantwortung gelernt habe.

Anfangs haben Sie unterrichtet und waren gleichzeitig Schulleiterin.

Margrit: Es war nicht einfach: Je mehr Führungsaufgaben ich hatte, desto schwieriger wurde es, beide Rollen wahrzunehmen. Denn ein Schulleiter ist kein Lehrer. Aber ich habe es nie bedauert, den Schritt gemacht zu haben.

Johann (lachend): Ich wollte eine Direktorin, die entscheidet, wenn im Team Unklarheiten bestehen.

Margrit: Ich war sehr motiviert. Es war eine intensive Zeit, lehrreich, aber auch herausfordernd.

Johann: Allerdings, du warst zu 40 Prozent angestellt und hast 80 Prozent gearbeitet.

Margrit: Ich habe es gern gemacht, auch wenn es nicht immer einfach war. Ich musste auch schwierige und unpopuläre Entscheide treffen. Manchmal musste ich Reglemente anwenden – selbst, wenn auch ich sie nicht gut gefunden habe. Es war mir wichtig, den Leuten das Vertrauen zu geben und sie vor allem machen zu lassen, wenn es gut lief. Ein bisschen gesunder Menschenverstand hat nie geschadet.

Jetzt ist das Ende in Sicht. Wie fühlen Sie sich?

Johann: Es ist speziell. Es wird mir schwerfallen, die Schlüssel abgeben zu müssen, die ich 42 Jahre lang bei mir getragen habe. Die Zeit ist so schnell vorbeigegangen. Es war nie eine Sekunde langweilig. Die Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Margrit: Die Kinder hatten dich sehr gerne. Du warst ein guter Lehrer und hattest immer einen guten Bezug zu ihnen, warst offen und respektvoll – und vor allem hast du immer etwas Humor in die Klasse gebracht.

Johann: Das schätzen die Kinder extrem, wenn der Lehrer nicht alles todernst nimmt.

Margrit: Wir haben das mit Leib und Seele und sehr viel Herzblut gemacht. Es macht auch zufrieden: Man muss viel geben, aber es kommt auch viel zurück. Nun bin ich aber froh, die Verantwortung abgeben zu können. Gerade mit der Schulkreiszusammenlegung wird es mir langsam zu gross. Das hat vielleicht auch mit dem Alter zu tun. Jetzt habe ich wieder Zeit, private Projekte anzupacken und die Hobbys zu pflegen, die Musik, den Garten, das Lesen und Wandern; einfach mal einen Tag oder eine Woche zu haben, die nicht fremdbestimmt ist. Ich freue mich, dass wir zwei etwas zusammen unternehmen können.

Johann: Wir freuen uns auf den kommenden Lebensabschnitt und sind dem Staat sehr dankbar, dass wir frühzeitig in Pension gehen können. Ich werde es geniessen.

«Für mich ist es immer noch ein Traumberuf.»

Margrit Baeriswyl

Lehrerin und Schulleiterin

Josef Overney

«Nach 42 Jahren habe ich es gesehen»

Mit Josef Overney geht an der Schule Plaffeien ein weiterer langjähriger Lehrer in Pension. «Ich freue mich darauf», sagt der 62-Jährige im Gespräch mit den FN. Er habe vor zwei Jahren sein Pensum auf 60 Prozent reduziert und so schrittweise seinen Abschied aus dem Berufsleben organisiert. Er gehe nicht etwa frustriert in den Ruhestand. «Es war grösstenteils eine schöne Zeit.» Er sei aber froh, dass er all die Neuerungen wie den Lehrplan 21 nicht mehr mitmachen müsse. «Nach 42 Jahren habe ich es gesehen.» Die Rahmenbedingungen für den Unterricht, etwa die Klassengrösse, hätten sich stark geändert.

Josef Overney hat erst an der Schule Tafers unterrichtet und 1991 nach Plaffeien gewechselt. Er hat praktisch alle Stufen unterrichtet, zuletzt die fünfte und sechste Klasse. «Ein spannendes Alter.» Er sei froh, mit einer «flotten Klasse» aufhören zu können. Es habe ihm gefallen, mit Kindern zu arbeiten und sie positiv weiterzubringen. Geschätzt habe er auch die Kontakte mit Eltern, Behörden und den Lehrerkollegen. «Ein gutes Team ist sehr wichtig.» Josef Overney war eine Zeit lang Schulleiter und hat sich im Lehrerverband engagiert. «Das war für mich selbstverständlich. Ich habe das als Öffentlichkeitsarbeit für unseren Beruf angesehen.»

im

 

Mehr zum Thema