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«Die Bedürfnisse der Kinder und der Schule sehen»

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Staatsrätin Isabelle Chassot (CVP) äussert sich zur Pensenregelung.

 

 Sie wollen, dass zwei Lehrkräfte, die sich eine Klasse teilen, je mindestens zu 40 Prozent arbeiten. Was war schlecht an der bisherigen Praxis, die eine Aufteilung in 20/80 Prozent ermöglichte?

In einem pädagogischen Duo sollen sich die Lehrkräfte auch die Verantwortung teilen. Um ein Kind gut zu begleiten und zu fördern, braucht die Lehrperson ein gewisses Mass an Unterrichtszeit. Zudem haben wir festgestellt, dass bei einer 20/80-Aufteilung oft Fächer wie Turnen, Technisches Gestalten und Religion auf den Tag gelegt werden, an dem die Person mit dem Kleinstpensum arbeitet. Wir möchten, dass diese Fächer über die Woche verteilt werden, so dass die Kinder an den anderen Tagen nicht nur kopflastige Fächer haben. Zudem müssen beide Teile des pädagogischen Duos für Schule und Eltern da sein, und das ist mit einem Kleinstpensum kaum machbar.

 

 Warum wirft die neue Regelung vor allem in Deutschfreiburg hohe Wellen?

In Deutschfreiburg entsprechen rund dreissig Prozent aller pädagogischen Duos nicht den Vorgaben der neuen Regelung, bei den französischsprachigen Schulen sind es zehn Prozent. In den deutschsprachigen Kindergärten sind es weniger als acht Prozent.

 Lehrer nennen die Regelung praxisuntauglich. Kleinstpensen seien für die Organisation des Schulalltags nützlich.

Wer will, hat die Möglichkeit, 20 Prozent zu arbeiten. Das Mindestpensum von 40 Prozent gilt nur für die pädagogischen Duos. Es bleiben genügend Lektionen für Kleinstpensen, etwa Entlastungslektionen der Schulleitung.

Lehrkräfte, die 80 Prozent arbeiten, möchten dies mit einer Klasse tun – und nicht für 20 Prozent Sonderlektionen übernehmen.

Das verstehe ich. Aber wir müssen den Blick erweitern und die Bedürfnisse der Kinder und der Schule sehen. Nur der individuelle Wunsch, 80 Prozent zu arbeiten, ist kein Argument. Kommt hinzu, dass es sehr schwierig ist, Lehrkräfte für die 20-Prozent-Pensen zu finden.

 

 Viele Mütter fordern doch gerade solche Kleinstpensen.

Ich verstehe die individuellen Wünsche. Aber eine Lehrkraft soll auch da sein für das Team, für Sitzungen und Aufgaben für die gesamte Schulgemeinschaft. Für Kleinstpensler ist dies schwierig.

 Die Lehrerverbände werfen Ihnen auch vor, die Abgabe von Speziallektionen an Primarschullehrkräfte sei eine verkappte Sparaktion.

Dagegen muss ich mich wirklich wehren. Alle Fächer ausser den Heilpädagogischen Unterricht erteilen Primarlehrer zum Lohn der Primarlehrer. Das kann also keine Sparaktion sein. Beim Heilpädagogischen Unterricht ist es so, dass uns da manchmal Speziallehrkräfte fehlen; in diesen Fällen übernehmen Primarlehrkräfte den Unterricht.

 Die Lehrpersonen beklagen, Sie seien nicht zu Gesprächen bereit. Was sagen Sie dazu?

Ich habe die Lehrerverbände am Dienstag getroffen–ein Termin, der seit gut sechs Wochen feststand. Ich treffe die Verbände zwei bis drei Mal im Jahr, zudem haben sie Termine mit den Amtsleitern und treffen die Inspektoren. Wir haben also Gesprächsgefässe.

 

 Trotzdem heisst es, Sie seien nicht gesprächsbereit.

Was ist Gesprächsbereitschaft? Ich habe bereits 2009 gesagt, dass wir bei der Pensenregelung einen Entscheid getroffen haben–dass wir noch über die Modalitäten sprechen können, nicht aber über das Prinzip. Gesprächsbereitschaft heisst doch nicht, dass man in allen Punkten die gleiche Meinung haben muss.

 War die Absage der Pädagogischen Tagung eine weitere Eskalationsstufe?

Nein. Der Lehrerverband Deutschfreiburg hat seine geplante Störaktion nicht abgesagt. Der Leiter des Amtes für deutschsprachigen Unterricht konnte daher nicht garantieren, dass die Veranstaltung geregelt ablaufen würde. Darum hat er auf die Durchführung verzichtet. Aber das war keine Bestrafung der Lehrerschaft.

 Wie können sich Erziehungsdirektion und Lehrkräfte wieder finden?

Alle tragen ihre Verantwortung am Diskussionsklima. Wir müssen mit unterschiedlichen Meinungen leben können. Und wir müssen gemeinsam die Schule verteidigen–gerade in Zeiten, da Sparpakete auf uns zukommen.

 Wie reagieren Sie auf die Demonstration der Lehrkräfte?

Ich stelle fest, dass sie uns ihren Unmut über die Pensenregelung mitteilen wollen. Sie haben dies in Form eines Trauermarsches getan. Ich finde es schade, dass sie ein solches Bild der Schule abgeben. Gleichzeitig habe ich gelbe Blumen von den Demonstrierenden erhalten. Ich werde Sorgen tragen zu ihnen.

«Heute haben wir ein Zeichen gesetzt»

Sie haben «die Gesprächskultur zu Grabe getragen»: Rund 500 schwarz gekleideteLehrerinnen und Lehreraus Deutschfreiburg haben in Freiburg demonstriert. Sie klagen, die Erziehungsdirektorin gehe nicht auf ihre Anliegen ein, und wünschen sich «praxistaugliche Lösungen».

Nicole Jegerlehner

Stumm ziehen sie die Lausannegasse hinunter. Ganz in Schwarz gekleidet. Einige halten gelbe Blumen in den Händen, andere heben Transparente hoch, einer trägt einen kleinen Sarg. Der Zug ist lang: Rund 500 Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschfreiburg demonstrieren mit diesem «Trauermarsch» vom Georges-Python-Platz hin zum Rathausplatz ihren Unmut.

«Warum das ändern?»

«Miteinander statt gegeneinander»; «Dialog schafft Vertrauen»; «Flexible Pensenlösung = gute Schulqualität»; «65 Prozent arbeiten mit 100 Prozent Engagement»–das und noch viel mehr steht auf den Schildern und Plakaten, welche die Lehrkräfte tragen. «Wir hoffen, dass diese Botschaften bei der Erziehungsdirektorin ankommen», ruft Anton Schwartz vom Verband der Deutschfreiburger Lehrerinnen und Lehrer auf dem Rathausplatz ins Mikrofon.

Eine Lehrerin aus Murten nimmt an der Demonstration teil, weil sie es «vor allem für Mütter» schade findet, dass 20-Prozent-Pensen für Klassenlehrer nicht mehr möglich sind. «Und für andere ist 100 Prozent zu viel.» Eine Lehrerin aus Alterswil sagt, bisher habe die Pensenaufteilung doch bestens funktioniert. «Warum muss man das nun ändern?»

 Pfiffe für Schneider Schüttel

SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel spricht zu den Lehrerinnen und Lehrern–und bereitet ihnen damit nicht nur Freude. «Wollen Sie Ihre Abwehrhaltung und Ihre Drohungen zu Grabe tragen, dann haben Sie meine Unterstützung», sagte die Murtnerin. «Das Kind steht im Zentrum Ihres Alltags–stellen Sie sich doch einmal die Frage, wie sich Kleinstpensen auf sein Wohl auswirken.» Der Leiter des Amts für deutschsprachigen Unterricht und allgemein die Erziehungsdirektion seien offen für Gespräche. Pfiffe und Buhrufe erschallten.

«Handlungsbedarf»

Grossen Applaus erntete dafür Jacqueline Häfliger, die Präsidentin des Lehrerverbands. «Seit 2008 sehen wir, dass bei der Pensenregelung Handlungsbedarf besteht.» Seit der Verband sich zudem negativ zum neuen Schulgesetz geäussert habe, «finden unsere Gesprächsrunden mit der Erziehungsdirektion nicht mehr statt». Die Direktion gebe nur durch, was sie beschlossen habe. «Auf unsere Argumente geht sie nicht ein.» Und genau diese Kommunikationskultur wolle die Lehrerschaft heute zu Grabe tragen.

«Wir wollen mitgestalten»

«Wir wollen mitgestalten und praxistaugliche Lösungen finden», sagte Häfliger. «Wir wollen gemeinsam mit der Erziehungsdirektion Lösungen erarbeiten und nicht Weisungen von oben erhalten, die neue Probleme mit sich bringen.» Die Lehrkräfte applaudierten. «Heute haben wir ein Zeichen gesetzt.»

 

Zum Zwist

Die umstrittene Pensenregelung

Seit 2009 gilt: Teilen sich zwei Lehrkräfte als «pädagogisches Duo» die Verantwortung für eine Klasse, können die Anstellungsverhältnisse 60:40 oder 50:50 lauten. Es ist nicht mehr möglich, dass die eine Lehrkraft zu 80 und die andere zu 20 Prozent in der Klasse unterrichtet. Wer 80 Prozent arbeiten will, muss zusätzliche Lektionen wie Entlastungslektionen übernehmen.njb

Lehrerverbände: «Wir sind sehr, sehr enttäuscht»

A uf der Strassen zeigten gestern zwar die Deutschfreiburger Lehrerinnen und Lehrer ihren Unmut – die französischsprachigen wehren sich aber ebenfalls gegen die Pensenregelung (siehe blauen Kasten). Bereits am Dienstag haben sich die beiden Freiburger Lehrerverbände mit Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot getroffen, gestern Nachmittag sprachen zahlreiche Lehrkräfte bei ihr vor. Als sie die Erziehungsdirektion wieder verliessen, waren einige Wangen gerötet – vor Zorn. Denn Isabelle Chassot will die umstrittene Regelung nicht zurückziehen.

«Wir sind angehört worden; doch wurden wir auch verstanden?», fragte Gaétan Emonet vom frankofonen Verband. «Wir sind sehr, sehr enttäuscht», sagte Jacqueline Häfliger, Präsidentin des Deuschfreiburger Lehrerverbands. Isabelle Chassot berücksichtige die Anliegen der Lehrkräfte nicht. njb

Broschüre: Einen Tag in der Woche ausruhen

Der L FD, der Verband Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburg, hat eine 24-seitige Broschüre gedruckt: «Erfahrungsberichte aus den Lehrerzimmern». In der Broschüre äussern sich zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer anonym zur neuen Pensenregelung. Vor allem Mütter bedauern, dass sie nach der Geburt der Kinder nicht an nur einem Tag – also 20 Prozent – arbeiten können. Andere heben hervor, wie wertvoll es für Berufseinsteiger sein kann, 70 Prozent zu arbeiten und sich die Verantwortung für die Klasse mit einer erfahrenen Lehrperson zu teilen. Wieder anderen ist eine 100-Prozent-Anstellung zu viel; sie wünschen sich die Möglichkeit, zu 80 Prozent in einer Klasse zu unterrichten und einen Tag auszuruhen. 60 Prozent ist ihnen – auch vom Lohn her – zu wenig, und sie möchten sich nicht mit Lektionen an anderen Klassen oder gar in anderen Schulhäusern verzetteln. njb

 

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