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Der unverzichtbare Anti-Star

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Autor: Matthias Fasel

Ist von der momentan wohl gefährlichsten Sturmlinie der Schweiz die Rede, wird Benjamin Plüss fast immer an dritter Stelle genannt. Im Vordergrund stehen jeweils Julien Sprunger und Andrei Bykow. Dies, obwohl Plüss nicht nur wichtige Defensivarbeit in diesem Block übernimmt, sondern auch in Sachen Skorerpunkte dem Duo in nichts nachsteht. In 23 Spielen hat er in dieser Saison bereits zehn Tore geschossen und zwölf vorbereitet.

«Kaltblütiger Vollstrecker»

«Plüss ist ein sehr wichtiger Spieler. Er ist ziemlich ruhig und redet nicht viel, verfügt aber über eine gewisse innere Kraft, die ihm hilft, auch in heissen Situationen ruhig und stark zu bleiben. Und wenn er Selbstvertrauen hat, ist er ein kaltblütiger Vollstrecker», sagt Trainer Hans Kossmann. «Aber Sprunger und Bykow sind natürlich hier in Freiburg aufgewachsen, Sprunger ist zudem einer der bekanntesten Spieler der Schweiz, Bykow verfügt über eine unglaubliche Technik. Da bleibt halt für Plüss meist nur der Platz an der dritten Stelle. Doch ich weiss, dass Beni das gelassen sieht.»

Dass er sich keinen Kopf darüber macht, bei Fans und Medien meist nicht im Vordergrund zu stehen, beteuert Plüss auch selbst. «Auf eine Art nehme ich das zwar schon wahr. Aber es spielt für mich keine Rolle. Ich habe meinen Platz gefunden, im Eishockey und im Leben. Ich brauche niemanden, der mir etwas bestätigt.» Er sieht auch Vorteile in dieser Tatsache. «Das klingt jetzt wohl ein bisschen eigensinnig, aber da die beiden eher im Vordergrund stehen, werden sie auch schneller kritisiert, wenn es nicht so gut läuft.»

Bescheidener Mensch

Man nimmt es dem Stürmer ab, dass ihn das fehlende Rampenlicht nicht stört. Denn er ist nicht nur auf dem Eis besonnen, neben dem Eis ist er ein regelrechter Anti-Star. Während auch schon einmal ein Spieler mit einem teuren Sportwagen oder überdimensionierten Offroader im St. Leonhard aufkreuzt, fuhr Plüss lange Jahre mit einem kleinen, klapprigen Peugeot vor. Der 32-Jährige schmunzelt, wenn von seinem ehemaligen Auto die Rede ist. «Den habe ich leider nicht mehr. Da hätte ich zu viel Geld investieren müssen, um noch einmal die Fahrerlaubnis zu erhalten. Der ist sozusagen an Altersschwäche gestorben.» Mit einem Opel Astra setzt Plüss aber auch heute noch nicht auf ein protziges Fortbewegungsmittel. «Dieses Star-Sein und Allüren sind Dinge, die nicht sein sollten. Wir sollten uns unserer Vorbildfunktion und sozialen Verantwortung bewusst sein. Und wenn man da zu viel Wert auf Materielles legt, vermittelt das in meinen Augen kein gutes Bild von uns Sportlern. Ich will das niemandem missgönnen, aber ich brauche diese Art von Bestätigung nicht. Ich bin ein bescheidener Mensch, der nicht viel braucht.»

Zu seiner Einstellung passt auch die Art, wie er 2010 seinen Vertrag verlängert hatte. Während viele Spieler möglichst lange ihre Unterschrift hinauszögern und so auch versuchen, ihren zukünftigen Lohn in die Höhe zu treiben, machte Plüss kein Aufhebens um seine Unterschrift und verlängerte letzten Sommer frühzeitig seinen Vertrag bis 2014.

Grosser Anteil an Erfolgen

Damit wird Plüss auf mindestens elf Saisons im Trikot der Freiburger kommen. Niemand im Team ist so lange dabei wie Plüss, der dem Club auch in schwierigen Zeiten treu geblieben ist. Anhänger mit Langzeitgedächtnis wissen deshalb, wie viel der Club ihm zu verdanken hat. Sowohl in der Serie gegen Biel, als Gottéron 2006 knapp dem Abstieg entging, als auch beim Playoff-Wunder 2008, als ein am Ende stark dezimiertes Freiburger Team im Viertelfinal Bern besiegte und quasi eine neue Ära in Freiburg einläutete, stach Plüss aus dem Team heraus. Kein anderer Spieler stemmte sich – zur Not auch auf den Knien oder auf dem Bauch – derart gegen den Abstieg beziehungsweise die übermächtigen Berner wie Plüss.

Doch der Club hat nicht nur Plüss viel zu verdanken, sondern auch Plüss dem Club. Es war Gottéron, das dem bei Langnau damals nicht mehr erwünschten Stürmer 2003 eine Chance gab und damit seine Karriere neu lancierte (vgl. mittleren Kasten). Das ist sicher mit ein Grund für die Clubtreue. Plüss gibt zu, dass er durchaus Wechselgedanken hatte. «Es gab Zeiten, in denen ich mich fragte, ob ich nun bleiben soll oder nicht.»

Besonders als 2007/08 sein Vertrag auslief und Plüss von der halben Liga gejagt wurde, musste er lange überlegen. «Bei Gottéron war vieles im Umbruch. Es kam eine neue Führung, vieles war unklar. Zwar wurde früh die Verpflichtung von Sandy Jeannin bekannt gegeben. Doch wir waren noch weit davon entfernt, ein starkes Team zu sein.» Geblieben ist er trotzdem. «Auch als ich mit anderen Clubs im Gespräch war, hat mir Freiburg immer zu spüren gegeben, dass ich dem Club wichtig bin, und hat mir jeweils für beide Seiten faire Verträge unterbreitet. Zudem habe ich mich in Freiburg immer wohlgefühlt», sagt Plüss, der zugibt, dass ihm sein Wohlbefinden und dasjenige seiner Familie wichtiger sind als sportlicher Erfolg.

Ein halber Sensler

Und für seine Familie stimme das Umfeld. Der gebürtige Aargauer kann fast schon als Sensler bezeichnet werden, nicht nur wegen seines Gastauftrittes im Sommer beim Theater «Hintercher Bande». Bereits seit acht Jahren wohnt er in Tafers. «Zu Beginn wohnten wir zwar da und gingen ab und zu ins Dorf, knüpften aber nicht gross Kontakte, wir wussten ja nicht, für wie lange wir bleiben würden. Spätestens aber als unsere Tochter in die Spielgruppe ging, verstärkten wir den Kontakt mit den Leuten im Dorf. Heute, würde ich sagen, sind wir sozial sehr gut integriert. Gut möglich, dass wir hier bleiben werden.»

So hat also eine Entlassung in Langnau das gesamte Leben der Familie Plüss verändert.

Club-Entwicklung: «Die Stimmung hat nachgelassen»

In den acht Jahren, die Benjamin Plüss bei Gottéron spielt, hat sich der Club stark verändert. «Mehrheitlich natürlich positiv. Alles ist professioneller geworden.» Doch gibt es auch Sachen, die früher besser waren? «Es gibt negative Begleiterscheinungen des Erfolgs. Es ist zwar schön, immer vor vollen Rängen zu spielen. Aber ich kenne zum Beispiel Familien mit Kindern, die gerne ab und zu einen Match sehen würden. Das ist heute fast nicht mehr möglich.»

Zudem habe sich die Atmosphäre im Stadion verändert. «Die Stimmung hat nachgelassen. Wenn ich so mit den Jahren 2008 oder 2009 vergleiche, muss man das schon feststellen. Die Erwartungen sind viel höher. Als wir letzte Woche gegen Zürich ein schlechtes Startdrittel spielten, wurden wir sofort ausgepfiffen, obwohl wir Leader sind.» fm

Karriere: Viele Verletzungen und ein zufälliger Wechsel zu Gottéron

Die Liebesgeschichte zwischen Benjamin Plüss und Gottéron begann zufällig. 2003 versuchte Langnau im Zuge einer Vorwärtsstrategie mit viel Geld ein erfolgreiches Team aufzubauen. Für Plüss sah Trainer Jim Koleff keinen Platz mehr. «Obwohl ich noch einen Vertrag hatte, hat mir der Club im August gesagt, man brauche mich nicht mehr und ich müsse nicht mehr kommen. Das war schon hart.» Da Gottéron damals viele Verletzte beklagte, kontaktierte der damalige Direktor Roland von Mentlen den Stürmer, der das Angebot dankend annahm und sich in den Trainings für einen Vertrag aufdrängte.

Nicht immer Musterprofi

Dass seine Karriere nur stockend in Gang kam, hatte auch mit Verletzungspech zu tun. Bereits 1995 verletzte sich Plüss in Prag auf der Abschlussreise des Klotener Juniorenteams am Auge. «Wir waren auf einem Markt und kauften Luftpistolen. Und dann ist es dumm gelaufen und ich habe eine Kugel ins Auge erhalten. Ich hatte viel Glück, dass das keine bleibenden Schäden hinterlassen hat.» Auch danach warfen ihn zunächst Verletzungen immer wieder zurück. 1997 brach er sich im Halbfinal der Elite-Junioren das Bein, zwei Jahre später zertrümmerte er sich bei einem Autounfall die Kniescheibe.

Plüss gibt aber auch sich selbst die Mitschuld für die schwierigen ersten Profijahre. «Bei den Junioren ist mir vielleicht manchmal alles ein bisschen zu leicht gegangen. So habe ich dann zu wenig investiert, in den Bereichen Kraft und Kondition war ich nicht ganz auf der Höhe», so Plüss, der heute als Musterprofi schlechthin gilt. Bei Gottéron indes schlug er sofort ein. Bereits in seiner ersten Saison sammelte er in 33 Spielen 15 Punkte. Im Jahr zuvor waren es in Langnau in 44 Spielen deren vier gewesen. «Das Kader in Freiburg war nicht sehr breit, das war perfekt, um mich weiterzuentwickeln. Jahr für Jahr konnte ich auch mehr Verantwortung übernehmen.»

«Spiele nicht mehr ewig»

Heute denkt Plüss bereits an das Leben nach der Karriere. «Mein Vertrag läuft bis 2014. Vielleicht höre ich danach auf, vielleicht hänge ich noch ein, zwei Jahre an. Aber ewig spiele ich nicht mehr.» Deshalb arbeitet er an seiner Nach-Sportler-Karriere. Letztes Jahr hat er den Fachausweis als Buchhalter erlangt und arbeitet bereits mit einem Zehn-Prozent-Pensum in einem Düdinger Treuhandbüro. fm

Vorschau: Ohne Sandy Jeannin ins Wochenende der Derbys

Nach der Nationalmannschafts-Pause stehen für Gottéron mit den Spielen gegen Genf (heute 20.15 Uhr, St. Leonhard) und morgen in Bern zwei Derbys auf dem Programm. In beiden Spielen muss Trainer Hans Kossmann auf Co-Captain Sandy Jeannin verzichten. Der Center verspürt noch immer Schmerzen an den Rippen, ist aber aller Voraussicht nach nächste Woche wieder einsatzbereit. Für ihn spielt am Wochenende Silvan Lüssy als Center zwischen Pavel Rosa und Mike Knoepfli. «Wir werden so beginnen. Je nachdem wie es läuft, ist es möglich, dass Rosa dann wieder an die Seite von Christian Dubé und Simon Gamache rücken wird», sagt Kossmann.

Umstellungen wird es auch in der Abwehr geben. Michal Barinka zum Beispiel trainierte gestern mit Lukas Gerber, Romain Loeffel mit Alain Birbaum. «Alle machen einen guten Job. Wir haben keine klaren Verteidiger Nummer sieben oder acht, ich will, dass alle Verteidiger integriert bleiben», so Kossmann dazu.fm

Der heutige Gegner

Fakten zu Genf-Servette

• Die Ausländerfraktion Genfs ist wieder stärker. Tony Salmelainen hat seine Verletzung überstanden und mit Neuzugang Petr Vampola gibt heute ein tschechischer Nationalspieler sein Debüt in der NLA.

• Servette hat in dieser Saison noch kein einziges Auswärtsspiel gewonnen. Aus zehn Spielen resultierten zehn Niederlagen. fm

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