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Der Schatz hinter dem Wandverputz

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Peter Rieben, pensionierter Malermeister aus Bern, staunte nicht schlecht, als während Renovationsarbeiten am ehemaligen Restaurant Hirschen in Thörishaus kürzlich Wandmalereien aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zum Vorschein kamen. Konkret fanden die Arbeiter schwarze und gräuliche Strukturen auf verschiedenen Stockwerken sowie Bilder an der Holzdecke. Sie gleichen dem umgebenden Riegelbau. «Damit hatten wir nicht gerechnet», sagt der stolze Hausbesitzer, der sich mit der Renovation des alten Gebäudes an der Freiburgstrasse einen Lebenstraum verwirklichen will.

Als er die Liegenschaft vor zwei Jahren kaufte, erfuhr er von den früheren Besitzern, dass sie wohl aus dem Jahr 1921 stamme, erinnert sich Rieben und grinst verschmitzt. Als die Arbeiter jedoch die neuzeitlichen Täfer herausrissen, entdeckten sie Bretter, deren Alter von einem Experten–einem Baubegleiter von der kantonalen bernischen Denkmalpflege–aufgrund der gemalten Blumenmotive auf das Jahr 1650 datiert wurde. «Früher wurde als Dekoration viel gemalt», weiss Rieben, «denn die Malerarbeit war günstiger als das teure Material für eine Verzierung.» Eine Untersuchung des Holzes mit den Mitteln der Dendrochronologie (siehe Kasten) lässt jedoch darauf schliessen, dass der Kern des Gebäudes noch um einige Jahre älter sein muss. Die Decke der ehemaligen Gaststube wurde in den letzten Monaten fachmännisch restauriert.

Blumen an der Decke

Die im Rahmen der Arbeiten ebenfalls freigelegten Wandbemalungen, der Fachmann spricht von Grisaillen (siehe Kasten), sind wohl um 1610 entstanden. Für die Bilder verwendeten die frühneuzeitlichen Maler Rebenschwarz. Rieben kennt sich als ehemaliger Maler und Berufsschullehrer aus mit Farben und ihrer Entstehungsgeschichte. Die Bilder in Schwarz auf Kalkweiss wurden an mehreren Stellen im Gebäude entdeckt, auch an unvermuteten Orten–zum Beispiel beim Aufgang zum Estrich. Es sei anzunehmen, so Rieben, dass hinter dem Verputz noch einiges an Malereien zu finden sei, doch freilegen könne man nicht alle.

Die Blumenbilder entstanden möglicherweise etwas später als der Gebäudekern selbst. «Wir gehen davon aus, dass es von den Blumen eine ältere Fassung gegeben haben muss.» Das Haus wurde in den letzten vier Jahrhunderten immer wieder erweitert, bis das Haus seine heutige Grösse und Form erreichte. Zeitweise wurde es als Restaurant gebraucht, Hinweise lassen laut Hobbyarchäologe Rieben darauf schliessen, dass es schon früher als Unterkunft für Händler und Reisende gedient haben muss. Namentlich führte eine alte Salzstrasse an Thörishaus vorbei, «das war gewissermassen eine Seidenstrasse im Kleinen», so Rieben.

Rieben freut sich auf die Malereien, die er gefunden hat. Der 68-Jährige will das alte Restaurant nach und nach in ein schmuckes Wohnhaus umbauen. Die Küche hat er schon auf Vordermann gebracht, die Räume in den oberen Etagen des Gebäudes sind in Arbeit. Das ist seine Passion, er hat schon in La Neuveville ein altes Lokal umgebaut. «Da kann man allerhand dabei entdecken», sagt er. Die in Thörishaus entdeckten Malereien seien das beste Beispiel dafür.

Alte Gebäuden unterstehen während Jahrhunderten einem Wandel, jeder Besitzer tut das Seinige dazu, sodass hinter dem Sichtbaren oft Verstecktes zu finden ist. Und frühere Restaurants sind laut Rieben sehr geeignete Objekte für Umbauten, weil viele Elemente–wie die Küche–schon vorhanden sind und nur noch angepasst werden müssen.

Entdeckungen möglich

Noch nicht bis zum Letzten durchgeplant ist die Zukunft des alten Theatersaals im oberen Stock. Rieben, der gerne alte Objekte sammelt und sich eine umfangreiche Kollektion angelegt hat, braucht es heute als Lager. Auch dort gibt es sicher noch die eine oder andere Trouvaille, wenn sie wohl auch kaum so alt sein werden wie die Malereien an der Wand der alten Gaststube.

Grisaillen wurden auch in den oberen Stockwerken entdeckt.Eindrücklich sind die Blumenbilder an der restaurierten Decke.

Definition

Diese Forschung geht den Linien nach

Die Dendrochronologie ist eine vor allem in der Archäologie und Kunstgeschichte weitverbreitete Technik zur Bestimmung des Alters eines Objektes aus Holz. Dabei gehen die Forscher davon aus, dass zwei Holzstücke aus der gleichen Region wegen der Abhängigkeit vom Wetter einen ähnlichen Verlauf der Jahrringe aufweisen. Sie sind in für das Wachstum guten Jahren breiter. Wenn die Bedingungen schlechter sind, sind sie schmal. Anhand der Erkenntnisse konnten für viele Regionen der Welt Tabellen mit Vergleichswerten erstellt werden. So können die Experten aufgrund von Proben recht genau bestimmen, aus welchem Zeitraum, sogar aus welchem Jahr, das Objekt stammt. Holzfunde können so auf bis über 10000 Jahre zurückdatiert werden. Für die Region Mitteleuropa werden laut der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft bald Datierungen auf mindestens 14000 Jahre zurück möglich sein.fca

Fakten und Zahlen

Eine Maltechnik in Schwarz und Grau

Grisaillen – der Begriff ist aus dem Französischen und von der Farbe Grau abgeleitet – sind Malereien, weit verbreitet im Mittelalter, welche ausschliesslich mit den Tönen Schwarz, Grau und Weiss ausgeführt werden. Auch bekannte Maler wie Rembrandt, Pablo Picasso und Albrecht Dürer malten mit dieser Technik. Gemalt wurde auf verschiedenen Oberflächen, wobei viele Bilder mittels Schatten einen 3D-Effekt erhielten. Die Technik wurde auch in der Glasmalerei eingesetzt. Wandmalereien wie im früheren Restaurant Hirschen in Thörishaus sind laut Auskunft des heutigen Besitzers der Liegenschaft, Peter Rieben, selten in privaten Gebäuden. Der Fund spreche dafür, dass das Haus von einer wohlhabenden Familie gebaut wurde, welche mit den Dekorationen ihren Reichtum darstellen wollte. In öffentlichen Liegenschaften, wie in einem Rathaus, seien diese Dekorationselemente eher zu finden. Laut den zurate gezogenen Experten handelt es sich dabei um ein seltenes Bijou. Für die Bemalung wurde eine organische Farbe namens Rebenschwarz verwendet, hergestellt aus bewusst unvollständig verbrannten und gemahlenen Rebstöcken oder Traubentrester. Das dunkle Pulver hob sich farblich vom weissen Kalk des Verputzes ab. Tierische oder pflanzliche Pigmente waren in früheren Jahrhunderten weit verbreitet. So wurde aus dem Urin von Kühen das kräftige Indischgelb hergestellt. Die früher weitverbreiteten biologischen Farben wurden mit der Zeit zusehends durch synthetische Produkte ersetzt.fca

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