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«Die Begegnung ist unverstellter»

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Der reformierte Pfarrer Willy Niklaus ist schon seit längerem als Pfarrer in der Kirchgemeinde Thurnen im Kanton Bern tätig. Im Januar hat sich sein Arbeitsweg ziemlich verlängert, weil er zusätzlich als Seelsorger für Menschen mit Behinderung in Deutschfreiburg arbeitet. Die beiden Stellen teilt er sich zu je 50 Prozent. Nächsten Samstag findet in Flamatt der erste Gottesdienst für Menschen mit und ohne Behinderung unter seiner Mitverantwortung statt (siehe Kasten). Die FN haben ihn in Mühlethurnen im Gürbetal besucht und mit ihm über seine neue Tätigkeit gesprochen.

 

 Willy Niklaus, warum haben Sie sich dafür entschieden, Pfarrer zu werden?

Eine erste Idee kam mir in der Rekrutenschule. Damals wollte ich mich für den Frieden einsetzen und habe mir überlegt, wie ich das machen könnte. Ein Sozialpraktikum mit Drogenabhängigen hat meine Entscheidung bestärkt. Da fand ich auch die christliche Motivation und erkannte, dass das Evangelium Antworten auf tiefe Lebensfragen geben kann.

 

 Wie war Ihr beruflicher Werdegang als Pfarrer?

Zuerst habe ich in der evangelisch-methodistischen Kirche und in einer Rehabilitationsklinik für schwerst Drogenabhängige gearbeitet. Nach meinem Theologiestudium habe ich in Bern das Staatsexamen abgelegt, und damit die Ausbildung zum reformierten Pfarrer absolviert. In Mühleturnen habe ich zu Beginn als Jugendarbeiter und Katechet gearbeitet. Nach dem Studium wurde ich dann als Pfarrer angestellt.

 

 Wie kamen Sie zur Stelle als Seelsorger für Menschen mit Behinderung im Kanton Freiburg?

Ich wusste, dass diese Stelle existiert, die vom Kanton, den Institutionen und der Kirche gestützt wird. In Bern gibt es nichts Vergleichbares. Vor zweieinhalb Jahren machte ich eine Zusatzausbildung für heilpädagogischen Religionsunterricht. Gleichzeitig habe ich ein Praktikum in der Behindertenwerkstatt Frutigland gemacht. Als ich mich dann für die Stelle beworben habe, kam mir das sicher zugute.

 

 Wie bringen Sie beide Stellen unter einen Hut?

Es ist gut organisier- und planbar. Am Mittwochmorgen bin ich meist im Les Buissonnets in Freiburg. Dann gibt es auch ganze Tage, an denen ich mit der katholischen Seelsorgerin in Werkstätten, beispielsweise in der Sensler Stiftung für Behinderte in Tafers und Schmitten, unterwegs bin.

 

 Was machen Sie beispielsweise im Les Buissonnets?

Ich unterrichte an einem Vormittag zwei Klassen im Fach Religion. Eine Unterrichtsstunde ist schlicht strukturiert. Sie beginnt mit einem einfachen Einstiegslied, mit dem wir jedes Kind begrüssen und einbeziehen. Da hat es auch die Möglichkeit zu erzählen, wie es ihm geht. Dann erzähle ich fortlaufend aus biblischen Geschichten. Die Kinder verkleiden sich oder basteln. Ich versuche, das methodisch möglichst vielfältig zu gestalten.

 

 Wie werden Sie dabei den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht?

Das ist die grosse Herausforderung. Diese Frage stellte sich etwa auch in der Vorbereitung auf den Gottesdienst in Flamatt. Wir haben geplant, einen farbigen Lebensfluss in die Kirche zu legen. Die Kinder können dann darin selbst gebastelte Schiffe platzieren. Da müssen wir schauen, wer sein Schiff selber in den Fluss legen kann und wer einfach zeigt, wo sein Schiff platziert werden soll. In solchen Situationen müssen wir eine passende Lösung bereithalten.

 

 Mit welchen Problemen werden Sie als Seelsorger konfrontiert?

Das sind ganz normale Fragen, die uns der menschliche Alltag stellt. Fragen um Gesundheit, Freundschaft, Probleme in der Liebe, etc. Da Menschen mit Behinderung häufig andere emotionale Schranken haben, äussern sie ihre Anliegen oft direkter.

Macht das den Kontakt mit ihnen einfacher?

Die Gespräche sind sehr spannend. Ich erlebe die Menschen als starke Persönlichkeiten–Originale mit persönlichen Geschichten. Die oft maskenhaften, stereotypen Begegnungen, wie wir sie unter «Normalen» erleben, gibt es hier nicht. Die Begegnung ist unverstellter. Das macht es manchmal einfacher, manchmal fordert das aber auch sehr heraus.

 

 Was bringt die Zukunft für Sie als Seelsorger?

Damit Vertrauen wächst, braucht es viel Zeit und konstante Begegnungen–das ist noch im Aufbau. Seither habe ich auch festgestellt, dass es nicht darum geht, hohe Ziele anzustreben. Das überfordert alle Seiten. Eine gute Betreuung meinerseits und der stete Aufbau von Vertrauen sind viel wichtiger. Ausserdem sind Menschen mit Behinderung sehr oft gut in ihr Umfeld mit Eltern, Betreuungs- und Pflegepersonen oder Lehrern eingebettet. Mein Ziel ist es, ein Teil davon zu werden.

Vorschau

Ein Gottesdienst ohne Schranken

Nächsten Samstag findet in Flamatt ein ökumenischer Gottesdienst für Menschen mit und ohne Behinderung statt. Willy Niklaus hat ihn mit einem Team um die Religionslehrerin Claudia Schlüchter aus Wünnewil vorbereitet. Wie sie gegenüber den FN erklärt, beteiligt sich die sechste Klasse von Flamatt am Gottesdienst mit Geschichten, Fürbitten und Musik: «Mein Ziel ist es, dabei Berührungsängste abzubauen. Ich habe festgestellt, dass der Anlass für Schülerinnen und Schüler eine sehr gute Erfahrung ist.» Zwei junge Männer, ein Blinder und ein geistig Behinderter, musizieren am Gottesdienst. Sie spielen Piano und Mundharmonika.lp

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