Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die deutschsprachige Abteilung ist offen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Noch hängen keine Bilder an den Wänden, als die FN Anfang Woche die deutschsprachige Abteilung der psychiatrischen Klinik besuchen. Die Betten sind noch nicht gemacht, an den Türen zu den Büros kleben die Namensschilder der vorherigen Ärzte. Der Umzug steht kurz bevor. «Es ist alles bereit», sagt Armin Kratzel, verantwortlicher Arzt der Abteilung. Auf dem Rundgang begleiten ihn Oberärztin Patrizia Winter und der stellvertretende Pflegedirektor Albert Wahl.

Vier Einzelzimmer und acht Doppelzimmer stehen den deutschsprachigen Patienten nun zur Verfügung. Die Abteilung befindet sich im Gebäude G der Klinik Marsens, wo auch Cafeteria und Kiosk untergebracht sind. Sie zählt mehrere kleine Aufenthaltszimmer, einen kleinen, offenen Speisesaal und Räume für Ergo- und Kunsttherapie. «So erhalten die Patienten schnell eine Tagesstruktur, ohne dass sie die Abteilung verlassen müssen», sagt Winter. Und es gibt auch ein Zimmer für schwerstkranke Patienten: Ausgestattet mit Schaumstoffbett und -sessel, kahlen Wänden, Fenstern, die sich nicht öffnen lassen und Lampen, die verglast sind, damit kein Zugang zu Elektrizität möglich ist. «Der Raum ist für Patienten in Krisensituationen, die sich selbst oder andere gefährden könnten», sagt Kratzel. «Uns war es wichtig, einen solchen Raum in der Abteilung zu haben.» Denn so würden die Patienten immer von denselben Personen betreut werden, was in diesen schwierigen Situationen wichtig sei. «Und es ist auch wichtig, dass sich die Patienten in ihrer Sprache verständigen können.»

Zwei Jahre Vorbereitung

Angekündigt war die Eröffnung der deutschsprachigen Abteilung auf den 1. Mai, nun hat der Umzug etwas früher stattgefunden, gleich nach dem Besuch der FN. «Wir sind also sogar etwas schneller», sagt Kratzel, lacht, und spielt damit auf die lange Wartezeit der Deutschfreiburger an: Seit Jahrzehnten fordern Patienten, Hausärzte und Psychiater eine Behandlung in deutscher Sprache. Die neue Abteilung in Marsens dient nun als Vorbereitung: In gut zwei Jahren wird sie nach Villars-sur-Glâne ziehen, wo im ehemaligen Diözesanseminar gleich neben dem Freiburger Kantonsspital ein deutschsprachiges Psychiatriezentrum eröffnet wird (die FN berichteten).

Allgemeine Abteilung

16 deutschsprachige Patienten können künftig in der Abteilung in Marsens behandelt werden. 15 Pflegemitarbeitende, drei Ärzte, ein Sozialarbeiter und ein Ergo- und Kunsttherapeut betreuen sie. «Wir haben die Mitarbeiter nach und nach rekrutiert, sie sind bereits ein eingespieltes Team», sagt Albert Wahl.

Die deutschsprachige Abteilung ist eine allgemeine Abteilung: Ältere und jüngere Menschen treffen aufeinander, Depressive, Suchtkranke, Leute mit Angstzuständen. «Es gibt generell einen Trend zur allgemeinen Psychiatrie», sagt Kratzel. Erstens sei eine Klinik wie Marsens zu klein, um sich zu stark zu spezialisieren, andererseits herrsche in gemischten Abteilungen eher ein «normales» Klima. «Wenn es beispielsweise in einer Abteilung nur Depressive hat, besteht die Gefahr, dass sie sich gegenseitig noch stärker herunterziehen.» Und Kratzel betont: «Es heisst nicht, dass wir die Kenntnisse über spezifische Krankheiten nicht haben. Die Qualität wird nicht vermindert.» Eine spezifische Behandlung sei vor allem bei der ambulanten Betreuung nach dem Aufenthalt in der Psychiatrie wichtig.

Deutschsprachige isoliert

Die drei Hauptverantwortlichen der neuen deutschsprachigen Abteilung haben oft erlebt, dass sich Deutschsprachige in Marsens nicht wohlfühlten: «Viele wollten schon gar nicht herkommen», sagt Armin Kratzel, der für die zweisprachige Behandlungskette verantwortlich ist und am Spital Tafers Sprechstunden führt. Andere Patienten forderten während ihres Aufenthalts, nach Bern verlegt zu werden. «Man sah schon in der Cafeteria, dass die Deutschsprachigen isoliert waren. Sie blieben für sich, während die welschen Patienten miteinander in Kontakt traten», sagt Patrizia Winter. «Eine Hauptkritik an Marsens war immer, dass die Klinik nicht für Deutschsprachige ist.»

Gegen Ruf ankämpfen

Das Vertrauen der Deutschfreiburger gewinnen ist nun eine der Aufgaben, die der verantwortliche Arzt Armin Kratzel als grösste Herausforderung bezeichnet. Eine andere ist, «eine gute Psychiatrie anzubieten, sodass sich der Patient angemessen behandelt fühlt». Das sei oft schwierig, denn die Meinung der Betroffenen und der Professionellen würden sich nicht immer decken. «In etlichen Fällen haben die Patienten den Bezug zur Realität verloren.»

Mit der deutschsprachigen Abteilung geht eine Umstrukturierung der gesamten Klinik einher: Denn bisher belegten Deutschfreiburger im Schnitt zwölf der insgesamt 117 Betten, vier weniger als nun neu für sie reserviert sind. Werden die deutschsprachige Abteilung und die Umstrukturierung helfen, die Imageprobleme der Klinik zu beheben? «Marsens leidet unter ähnlichen Imageproblemen wie praktisch alle kantonalen Psychiatrien», antwortet Armin Kratzel auf diese Frage. Und dies seit langem: «Die Psychiatrie hat sich geändert, ihre Reputation jedoch nicht.» Die Zweisprachigkeit und die aus Deutschfreiburger Sicht etwas abgelegene Lage im Greyerzbezirk würden die Situation in Marsens sicher erschweren. Das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit habe in den vergangenen Jahren jedoch viel investiert, um die Behandlung für die Bevölkerung in jeder Hinsicht zu verbessern (siehe Kasten).

«Die Angst vor der Psychiatrie ist in gewisser Weise auch verständlich», sagt Patrizia Winter. Mentale Krankheiten seien schwieriger begreifbar als etwa ein gebrochenes Bein. «Die Angst vor der Stigmatisierung ist ebenfalls gross. Aber das ist kein spezifisch deutschsprachiges Problem.»

FNPG: Gemeindenahe Psychiatrie

D as Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit FNPG entwickle sich zu einer modernen, gemeindenahen Psychiatrie, sagt Armin Kratzel, Co-Direktor ad interim der Erwachsenenpsychiatrie in Marsens und Leiter der neuen deutschsprachigen Abteilung. «Die Kliniken sollen sich nicht mehr wie früher in abgelegenen Gebieten befinden, sondern gut erreichbar in den Zentren.» So gibt es seit letztem Jahr das Zentrum für psychische Gesundheit in Bulle, seit 2012 gibt es neben der Tagesklinik in Freiburg auch eine in Bulle und am Freitag in einer Woche wird das Freiburger Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, das zweisprachig ist, an der Murtenstrasse in Freiburg offiziell eingeweiht. «Das deutschsprachige Psychiatriezentrum ist ebenfalls Teil dieser Entwicklung», sagt Armin Kratzel.

Das Zentrum soll im Verlaufe des Jahrs 2017 nahe beim Kantonsspital mit 36 Betten eröffnet werden, die Abteilung in Marsens dient als Vorbereitung dazu. Kratzel betont, dass die Lage im Kantonszentrum ideal sei. Das Spital Tafers, das zuerst als Standort gehandelt wurde, wäre zwar praktisch gewesen für die Sensler, für Patienten aus dem Seebezirk aber weniger. Es sei wichtig, dass das Zentrum gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sei, denn Psychiatriepatienten besässen oftmals kein Auto.

Bern nicht immer ideal

Obwohl viele Deutschfreiburger Psychiatriepatienten bisher oft eine Behandlung in Bern gewählt hätten, sei auch dies nicht ideal gewesen, gerade wegen der Distanz. «Wir hoffen nun, dass wir ihre Zurückhaltung gegenüber der Psychiatrie im Kanton etwas auflockern können», so Kratzel. mir

Angehörige, Betroffene, Ärzte und andere Professionelle erreichen das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit unter der Nummer: 026 305 77 77 . Nach einer Triage wird der Anrufende an die richtige Stelle weitergeleitet.

Mehr zum Thema