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Der Stratege plant seinen nächsten Zug

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Die Bundeshaus-Fotografen sind erbost. Da hatten sie von Christian Levrat einen neuen Vorrat an Archiv-Bildern angelegt, nachdem dieser seine Augen gelasert und die Brille weggelegt hatte. Doch die Sehstärke hat wieder nachgelassen: Seit diesem Jahr trägt Levrat erneut Brille, und die Archivbilder sind für die Katz.

Derzeit sieht man den neuen Christian Levrat mit Brillengläsern und dunkler Fassung quer durch den Kanton auf Wahlplakaten. Er will für die Sozialdemokratische Partei eine neue Legislatur im Ständerat erwirken.

Levrat beendet sein 16. Jahr im Bundeshaus. Von 2003 bis Ende Mai 2012 war er SP-Nationalrat, dann wurde er Nachfolger von Bundesrat Alain Berset im Ständerat. «Ich beende meine erste volle Legislatur als Ständerat», gibt Levrat zu bedenken.

«Wäre ich die ganze Zeit im Nationalrat gewesen, dann wäre es jetzt vielleicht langsam genug gewesen», sagt er. «Aber es ist für mich immer noch ein unglaubliches Privileg, in der kleinen Kammer die Interessen der Bevölkerung zu vertreten.»

«Staatsrat nicht in Planung»

Christian Levrat sitzt gleich lange im Bundeshaus wie die Freiburger Nationalräte Jean-François Rime (SVP) und Jacques Bourgeois (FDP) – und doch wird er 2020 erst 50-jährig. Einem Arbeitnehmer sagt man, ab 50 werde es schwierig, eine neue Stelle zu finden. Trotzdem sagt Levrat, er betreibe keine Zukunftsplanung. «Ich habe keine Existenzängste. Die Frage nach der Zukunft stellt sich vor jeder neuen Legislatur. Doch ich bin von Natur aus optimistisch, habe Lust an der Arbeit und spüre auch die Unterstützung meiner Partei.»

Seit 2008 ist der Greyerz­bezirkler Präsident der SP Schweiz. Zumindest dort lässt er die Zukunft offen: «Wir werden nach den Wahlen entscheiden, wie es mit dem Parteipräsidium weitergeht.» Die Vereinbarkeit von Ständerat und Parteipräsidium habe nie zu Konflikten geführt, so Levrat. «Die Partei hat verstanden, dass ich immer meinem Kanton die Priorität gebe. Und die Ständeratskollegen nehmen es zur Kenntnis, wenn ich als Parteipräsident auftrete. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich einem als Parteipräsident die Türen schneller öffnen.»

Allenfalls würde sich in zwei Jahren in der Freiburger Regierung mit dem Rücktritt von SP-Staatsrätin Anne-Claude Demierre ein interessanter neuer Job anbieten. «Ich bin Ständeratskandidat für vier Jahre und plane auch, vier Jahre zu machen», sagt Levrat. Also wird er 2021 sicher nicht für den Staatsrat kandidieren? «Das weiss man nie», antwortet er. «Aber die Frage stellt sich mir jetzt nicht. Es ist nicht in meiner Planung.»

Der frühere Gewerkschafter und heutige Berufspolitiker macht klar, dass er nun in Bern die Früchte seiner bisherigen Arbeit ernten möchte. «Ich muss nicht mehr ellbögeln, um wahrgenommen zu werden. Ich kann heute gründlicher arbeiten.»

«In der laufenden Legislatur ging es im Ständerat vor allem um Schadensbegrenzung», meint Levrat. «Die kleine Kammer war der letzte Hort der Vernunft. Laufend mussten wir die Fehler der rechten Mehrheit im Nationalrat korrigieren.»

Von den Wahlen erwartet Levrat, dass im Nationalrat die bürgerliche Mehrheit von FDP und SVP zerbrechen wird. «Es wird neue Mehrheiten geben. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir in der nächsten Legislatur einige echte Reformen schaffen. Ich denke dabei an den Klimaschutz, die Gleichstellung, die Kosten im Gesundheitswesen.»

WAK-Präsidium wartet

Levrat dürfte 2020 in einer einflussreichen Position in Angriff nehmen: Als Vizepräsident ist er designiert für das zweijährige Präsidium der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) im Ständerat. Er wird jenes Amt übernehmen, das Jean-François Rime (SVP) 2018 und 2019 im Nationalrat innehatte.

Für Levrat ist dies ein Zeichen, dass Freiburg in Bern immer noch auf eine starke Deputation zählen kann. 2003 sei die Freiburger Bundeshausdelegation in einem desolaten Zustand gewesen. Dann aber kam die goldene Generation. Einige Exponenten dieser Generation sind zwar unterdessen aus dem Parlament ausgetreten, etwa Urs Schwaller (CVP) oder Jean-François Steiert (SP). Levrat denkt aber, dass die nachfolgenden Freiburger Parlamentarier an Einfluss gewonnen hätten.

«Man muss bei rein politischen Vorlagen nicht immer gleicher Meinung sein. Wichtig ist aber, dass die Freiburger sich hinter die Interessen ihres Kantons stellen. Freiburg hat im Gegensatz zu anderen Kantonen diese Fähigkeit.»

Ein Beispiel, wo sich kürzlich auch Levrat gegen die Linie seiner Partei stellte, war bei den Kompensationsgeschäften für den Kampfjet. Der Bundesrat wollte lediglich 60 Prozent der Investitionssumme kompensiert haben. Levrat verlangte aber im Namen der Westschweiz 100 Prozent, und zwar nicht nur reine Rüstungsaufträge, so dass auch Freiburger Unternehmen davon profitieren können.

Ein weiteres Gebiet, in dem die Freiburger Deputation zuletzt geschlossen erfolgreich war, sei Agroscope gewesen. «Der Standort Posieux war wirklich in Gefahr. Es stand eine Aufteilung auf Lausanne und Zürich im Raum», betont er. Die Freiburger hätten aber erreichen können, dass die Zentralisierung in Po­sieux mit Satelliten in anderen Landesteilen erhalten bleibe.

Auch beim interkantonalen Finanzausgleich habe Freiburg dank seiner Vertretung im Bundeshaus einigermassen den Besitzstand wahren können.

«Deutlich zurückhaltender»

«Ich bin wohl nicht mehr der gleiche Politiker wie noch vor 16  Jahren», meint der Sozialdemokrat. «Meine Überzeugungen und das Engagement für die AHV, die Arbeitnehmer, die Mieter sind zwar immer noch die gleichen. Aber politisch gehe ich heute anders vor, um tragfähige Kompromisse zu finden.»

Er sei heute deutlich zurückhaltender. «Ich gelte zwar immer noch als einer der einflussreichsten Politiker, aber bei der Medienpräsenz verliere ich laufend Plätze.» Er habe an Erfahrung gewonnen und wisse Netzwerke zu nutzen. Da komme ihm seine Passion als Schachspieler zugute, ist er überzeugt. «Schach hilft, immer alle Züge bis zum Schluss durchzudenken. Viele Leute haben tolle Ideen. Ich stelle dann aber immer die Frage: Wo stehen wir am Schluss?»

Levrat stellt sich zum dritten Mal einem Wahlkampf für den Ständerat und plädiert auf eine Weiterführung des Duos Levrat-Vonlanthen. «Gemeinsam haben wir eine gute Bilanz vorzuweisen», ist er überzeugt. «Wir führen die Arbeit von Schwaller und Berset nahtlos weiter.»

Dennoch glaubt Christian Levrat, dass er sich den Platz im Stöckli über einen zweiten Wahlgang sichern muss. Bei zehn Kandidaten werde es schwierig, 50  Prozent der Stimmen zu erhalten. «Viele treten als Ständeratskandidat an, um Sichtbarkeit für ihre Anliegen zu erlangen. Ich bedauere, dass deshalb kaum mehr Podiumsgespräche mit drei, vier oder fünf Kandidaten möglich sind, bei denen man sich direkt gegenübersteht.»

Noch etwas ist für Christian Levrat dieses Mal anders: Auf einer Juso-Liste kandidiert seine Tochter Marie für den Nationalrat. «Ich hoffe, die Erfahrung wird ihr gefallen», sagt Vater Levrat. «Auch wenn sie nicht gewählt wird: Sie steht für eine Generation, die viel politischer ist als die unsere.»

Bis Anfang Oktober porträtieren die FN die Ständeratskandidatinnen und -kandidaten der etablierten Freiburger Parteien.

Interessenbindungen

Mehrere Sitze in Kommissionen

Die Liste der Interessenverbindungen von Christian Levrat auf der Website des Ständerats ist kurz. Der Präsident der Sozialdemokratischen Partei Schweiz ist Mitglied und sitzt im Ausschuss der Mietervereinigung Asloca Freiburg und des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks Freiburg. Im Ständerat sitzt er in den Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben und für Rechtsfragen, in der Finanzkommission, der Neat-Aufsichtsdelegation, der Redaktionskommission für die französische Sprache, der aussenpolitischen Kommission und in der Delegation für die Frankophonie.

Klimacheck

Nach Bulle mit dem Velo, nach Abidjan mit dem Flugzeug

Die FN machen mit den Kandidatinnen und Kandidaten einen Klimacheck.

Ab welcher Distanz wechseln Sie vom Velo auf das Auto?

Fünf Kilometer. Ganz einfach: Wenn ich nach Bulle fahre, nehme ich möglichst das Elektro­velo. Weiter wird es schwieriger.

 

Wie wird Ihre Wohnung beheizt?

Zur Zeit noch mit einer Ölheizung. Aber eine Wärmepumpe ist in Bestellung.

 

Wie oft fliegen Sie pro Jahr? Wohin führte der letzte Flug?

Leider zu viel, allerdings nur beruflich. Das letzte Mal nach Abidjan zum Weltgipfel der Frankophonie.

Welche Produkte kaufen Sie lokal ein?

Fast alles. Das Fleisch aus der Nachbarschaft, das Gemüse von der Firma Gfeller.

Bei welchem elektrischen Gerät haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie es einschalten?

Bei allen, auch wenn mein Strom-Mix, den ich von Groupe E beziehe, zu 100 Prozent nachhaltig ist.

Fragebogen

Potenzial zum Abnehmen und zum Dazulernen

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch ist zeitlebens ein Fragender gewesen. Die Kandidatinnen und Kandidaten beantworten einige ausgewählte Fragen aus seinen berühmten Fragebogen aus dem Jahr 1966.

 

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Keine, ich bin nicht so re­signiert. Auch beim Abnehmen.

Wie viele Arbeitskräfte gehören Ihnen?

Bloss meine eigene. Und rund 30 Leute arbeiten mit mir.

Worauf könnten Sie eher verzichten:

a. auf Heimat

b. auf Vaterland

c. auf die Fremde?

Auf das Vaterland. Die Heimat genügt mir. Fremde bedeutet für mich Offenheit und Neugier.

 

Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden, oder meinen Sie es noch?

Ich meine, dass ich noch Potenzial habe.

 

Sind Sie sich selber ein Freund?

Ich habe gelernt, mir ein Freund zu sein.

 

 

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