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Die Digitalisierung ist für viele noch weit weg

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Die Digitalisierung verändert die Berufswelt. Mehrere Unternehmen testen zurzeit selbstfahrende Busse und Züge. In Einkaufszentren können Kunden heute ohne Hilfe einer Kassie­rin bezahlen. Was das für Arbeitnehmer bedeutet, ist nicht restlos klar. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rechnet in einem Bericht damit, dass die Digitalisierung mehr neue Stellen schafft als durch die Automatisierung entfallen. Allerdings könne es dabei zu Verschiebungen zwischen einzelnen Berufen kommen. Insgesamt entfallen laut Seco vor allem Routinetätigkeiten, während die Nachfrage nach gut qualifizierten Berufsleuten steigt.

Klar ist: Die Berufswelt wandelt sich in relativ kurzer Zeit stark. Das betrifft nicht zuletzt die heutigen Oberstufenschüler, die vor der Berufswahl stehen. Wenn sie in rund 50 Jahren pensioniert werden, sind wohl zahlreiche Berufe verschwunden. Die FN haben eine Schwarzenburger Oberstufenklasse an die Berufswettkämpfe Swiss Skills begleitet. 900 junge Berufsleute massen sich in Bern in 75 Berufen (siehe Kasten). Die Jugendlichen erhielten so Einblick in zahlreiche Berufe. «Die meisten haben aber bereits eine Lehrstelle oder wissen schon recht genau, in welche Richtung sie gehen wollen», erzählt Lehrer ­Beat Schulthess.

Schreiner brauchen Computer

Die Berufswahl ist nicht nur für die Jugendlichen anspruchsvoll, sondern auch für die Lehrpersonen. «Wir müssen stets auf dem Laufenden sein», erzählt Schulthess. Zum einen wechseln Berufe häufig ihren Namen. So heisst, um ein prominentes Beispiel zu nennen, etwa die Arztgehilfin schon lange medizinische Praxisassistentin. Zum anderen entwickeln sich die Berufe stetig weiter. «Selbst ein Möbelschreiner plant seine Möbel heute mit Computer», sagt Schulthess. Die Schule müsse deshalb die Jugendlichen frühzeitig mit Informatikkenntnissen füttern. «Ohne geht es heute in keinem Beruf mehr.»

Beat Schulthess und Lehrerkollege Christoph Wüthrich sind sich bewusst, dass viele Berufe in den nächsten Jahren verschwinden werden. «Irgendwann können Bauroboter Häuser zusammensetzen», sagt Wüthrich. Noch beeinflusst diese Aussicht ihren Berufswahlunterricht nur indirekt. «Wir motivieren die Schülerinnen und Schüler, unbedingt eine Lehre abzuschlies­sen und sich dann stetig weiterzubilden», sagt Schulthess. Ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis sei die beste Voraussetzung, um in einer Berufswelt bestehen zu können, die sich stark verändert. Vor 30 Jahren habe es in jeder Klasse Schüler gegeben, die keine Lehre abschlossen. Stattdessen halfen sie zum Beispiel auf dem elterlichen Hof mit. Heute sei ein Lehrabschluss aber unverzichtbar.

Gute Manieren helfen

Noch hat Schwarzenburg separate Realklassen. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden finden in Schwarzenburg auch die meisten Realschüler eine Lehrstelle. «Bei uns besuchen relativ viele Schüler die Realklassen.» Dadurch gebe es in diesen Klassen viele Schüler, die schulisch verhältnismässig stark seien. Andererseits stammten viele Schüler aus stabilen sozialen Verhältnissen. «Entsprechend bringen sie Schlüsselkompetenzen wie gute Manieren mit», sagt Christoph Wüthrich.

Wüthrich und Schulthess räumen ein, dass mit der Digitalisierung gerade die schwächsten Schülerinnen und Schüler unter Druck kommen. «Für sie ist eine gute Ausbildung noch wichtiger, selbst, wenn sie dafür mehr Zeit brauchen», sagt Schulthess. Wüthrich erzählt von einem ehemaligen Schüler, der schulisch eher Mühe hatte. Er habe etwas länger gebraucht, habe aber heute sein Fähigkeitszeugnis. «Um die begeisterungsfähigen Schüler mache ich mir keine Sorgen», sagt Beat Schulthess deshalb.

Wettkämpfe und Information

Auf dem Messegelände der Bea-Expo zerstreuen sich die Schülerinnen und Schüler schnell in alle Richtungen. Sie entdecken die verschiedenen Berufe auf eigene Faust. Kurz nach dem Eingang fahren Logistiker mit dem Gabelstapler einen Parcours. Dahinter versuchen Lastwagenchauffeure, ihr Gefährt auf einer Wippe auszubalancieren. Unter den Augen von Experten und zahlreichen Zuschauern versucht ein Detailhandelsfachmann, einem Kunden mit seiner Beratung eine Lampe zu verkaufen. Die Jugendlichen können sich an den Swiss Skills aber auch über die Berufe informieren und oft selber Hand anlegen. Eine junge Seilbahn-Mecha­tronikerin zeigt einigen Jungen eine Art Mecano-Spiel. Überhaupt achten die Berufsverbände auf eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter. Doch das Interesse der Besucher verläuft weitgehend entlang traditioneller Geschlechtervorstellungen.

Zimmermann und Schreinerin

Es gibt aber auch Ausnahmen. Die Schwarzenburger Oberstufenschülerin Nuria will Schreinerin werden. Noch hat sie keine Lehrstelle, aber bereits geschnuppert. Ihr gefällt die handwerkliche Arbeit. «Und ich arbeite gerne mit Holz.» Sie möchte sich am liebsten auf die Möbelschreinerei spezialisieren. «Da ist man zwar nicht so viel im Freien wie auf dem Bau. Man ist aber doch mehr auf den Beinen als im Büro.» Nuria hat sich auch bei der Floristin umgeschaut. «Das war gar nichts für mich.» Sie hat keine Angst, dass sie im männerlastigen Schreinerberuf untergehen könnte. «Ich kann es gut mit Jungs.» Sie habe viele Kollegen.

Auch Marco hat noch keine Lehrstelle. «Ich habe die Stände der Zimmerleute und Netzelektriker besucht», erzählt der gross gewachsene Neuntklässler. «Mir gefällt das Handwerk, weil es vielseitiger ist als ein Bürojob.» Weder Marco noch Nuria glauben, dass ihre Berufe eines Tages verschwinden werden. «Roboter werden kaum in der Lage sein, ganze Dachstühle zusammenzubauen», meint Marco.

Swiss Skills

Zwei Frauen aus der Region gewannen Gold

Während fünf Tagen fand Mitte September in Bern die Berufsshow Swiss Skills statt. 900 junge Berufsleute aus der ganzen Schweiz kämpften in 75 Berufen um den Schweizer Berufs-Meister-Titel. In rund 100 Berufen konnten sich Besucherinnen und Besucher selber versuchen. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit der zweiten Ausgabe: Sie verzeichneten über 115 000 Eintritte, darunter zahlreiche Schulklassen.

In den Berufswettkämpfen gab es auch zwei Siegerinnen aus der Region. Aline Solange Peter aus Laupen setzte sich bei den Logistikern durch. Auch Fahrradmechanikerin Sandra Schmied aus Guggisberg konnte den Wettkampf für sich entscheiden.

sos

«Um die begeisterungsfähigen Schüler mache ich mir keine Sorgen.»

Beat Schulthess

Oberstufenlehrer

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