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Der schwierigste Job im Journalismus

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Der schwierigste Job im Journalismus

FN-Monatsinterview mit Eduard Mader, Môtier, Mitglied der «Blick»-Chefredaktion

Wahnsinn: Was im «Blick» steht, das bewegt die Schweiz. Schlagzeilen, Geld, Mord, Sex, Sport. Die FN blickten hinter die Kulissen. Eduard Mader (früher FN-Redaktor) aus Môtier stand Red und Antwort.

Eduard Mader, kennen Sie die genaue Auflage des Blick?

Gut 300 000. (Mader muss nachschauen.) 315 000.

Gibt es nebst der Auflage noch einen anderen Massstab, an dem Ihre Arbeit gemessen wird?

Anders als bei anderen Zeitungen sind politische Geschichten dem direkten Wettbewerb mit den sogenannt traditionellen Boulevardthemen ausgesetzt. Der Erfolg der Arbeit misst sich oft daran, dass andere Zeitungen gezwungen sind, «Blick»-Themen aufzugreifen und weiterzuverfolgen.

Sind Blick-Journalisten allmächtig?

Sicher nicht. Aber sie haben vielleicht tatsächlich etwas mehr Gewicht als Journalisten anderer Medien. Blick geniesst halt einfach eine besondere Stellung und wird heute auch wieder ernster genommen.

Sie bestimmen, was in der Schweiz aktuell ist?

Der Blick hat oft eine Themenführung inne oder zumindest eine Vorreiterrolle. Fährt der Blick ein Thema gross auf, so kommen die anderen Medien kaum darum herum, auch darüber zu berichten.

Sind Macht und Einfluss Motivation für einen Blick -Journalisten?

Ich hege keine Machtgelüste. Im Vordergrund steht die journalistische Arbeit. Ich bin mir der besonderen Verantwortung in diesem Job sehr wohl bewusst. Die Tragweite eines Artikels lässt sich leider – oder vielleicht auch glücklicherweise – erst im Nachhinein erfassen.

Wie steht es mit der Verantwortung?

Zurückhaltung existiert auch bei uns. Oft sind wir im Text zurückhaltend, aber die Schlagzeile stellt den Inhalt noch einmal konzentrierter dar und gibt dem Text manchmal einen anderen Stellenwert.

Die Journalistin Margrit Sprecher entdeckte einmal an einer Blick-Redaktionskonferenz tätowierte Arme, Seemannsketten um muskulöse Nacken und abenteuerlich bedruckte Hemden …

(…)

… einen Redaktor mit einer halbvollen Whiskyflasche auf dem Konferenztisch …

Die Blick-Redaktion unterscheidet sich nicht gross von anderen Redaktionsstuben. Da arbeiten Menschen verschiedenster Herkunft, aber alles Profis: Mit dem Bild eines Revolverhelden, der schneller schiesst als denkt, hat der moderne Boulevardjournalismus nichts mehr zu tun.

Wie dick ist die Haut eines Blick-Journalisten?

Sie muss dick sein wie die eines Elefanten! Wer mit einer fetten Schlagzeile auf jemanden schiesst, muss selber viel einstecken können.

Entscheidend ist, dass der Balanceakt zwischen Selbstkritik und Selbstbewusstsein spielt. Das ist wohl der grösste Stressfaktor in diesem Job. Ich denke, es ist der schwierigste Job im Journalismus.

Wird man in der Blick-Redaktion zum Lügner?

Nein, sicher nicht. Der Umgang mit der Wahrheit, oder besser gesagt, dem, was als Wahrheit empfunden wird, ist bei Blick nicht anders als bei anderen Medien.

Haben die Leute Angst vor Blick-Journalisten?

In unserem Büro in Bern geben wir uns extrem Mühe für einen korrekten Umgang mit den Leuten. Da haben wir weniger Zugangs-Probleme.

Können Sie hinter allem stehen, was im Blick steht?

Ich lese ihn jedenfalls jeden Tag mit grösstem Interesse.

Finden Sie im Blick jeweils das vor, was Sie auch geschrieben haben?

Es ist nicht so, dass beim Blick jeder Artikel völlig auf den Kopf gestellt wird. Bevor ich die Stelle beim Blick antrat, war ich diesbezüglich sehr skeptisch. Meine bisherigen Erfahrungen sind aber positiv; meine Artikel werden in der Regel so gedruckt, wie ich sie geschrieben habe.

Schreiben Sie auch etwas gegen Ihre Überzeugung? Gibt es Tabus?

Nein, für mich persönlich darf es keine Tabus geben. Aber jeder Journalist hat eine Ethik. Ich messe ihr sehr grosses Gewicht bei.

Können Sie Christoph Blocher ins Gesicht blicken?

Kein Problem: Wir grüssen uns immer freundlich, wenn wir uns sehen.

Gerade Sie scheinen sich stark auf Blocher eingeschossen zu haben …

Tatsächlich ist Christoph Blocher nicht immer mit Samthandschuhen angefasst worden. Das ist aber auch anderen Prominenten so ergangen: Ich erinnere Sie an SP-Präsidentin Ursula Koch. Andere Medien schreiben mehr über Blocher als wir.

Blick bringt seit einiger Zeit die Bundespolitik an den Stammtisch. Hat das System?

Natürlich hat das System: Blick soll auch als politische Zeitung wahrgenommen werden. Blick hat die einmalige Chance, politische Vorgänge und Themen auf begrenztem Raum einem riesigen Publikum zu erklären.

Das haben auch unsere Bundesrätinnen und Bundesräte erkannt. Für sie ist der Blick ein wichtiges Medium, um ihre politischen Entscheide dem Volk transparent zu machen.

Muss man die Bundespolitik so stark an Köpfen aufhängen? Muss ein Bundesrat unbedingt zum Promi werden?

Ein Boulevardblatt lebt von Prominenten Köpfen. Ich glaube, es interessiert unsere Leser, möglichst viel über einen Bundesrat zu wissen.

Ist Joseph Deiss für den Blick ein interessanter Bundesrat?

Für mich gibt es keine uninteressanten Bundesräte.

Welchen Stellenwert hat eine Region wie der Kanton Freiburg?

Eine Region wird erst interessant, wenn sie durch eine besondere Gegebenheit, durch ein Ereignis ins Rampenlicht rückt.

Eine Geschichte aus Freiburg hat gleich grosse Chancen wie eine aus Zürich oder Bern. Vielleicht ist es für das Image einer Region aber auch besser, wenn sie nicht gerade täglich im Blick vorkommt …

Wenn ich als Blick-Journalist mit Ihnen ein Interview machen möchte, welche Sicherheitsvorkehrungen würden Sie treffen?

Ich würde die Fensterläden schliessen und die Türe verbarikadieren … Spass beiseite: Frage-Antwort-Interviews werden in der Regel dem Interviewten zum Gegenlesen unterbreitet. Darauf würde ich sicher bestehen.

Interview: Urs Haenni

Von den FN
zum «Blick»

Angefangen hat Eduard Mader seine journalistische Karriere als freier Mitarbeiter bei der Automobil-Revue im Ressort Wirtschaft und Touristik. Später arbeitete er bei der Berner Zeitung im Sportteil und bei den Freiburger Nachrichten im Ressort Seebezirk. In den Jahren 1986 und 1987 kehrte er nach einem ersten

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