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Deutsch – Sprache von Ausserirdischen?

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In einem Leserbrief «Fremdenangst vor Einheimischen» erzählte ein Leser von seinem Erlebnis, als er in einer öffentlichen Institution in Freiburg nach einer Dokumentation gesucht hat. Nachdem er mit «Guten Tag» gegrüsst habe, schaute ihn die französischsprechende, diensttuende Person stumm und entgeistert an, etwa so «als stünde sie vor einem Germanisierungsgespenst». Wie kann es sein, dass man an so wenig sprachlicher Herausforderung so fremdenängstlich scheitert, fragte sich der Leserbriefschreiber. «Sind die allein während der obligatorischen Schulzeit vorgesehenen 670 Lektionen Unterricht zu wenig? Kaum. Aber vielleicht gelingt es dabei nicht, zu überzeugen, dass die zweite Sprache den bereichernden Zugang zu einer andern, nicht minderwertigen Kultur eröffnet und die erworbenen Kenntnisse gewinnbringend eingesetzt werden können.» Vor ein paar Monaten fand man in allen Bussen Freiburgs ein grosses Werbeplakat der Deutschschule DeLiF (siehe Kasten) mit einem Ausserirdischen, betitelt mit «L’Allemand n’est pas une langue extraterrestre».

Verbesserungspotenzial

An diesen beiden Beispielen wird ersichtlich, dass die Zweisprachigkeit in unserem Kanton nach wie vor Verbesserungspotenzial bietet–die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht zweisprachig, obwohl der Kanton Freiburg mit Bern und Wallis zu den drei offi- ziell zweisprachigen Kantonen der Schweiz gehört. In der an der Sprachgrenze gelegenen Kantonshauptstadt Freiburg sind 63 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner französischsprachig und 29 Prozent deutschsprachig (Volkszählung 2000).

Die Redaktion wollte wissen, ob und wie sehr die französischsprechende Bevölkerung eigentlich am Erlernen der deutschen Sprache interessiert ist und welche Erfahrungen Kursleiterinnen und -leiter bei Deutschkursen machen. Auf unsere Fragen antwortete Katharina Frühaufova, Deutschlehrerin an der Sprachschule DeLiF in Freiburg.

 

 Katharina Frühaufova, seit wann unterrichten Sie als Deutschlehrerin in Freiburg, welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Während zehn Jahren arbeitete ich bei den Vorbereitungskursen auf das Hochschulstudium in der Schweiz VKHS / CIUS und seit drei Jahren unterrichte ich bei DeLiF. DeLiF bedeutet Deutsch Lernen in Freiburg und das ist nicht nur ein Name, sondern auch eine Art Programm. In Freiburg ist die Sprachsituation immer aktuell. Sie ist ein Teil vom Alltag, von der Lebenserfahrung, jeder hier lernt die andere Sprache, jeder hat ei- ne eigene Meinung dazu. Es hat etwas Lebendiges, und das finde ich unglaublich spannend. Ich unterrichte sehr gern Deutsch als Fremdsprache in Freiburg.

 

 Welche Sprachniveaus kann man an Ihrer Schule erlangen, und was für Deutsch-kurse bieten Sie konkret an?

Eigentlich alle, vom A1 bis zum C1. Wir bieten Intensivkurse an, das unterscheidet uns von anderen Angeboten. Ein Kurs bei uns dauert zehn Wochen, wir unterrichten vier Lektionen pro Tag, fünf Tage die Woche. Diese Intensität ermöglicht eine konzentrierte Beschäftigung mit der Fremdsprache, man kann richtig eintauchen, lernen, und was wichtig ist, sichtbare Fortschritte machen.

 

 Wie viele Deutschkurse muss zum Beispiel ein französischsprechender Jugendlicher absolvieren, damit er sich gut auf Deutsch unterhalten kann?

Das lässt sich nicht so pauschal sagen. Jeder lernt anders, hat eine andere Lernbiografie, andere Motivation. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man bei uns nach einem oder zwei Intensivkursen ein gutes Niveau erreichen kann. Interessant ist, dass Sie fragen, wie viel es braucht, damit man sich unterhalten kann. Das ist oft das grösste Problem für die Frankofonen. Die Grammatik hat man in der Schule gelernt, auch etwas Wortschatz, aber die Fertigkeit Sprechen ist die grösste Herausforderung.

Wie sieht der typische Kursteilnehmende bei DeLIF aus?

Allen typisch ist ihre Motivation. Wir haben motivierte, interessierte Studierende, die wissen, dass sie Deutsch wirklich brauchen, um in der Schweiz leben, arbeiten, studieren und sich integrieren zu können. Sie haben ein klares Ziel, das sie erreichen wollen, sie wollen schnell lernen, vorwärtskommen. Ansonsten sind unsere Kurse bunt gemischt. Wir haben Studierende, die erst seit drei Tagen in der Schweiz sind, und auch solche, die bereits seit über 20 Jahren in der Schweiz leben.

 

 Woher kommt der grösste Teil der Kursteilnehmenden, und wie hoch ist der Anteil von Französischsprechenden?

Manchmal haben wir mehr Leute aus Südamerika, manchmal mehr aus Europa, einige kommen aus China oder aus der Türkei, auch ist immer jemand aus der Schweiz dabei. Wir haben nicht nur Frankofone, sondern auch Tessiner, die in Freiburg an der Uni studieren und sich aus beruflichen Gründen entscheiden, ihr Deutsch zu verbessern. Das finde ich so toll am Standort Freiburg: Man kann nicht sagen, dass Deutschkurse nur für Migrantinnen und Migranten sind, auch «Einheimische» kommen zu uns. Und das Lernen wird dadurch richtig spannend. Die Frankofonen schätzen die Begegnungen mit anderen Kulturen sehr, es ist wie eine kleine Weltreise im Klassenzimmer, ohne das Land zu verlassen.

 

 Hat sich die Anzahl an Französischsprechenden, die Deutsch lernen wollen, in den letzten Jahren, verändert?

Man kann ganz deutlich sehen, dass sich die Einstellung zum Deutsch und zum Deutschlernen ändert. Vor ein paar Jahren haben die jungen Romands Deutsch gelernt, weil sie es tun mussten. Sie haben die Sprache nicht gemocht, und es war fast eine Zumutung, ein Krampf und ein Kampf. Heute lernen sie, weil sie es wollen. Sie sehen ein und begreifen, dass ihnen die deutsche Sprache viel bietet und ermöglicht. Und sie sind auch pragmatisch genug, um zu sehen, dass sie mit Deutsch bessere berufliche Chancen haben, und lernen ohne die Ressentiments. Sie lernen mit Freude, haben Spass und sind auch eine Bereicherung in unseren Kursen. Wir haben oft Studierende mit französischer Muttersprache, die sich für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg entschieden haben, und dafür braucht man ein gutes Niveau im Deutsch. Sie kommen dann auch zu uns, und an ihnen konnte ich diesen Wandel beobachten.

 

 Gibt es viele Anbieter für Deutschkurse in Freiburg?

In Freiburg gibt es viele Möglichkeiten, wenn man Deutsch lernen will. Es hat die üblichen Anbieter, wie Migros-Klubschule, Volkshochschule und Inlingua. Es gibt vom Staat Freiburg subventionierte Deutsch- und Französischkurse für Migrantinnen und Migranten, das Rote Kreuz führt auch Deutschkurse durch. Deutschsprachige Gemeinden wie Düdingen, Schmitten, Wünnewil-Flamatt und Kerzers bieten Deutschkurse an, auch Quartiere, wie im Schönberg, oder Vereine wie der Frauenraum organisieren Deutschkurse. Soweit ich weiss, gibt es auch ein Angebot für Konversation in der interkulturellen Bibliothek. Und es gibt Kurse zur Alphabetisierung vom Verein Lesen und Schreiben. Deutsch lernen kann man nicht alleine, und wie man sieht, wird man auch nicht allein gelassen.

«Die Fertigkeit des Sprechens ist die grösste Herausforderung.»

Katharina Frühaufova

Deutschlehrerin

«Heute lernen die Romands Deutsch, weil sie einsehen, dass dies ihnen viel bietet und ermöglicht.»

Katharina Frühaufova

«In Freiburg sind Deutschkurse nicht nur für Migranten, auch‹Einheimische›kommen zu uns.»

Katharina Frühaufova

DeLiF: Die etwas andere Art, mit Freude und Motivation effizient Deutsch zu lernen

D ie Schule bietet Intensivkurse an, das Angebot wird durch Abendkurse ergänzt. Die Intensivkurse richten sich an alle, die schnell und effizient Deutsch lernen wollen. DeLiF bietet zusätzlich zu den Sprachkursen Wanderungen, Museumsbesuche, Ausflüge ins Bundeshaus, gemeinsames Kochen und Autorenlesungen an. Ziel ist ein gelungener Übergang vom festen Rahmen im Sprachkurs ins «richtige» Leben. Ausserdem wird während der Intensivkurse jeweils eine interessante Persönlichkeit zu einem klassenübergreifenden Gespräch eingeladen.

Wichtige Zusammenarbeit

Der Unterricht gestaltet sich nach dem europäischen Referenzrahmen mit adäquaten Unterrichtsmaterialien, die laufend angepasst werden. Die Lehrpersonen sind zertifizierte Goethe-Prüfer und bereiten die Kursteilnehmenden in den regulären Kursen auf die jeweilige Prüfung des Goethe-Instituts vor. An den Prüfungszentren in Freiburg, Biel und Zürich werden die Prüfungen abgelegt.

Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit dem Sprachzentrum der Universität Freiburg, der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Caritas und der Koordinationsstelle für Sprachkurse an Migrantinnen und Migranten. bm

Weitere Informationen:www.delif.ch

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