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Die 90er Jahre – Ein verlorenes Jahrzehnt

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Die 90er Jahre – Ein verlorenes Jahrzehnt

Prof. Henner Kleinewefers äussert sich kritisch zur Freiburger Wirtschaft

Die Lage des Kantons Freiburg wird von einheimischen Fachleuten zu rosig dargestellt. Diese Ansicht vertritt der Freiburger Wirtschaftsprofessor Henner Kleinewefers. Er warnt vor einem selbst geglaubten Zweckoptimismus, der zu Fehlentscheidungen führen kann.

Von ARTHUR ZURKINDEN

Henner Kleinewefers, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg, äussert sich regelmässig zur Lage der Freiburger Wirtschaft. Er ist bekannt dafür, dass er dies mit einem sehr kritischen Auge tut und dabei die Freiburger Behörden nicht unbedingt mit Komplimenten überhäuft. Die Reaktionen auf seine Schriftenreihe fallen denn auch entsprechend aus.

«Besserung auf tiefem Niveau»

«Die Freiburger Wirtschaft Ende 2004 – Besserung auf tiefem Niveau» hat er sein soeben erschienenes Heft betitelt und lässt so immerhin durchblicken, dass eine wirtschaftliche Belebung «nach den verlorenen 90er Jahren» nicht ganz ausgeblieben ist. Optimismus möchte er aber nicht verbreiten. «Licht am Ende des Tunnels?», lautete die Überschrift seines Heftes, das er im Jahre 2000 herausgegeben hatte. Die Fragezeichen, die er damals setzte, sind seiner Ansicht nach auch heute noch berechtigt.

Laut Kleinewefers waren die Kommentare im «Freiburger Konjunkturspiegel» und in «Perspektiven Freiburger Wirtschaft» in den letzten zwei Jahren zu optimistisch. Sie haben der Freiburger Wirtschaft «strahlendes Wetter», einen «prächtigen Sommer» oder einen «wolkenlosen Himmel» vorausgesagt. «Die heutige Situation des Kantons Freiburg und seine Aussichten für die übersehbare Zukunft könnten denjenigen des Jahres 2000 ähnlicher sein, als uns lieb ist. Für Überschwang ist weniger Anlass als für Fragezeichen», hält er fest und rät, die Situation des Kantons nicht rosiger darzustellen, als sie tätsächlich ist. Dies könne zu Fehlentscheidungen insbesondere in der Sozial- und Ausgabenpolitik führen.

Vom schweizerischen Durchschnitt entfernt

Der Wirtschaftsprofessor kommt zum Schluss, dass sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen des Kantons Freiburg vor allem in den 90er Jahren vom schweizerischen Schnitt entfernt hat. «Misst man den Freiburger Wohlstand am schweizerischen Mittel, so ist in den 90er Jahren ein relativer Verlust von zehn Indexpunkten festzustellen, also von etwa 90 auf 80 Prozent», schreibt er. So verdiente ein Freiburger im Jahre 2002 im Schnitt 38 677 Franken, was 80 Prozent des Verdienstes eines Schweizers entsprach. Nur in den Kantonen Nid- und Obwalden, Glarus, Uri und Appenzell-Innerrhoden wurde noch weniger verdient.

«Freiburg ist von einer mittleren Position unter den Kantonen ziemlich weit ans Ende gerutscht, wo ers nun schon seit sechs Jahren verharrt, und zwar mit deutlichem Abstand auf den nächstbesser platzierten Kanton», beschreibt Kleinewefers die Lage Freiburgs. Er streitet dabei nicht ab, dass diese negative Entwicklung auch im Zusammenhang mit dem starken Bevölkerungswachstum Freiburgs steht. Er wundert sich aber, «dass es zu einer starken Einwanderung in einen der ärmsten Kantone der Schweiz gekommen ist».

Versteckte Arbeitslosigkeit?

Kleinewefers stellt weiter mit Erstaunen fest, dass sich die Arbeitslosenquote Freiburgs in den letzten Jahren stets unter jener der Schweiz bewegte. Weil die Produktion in den 90er Jahren stagnierte, die Beschäftigung rückläufig war und die Bevölkerung stark zunahm, rechnete er eher mit einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit. Aus diesem Grunde zweifelt er die statistischen Angaben über die Arbeitslosigkeit an. Er vermutet, dass im Kanton Freiburg ungewöhnlich viele erwerbsfähige Menschen freiwillig auf Arbeit verzichten: Frauen, Frühpensionierte usw. Aber auch eine stagnierende oder gar sinkende Produktivität könnte für die niedrige Quote verantwortlich sein. Er schliesst aber auch nicht aus, dass Freiburger Arbeitgeber ihre Beschäftigten in schlechten Zeiten durchziehen und nicht entlassen.

Strukturschwächen

Im Jahre 2001 waren im Kanton Freiburg 11 Prozent (Schweiz = 6,5 Prozent) der Vollzeitbeschäftigten im Landwirtschafts-, 27,8 Prozent (26,6) im Industrie- und 61,2 Prozent (67,7) im Dienstleistungssektor tätig. Kleinewefers weist diesbezüglich auf den hohen Anteil Freiburgs an Beschäftigten in der Landwirtschaft hin. Nur vier Kantone übertreffen dabei Freiburg. Dieser hohe Anteil bedeutet für ihn ein wirtschaftliches und wegen der Übervertretung der Landwirtschaft in der Politik auch ein politisches «Bleigewicht».

Kleinewefers stellt weiter fest, dass im Industriesektor die Nahrungsmittel-, die Holz- und die Industrie der Steine und Erden übervertreten, im Dienstleistungssektor jedoch die beiden wertschöpfungsstarken und dynamischen Branchen «Banken, Versicherungen und Beratung» sowie «Verkehr, Nachrichtenübermittlung» untervertreten sind. Die Freiburger Kon- junkturschwächen dauern an, weil seiner Ansicht nach die schwachen Branchen vor interkantonalem oder internationalem Wettbewerb geschützt waren und/oder sie vom Staat unterstützt wurden. Er prophezeit, dass die Öffnung der Schweiz und der Abbau der staatlichen Unterstützungen und Regulierungen die Strukturschwächen der Freiburger Wirtschaft in den nächsten Jahren noch deutlicher sichtbar und die wirtschaftliche Erholung schwieriger machen werden, ohne dass der Kanton noch viele Möglichkeiten hätte, direkt einzugreifen.

Zu hohe Steuerbelastung

«Gegenüber meinem letzten Bericht des Jahres 2000 ist das Bild für Freiburg noch trister geworden, als es schon damals war», hält Kleinewefers zur Steuerbelastung fest. Er weist darauf hin, dass Freiburg bei der Einkommensbelastung nochmals bis zu sechs Ränge verloren hat, obwohl die Steuersätze heute etwas niedriger seien als damals. «Der Verlust an steuerlicher Konkurrenzfähigkeit ist vor allem bei den vergleichsweise mobilen Beziehern hoher Einkommen sehr bedauerlich. Es steht zu befürchten, dass auch der Kanton Freiburg noch die alte Lektion wird lernen müssen, dass nämlich hohe Steuersätze nicht unbedingt mehr, sondern möglicherweise sogar weniger Steuereinnahmen zur Folge haben als niedrige Steuersätze, auch wenn dies dem durchschnittlichen Lokalpolitiker und -bürokraten offenbar nur sehr schwer einleuchtet», schreibt er zur steuerlichen Belastung der natürlichen Personen.

Noch schlimmer sei jedoch die Situation bei der Vermögensbelastung. In einer Tabelle zeigt er auf, dass ein Verheirateter ohne Kinder mit einem Vermögen zwischen 300 000 und einer halben Million Franken in keinem andern Kanton mehr Steuern bezahlt als in Freiburg. Fast 40 Prozent mehr Einkommens- und Vermögenssteuern zahlt man im Kanton Freiburg als im schweizerischen Schnitt, womit Freiburg nur von den Kantonen Wallis, Uri und Obwalden übertroffen wird.

Seiner Ansicht nach besteht in steuerlicher Hinsicht ein äusserst dringender Handlungsbedarf, zumal Freiburg auch bei der Besteuerung der Kapitalgesellschaften ins letzte Drittel der Kantone gerutscht ist und eine um 15 Prozent höhere Belastung als im schweizerischen Mittel aufweist.

Unternehmen und Kaderleute
steuerlich entlasten

Für Prof. Kleinewefers ist klar, dass vorerst die Unternehmungen sowie die Unternehmer und Kaderleute steuerlich entlastet werden müssen, um

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