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Die Befreiung des privaten Raums

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wer in diesen Tagen durch das Freiburger Burgquartier spaziert, dem dürften die bunten Fähnchen auffallen, die sich an einer Girlande quer durch die Strassen und Gassen ziehen. Sie flattern in luftiger Höhe, verschwinden hier in einem Fenster und tauchen dort in einer Tür wieder auf. Ein Kilometer lang ist die Girlande, die, ausgehend von der Zähringerbrücke, den öffentlichen und den privaten Raum verbindet, Grenzen verwischt und Menschen zusammenbringt.

Verschiedene Reaktionen

Hinter dem Projekt mit dem Titel «Fanions» stehen die Deutschfreiburger Künstler Martin Schick und Tina Odermatt. Es ist Teil des Kunstfestivals «Bourg en Scène», das heute beginnt und bis Sonntag dauert (siehe Kasten). Die Spannung zwischen Öffentlichem und Privatem interessiere ihn schon lange, sagt Martin Schick. «Im Gegensatz zu anderen Kulturen sind der private und der öffentliche Raum bei uns scharf voneinander abgegrenzt. Das zeigt sich etwa daran, dass man kaum je von der Strasse in eine Wohnung sieht. In anderen Ländern ist das ganz anders.»

Mit «Fanions» hat Schick eine spielerische Möglichkeit gefunden, um diese Grenze zu durchbrechen und um auszuloten, wie Menschen reagieren, wenn man in ihre Privatsphäre eindringt. Zusammen mit seiner Kollegin Tina Odermatt ist er seit letztem Freitag im Quartier unterwegs und montiert die Girlande. Die beiden gehen spontan in Restaurants, betreten Geschäfte und klingeln an Wohnungstüren, um die Inhaber und Bewohner zu fragen, ob sie ihre Fähnchen bei ihnen aufhängen dürfen. Die Reaktionen seien sehr unterschiedlich, sagt Martin Schick: «Die einen sind begeistert, empfangen uns mit offenen Armen und bieten uns Essen und Trinken an, während andere skeptisch sind und Nein sagen.»

Grafikerin und Staatsrat

Beim Besuch der FN diese Woche haben Schick und Odermatt ihren kleinen Basteltisch an der Reichengasse aufgestellt. Aus alten Kleidern und Stoffresten schneiden sie hier die Wimpel zurecht und befestigen sie an der Girlande. Gelegentlich bleiben Passanten stehen und lassen sich über das Projekt und das Festival informieren. Einige bringen Textilien für die Fähnchen vorbei oder basteln gar eine Weile mit. Die Hilfe ist willkommen: «Die Herstellung der Girlande ist aufwendiger, als ich dachte», gesteht Schick.

Und schliesslich haben die beiden Initianten Wichtigeres zu tun, als Stoffe zu zerschneiden. Es gilt, den weiteren Weg der Girlande zu bestimmen, und das ist gar nicht so einfach: «In dem Haus da drüben suchen wir noch jemanden, der uns in seine Wohnung lässt», sagt Tina Odermatt. Im zweiten Stock oder höher sollte die Wohnung liegen, da die Girlande aus Sicherheitsgründen nicht tiefer hängen darf, wenn sie eine Strasse überquert. Vorerst aber geht es im Erdgeschoss in das Grafikbüro Karakter. Mitinhaberin Christina Gräni hat bereits zugesagt: «Ich finde es super, dass im Quartier etwas läuft», sagt sie, «und als Grafikerin gefällt mir das Projekt auch vom ästhetischen Standpunkt aus.»

 Kaum hängt die Girlande im Grafikbüro, naht auf dem Velo eine Gelegenheit, die sich Martin Schick nicht entgehen lässt: Der Radfahrer ist kein Geringerer als Staatsrat Erwin Jutzet, dessen Sicherheits- und Justizdirektion an der Reichengasse liegt. Er ist sofort bereit, die Türen der Direktion für die Fähnchen zu öffnen: «Gehen Sie nur rein und sagen Sie, ich hätte zugestimmt», sagt er, ehe er zum nächsten Treffen eilt. Wenig später durchquert die Girlande den «Blauen Saal», das repräsentative Sitzungszimmer der Justizdirektion.

Genauso spontan wie Erwin Jutzet reagiert ein paar Häuser weiter Edgar Vonlanthen, der Patron des Café du Théâtre. Eine Angestellte hilft sogar beim Aufhängen, und ein Gast räumt bereitwillig seinen Platz, damit die Künstler von seiner Bank aus an die Decke gelangen können. Martin Schick ist in seinem Element: «Türen öffnen sich, Räume gehen auf, Menschen finden zusammen.» Das Projekt scheint im familiären Quartier einen Nerv zu treffen. «Für viele ist es wie eine Befreiung», sagt Schick–und macht sich auf, um an der nächsten Tür zu klingeln.

Die Wimpel sind noch bis Sonntag im Quartier zu sehen. Eine öffentliche Begehung entlang der Girlande gibt es am Samstag, 5. September, ab 16 Uhr (Treffpunkt auf der Zähringerbrücke).

Programm

Lebendiges Burgquartier

Mit Theater, Tanz, Konzerten und Performances will das Festival «Bourg en Scène»vom 3. bis zum 6. SeptemberLeben ins Burgquartier bringen. Das Festival ist eine Initiative des Vereins «Les amis des marronniers», gegründet von der Freiburger Künstlerin Joséphine de Weck. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen, leicht zugänglichen Orten im Quartier statt, zum Beispiel:

• Tanztheater«Téléphone arabe»: Do. 19.30 Uhr/Fr. 18 Uhr im Garten des Museums für Kunst und Geschichte.

• Tanzstück«Madam, I’m Adam»: Do. 20 Uhr/Sa. 18 Uhr im Garten Nussbaumer.

• Performance«Soleil de plomb»: Fr. 20 Uhr/Sa. 21 Uhr, Belvédère-Terrasse.

• Gratiskonzerteauf dem Rathausplatz: Do. 21 Uhr, Fr. 21.30 Uhr, Sa. 22 Uhr.

• Jamsessionauf dem Rathausplatz: So. 19 Uhr.cs

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