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«Der Nabel der Welt» von Catalin Dorian Florescu

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Anderthalb Jahre nach seinem fulminanten sechsten Roman «Der Mann, der das Glück bringt» legt Catalin Dorian Florescu ein neues Buch vor: «Der Nabel der Welt» enthält neun Erzählungen aus den Jahren 2001 bis 2016 – Fingerübungen, die einem das Warten auf Florescus nächsten Roman versüssen.

In der Erzählung «Gestrandete» taucht eine Armada von Flüchtlingsbooten vor der Ferieninsel Sylt auf. In «Der Geruch der Welt» erträgt eine bosnische Toilettenfrau in Belgien den Gestank nur dank der Literatur.

In «11. September» wird eine Brasilianerin in Zürich von ihrem Mann – sie nennt ihn «Schwein» – für eine Dünnere verlassen und verkauft widerwillig ihr welkes Fleisch. Ein alter Brief ihres Bruders erinnert sie täglich daran, dass es zu Hause noch schlimmer ist.

Weggehen für die anderen

Eigentlich gar nicht emigrieren möchte die Rumänin aus «Hochzeitsnacht». Aber sie wird wohl trotzdem mit dem Schweizer mitgehen, schon allein wegen der «Geschenke» für die Verwandtschaft und damit der Vater seinen Traum vom Weggehen nicht vergebens geträumt hat.

«Klammer und Essenz» aller Geschichten des Bandes, so schreibt der Autor im Vorwort, sei, dass alle Protagonisten Gestrandete seien. Manche stranden dabei auch einfach dort, wo sie die Geburt angeschwemmt hat: wie der kleine Rumäne Radu, der an der Ampel für Trinkgeld Autofenster putzt und morgens den Blick abwendet, wenn «Der letzte Kunde der Nacht» – so der Titel der Geschichte – das Zimmer der Schwester verlässt. Radu rächt sich an seinem Wohltäter, weil dessen Hilfe seinen Stolz verletzt.

Perfekte Nachttisch-Lektüre

Die neun Geschichten, die bis auf eine bereits früher in verschiedenen Publikationen erschienen sind, sind ganz unterschiedlich. Sie spielen in Rumänien, Zürich, Turin, St. Moritz, Gent und im Dreiländereck Rumänien-Serbien-Ungarn; die Protagonisten reichen von Strassenhuren bis zu mondänen Bewohnern von Luxushotels. Manche Texte verraten die Fabulierkunst, den Witz und den Esprit, für die der Autor berühmt ist, andere sind schlichter, ernster, dialogischer.

«Der Nabel der Welt» ist perfekte Nachttisch-Lektüre, die man häppchenweise konsumieren kann. Im Gegensatz zu Florescus Romanen, die einem schlaflose Nächte verursachen, weil man sie nicht aus der Hand legen kann.

sda

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