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Der Publikumsliebling in spe

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Greg Mauldin bestellt nicht «mineral water», er bestellt «de l’eau». «Avec gaz, s’il vous plaît.» Dazu lächelt er, schelmisch und stolz. Er will «nicht dem Klischee des Amerikaners entsprechen». Der Stürmer aus Massachusetts hat eine Wette am Laufen, dass er am Ende der Saison ein Interview ausschliesslich auf Französisch gibt. Er nimmt Sprachunterricht, schaut sich seine Lieblingssendungen auf Französisch an, «Les Simpson» beispielsweise, wie er mit einem Gesichtsausdruck sagt, der eine gewisse Verwunderung darüber verrät, dass man den Namen der Trickfilm-Helden tatsächlich französisch betonen kann. Und Mauldin versucht im Alltag wann immer möglich, Französisch zu sprechen. «Sie bringt mir immer wieder neueWörter bei», sagt Mauldin, und zeigt auf die Bedienung des Sportcafés. «Sie freut sich, wenn ich ihre Sprache spreche.»

 Mit 24 am Tiefpunkt

Kein Zweifel, Mauldin will sich voll und ganz auf das Abenteuer Schweiz einlassen. Einerseits, weil er die Frage, ob er sich nach Ablauf seines Einjahresvertrags vorstellen könne, länger in Freiburg zu bleiben, ohne eine Sekunde Bedenkzeit mit einem «Definitiv» beantwortet. Andererseits, weil er ohnehin keine halben Sachen mehr macht. In der Saison 2006/07 hatte er in Skandinavien sein Erweckungserlebnis. Vor seinem Engagement bei den schwedischen Zweitdivisions-Klubs Huddinge und Oskarshamn hing seine Eishockey-Karriere an einem seidenen Faden. Der damals 24-Jährige überlegte sich, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen und bei der US Army anzuheuern. Weder in der NHL noch in der zweitklassigen AHL hatte er einen Vertrag erhalten. Er spielte für Bloomington in der drittklassigen UHL, einer Liga, die einem Profisportler weder sportlich noch finanziell eine akzeptable Zukunftsperspektive bietet. «Also musste ich mir überlegen, was ich ausser Eishockeyspielen sonst noch kann.» Die Anzahl Antworten auf diese Frage hielt sich in engen Grenzen. An der Universität war er gewesen, um Eishockey zu spielen, Berufsausbildung hatte er keine. Dies ist mitunter ein Problem von Profisportlern. Erst recht in den USA. Sie verdienen meist gutes Geld, wenn sie ihren Sport ausüben können, gerät die Karriere allerdings ins Stocken, kann das zu Problemen führen. «Ich wusste, dass es nichts für mich ist, irgendwo in einem Büro zu hocken.» Er dachte sich: Ich bin fit und physisch stark. Und er hatte Bekannte bei der Armee.

Schwedische Tagebücher

Also erzählte er einem guten Freund von der Idee. «Der dachte zunächst, es sei ein Witz. Er hat mir deutlich davon abgeraten, mir gesagt, ich solle mit Eishockey weitermachen und irgendwo einen Neuanfang wagen.» Heute ist Mauldin froh um diesen Rat. «Dazu sind gute Freunde ja zum Glück da.» Denn erstens kann in den USA Armee immer auch Krieg bedeuten. «Ich kenne zwar viele Leute, die schon lange in der Armee sind und nie im Irak oder in Afghanistan waren. Aber es kann immer vorkommen. So genau weiss man das nie. Natürlich ist das eigentlich beängstigend. Doch ich war jung und hatte mir nicht allzu viele Gedanken gemacht.»

 Zweitens, sagt Mauldin, sei er in Schweden «zu einem besseren Menschen geworden.» «Ich war oft alleine, hatte viel Zeit, über mich nachzudenken und habe viel über mich gelernt.» Er schrieb täglich Tagebuch, stellte sich die Frage, ob er hart genug für seine Eishockeykarriere arbeite. Die Antwort war: Nein. «In der Saison 2003/04 verliess ich als 21-Jähriger die Uni und kam mit Columbus schnell einmal zu sechs NHL-Spielen. Ich dachte mir: Hey, das geht ja alles ganz einfach.» Doch so war es nicht. Es sollten für lange Zeit die einzigen NHL-Spiele bleiben. «Ich hatte nicht richtig verstanden, wie ich spielen muss, spielte nicht intelligent genug. Und ich war nicht offen genug für Verbesserungsvorschläge.»

 Schlittschuhe von der Heilsarmee

In Schweden verlor er seine Immunität gegen Ratschläge und lancierte seine Karriere neu. Zurück in den USA entwickelte sich Mauldin in den letzten Jahren, wie er selbst sagt, zu einem der 20 bestverdienenden AHL-Spieler. Einem, der immer wieder mal zu NHL-Einsätzen kam, wenn sich die Organisation mit Verletzungssorgen herumplagte.

Vor seiner neuen Herausforderung in Freiburg steht Mauldin, den Gottéron-Trainer Hans Kossmann als «Profi durch und durch» bezeichnet, wieder mit beiden Beinen fest im Leben eines Profisportlers. Der 30-Jährige ist froh darüber, auch weil er glaubt, das seinem Vater schuldig zu sein. «Er ist mein Idol. Er war es schon immer. Ging er ins Fitnessstudio, wollte ich ebenfalls ins Fitnessstudio, schnitt er die Hecke, wollte ich ebenfalls die Hecke schneiden. Und er hat mich immer unterstützt. Ohne ihn wäre ich nicht hier.»

 Nachdem der kleine Greg im Alter von sechs Jahren seinen ersten Eishockeymatch gesehen hatte, wollte er unbedingt selbst spielen. Doch da gab es ein Problem: Eishockey ist eine teure Sportart, seine Familie hatte nicht viel Geld. Dennoch kaufte sein Vater dem kleinen Greg bei der Heilsarmee ein Paar billige Schlittschuhe. «Und ich liebte es, wollte immer weitermachen. Eishockey-Profi zu werden war in meiner Jugend alles, was ich wollte. Und mein Vater hat mir das stets ermöglicht, selbst als er seinen Job verlor, als ich 14 war. Ich weiss nicht genau, wie er das gemacht hat, aber ich bin ihm sehr dankbar dafür.» 2000 starb Mauldins Vater an Krebs.

 Kleine Unterschiede

Zu seiner Mutter und seiner zwei Jahre älteren Schwester hat der alleinstehende Mauldin immer noch ein enges Verhältnis. Er schreibt täglich SMS und ruft beide zwei Mal pro Woche an. Im Winter werden sie ihn besuchen kommen. Er freut sich, ihnen die Schweiz zu zeigen. «Am Anfang musste ich mich zusammenreissen, dass ich nicht überall stehen bleibe und meine Kamera zücke. So viele schöne Landschaften bin ich mir nicht gewohnt.» Ansonsten unterscheide sich das Leben in der Schweiz jedoch nur unwesentlich von demjenigen in seiner Heimat, einem Vorort Bostons. «Die Unterschiede sind kleiner, als ich gedacht hatte.» Ihm kommen nur Kleinigkeiten in den Sinn, die vielen Kreisel in der Schweiz, die ihm das Autofahren erschweren, oder die Läden, die früher schliessen und am Sonntag gar nicht erst aufmachen. «Das hat mir zu Hause zunächst niemand geglaubt. Da wüssten viele Amerikaner wohl nicht, was sie tun sollen. Aber wenn man mit offenem Geist anreist, hat man sich schnell an das Leben hier gewöhnt.»

 Twittern mit den Fans

Schwierig, bei Mauldins fröhlicher, einnehmender Art an seinem offenen Geist zu zweifeln. Er ist ein «good guy», wie die Amerikaner sagen. Er twittert gerne und geht dabei stets auch auf Fragen und Anregungen der Freiburger Fans, die ihm auf Twitter folgen, ein. Auch im Team ist er bereits gut integriert. «Man hat mich mit offenen Armen empfangen. An meinem zweiten Tag war ich bereits mit Bykow und Sprunger bei Ngoy in Lausanne zum Essen eingeladen. Wenige Tage später bei Shawn Heins. Das hat mich gerührt.»

Stolz twittert Mauldin jeweils über die Erlebnisse mit seinen neuen Teamkollegen. Wie ihm Julien Sprunger und Adam Hasani das Tischtennisspielen beibringen, wie ihn Mitspieler neu einkleiden oder wie er mit einem halben Dutzend Teamkollegen einen Ausflug nach Mailand unternimmt. «Er ist ein lustiger, toller Typ», sagt Captain Shawn Heins über Mauldin. «Viele ausländische Spieler in der Schweiz sind empfindlich, schnell gereizt. Bei Greg ist das absolut nicht der Fall, er bringt viel gute Stimmung in die Kabine.» Neben dem Eis macht Mauldin also bereits einen überzeugenden Eindruck. Bleibt aus Freiburger Sicht zu hoffen, dass er ab Freitag auch auf dem Eis überzeugt.

Hans Kossmann: «Mauldin ist läuferisch und physisch top»

Meist sind ausländische Stürmer in der Schweiz in erster Linie Skorer. Bei Greg Mauldin ist das anders. Wo auch immer er spielte, kam er zwar zu seinen Punkten, doch 274 Punkte in 486 Spielen in der AHL, der Sprungbrettliga der NHL, sind nicht überragend. Das zeigt ein Vergleich mit den beiden anderen ausländischen Gottéron-Stürmern. Simon Gamache holte während seiner Zeit in der AHL fast einen (339 in 364), Pavel Rosa sogar mehr als einen Punkt pro Spiel (151 in 139). Mauldin hat nicht die feinsten Hände, keine überdurchschnittlich gute Puckbehandlung. Seine Qualitäten sind deshalb andere. «Ich bin ein harter Arbeiter, ein Forechecker, der viel läuft und Turnovers provoziert», sagt der Amerikaner, um dann doch noch anzufügen: «Aber ich bin auch einer, der sofort schiesst, wenn sich die Möglichkeit bietet.» Eine seiner grössten Stärken ist das Spiel in Unterzahl, in Übersee wurde er regelmässig im Boxplay eingesetzt, zwei seiner fünf Tore in der NHL waren Shorthander. Entgegen kommt dem laufstarken Flügelspieler, der auch als Center eingesetzt werden kann, dass die Eisflächen in Europa grösser sind als in den USA.

«Sicher kein Sprunger»

Gottérons Trainer Hans Kossmann ist mit Blick auf die Testspiele bisher zufrieden mit seiner Neuverpflichtung. «Wir wollten einen fünften Ausländer, der Energie und Tempo ins Spiel bringt. Das haben wir in Mauldin gefunden. Er ist physisch und läuferisch top. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Vorbereitung. Er bringt genau das ins Spiel, was wir von ihm erwartet haben.» Dazu gehört auch eine Portion Härte. Mit 180 Zentimetern ist der Amerikaner zwar nicht besonders gross, aber mit seinen 88 Kilogramm und dem breiten Oberkörper ist er dennoch ein Kraftpaket. Es verwundert nicht, dass er in seiner Jugend auch American Football gespielt hat.

In den Testpartien spielte Mauldin oft an der Seite von Andrei Bykow, dem wohl offensivsten Center Gottérons. Ein Indiz dafür, dass Mauldins Rolle in der Schweiz einen Tick offensiver ist als in den USA. Kossmann bestätigt das. «Er ist sicher kein Sprunger. Aber er kann und muss auch offensiv Verantwortung übernehmen.» «Er hat einen sehr guten Schuss. Wir werden noch viel Freude an Greg haben», sagt Captain Shawn Heins.

«Darf nicht zu einfach sein»

Von den fünf Ausländern Gottérons können jeweils nur vier spielen. Mauldin wird sich also auch auf der Tribüne wiederfinden. Die Situation sei für ihn kein Problem, betont er. «Konkurrenzkampf tut gut. Es darf nicht zu einfach sein ins Team zu kommen. Ich hätte auch nach Deutschland wechseln können, wo die Teams so viele Ausländer einsetzen können wie sie wollen. Aber ich mag Herausforderungen.» fm

Zur Person

Greg Mauldin

Serie

Gottéron vor dem Saisonauftakt

Ab Freitag gilt es für Gottéron ernst. Dann nämlich startet Freiburg mit dem Heimspiel gegen den EHC Biel in die neue Saison. In dieser Woche lesen Sie deshalb jeden Tag auf einer Seite alles Wissenswerte zu Gottéron und dem NLA-Auftakt. Morgen stehen unter anderem die Schweizer Neuverpflichtungen Freiburgs im Vordergrund.

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