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Die Faszination der giftigen Schönheiten

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zu einem kleinen Knäuel aufgerollt liegt die Wüstenhornviper im warmen Sand ihres Terrariums, fast bis zum Kopf eingegraben. Unaufgeregt tastet sie mit vereinzelten Zungenschlägen ihre Umgebung ab. Mit ihren beiden über den Augen liegenden Hörnern erinnert die beige-braun gemusterte Schönheit, deren Blick beinahe gleichgültig über die weisse Sandfläche schweift, an ein Fabelwesen aus einer längst vergessenen Zeit. Dann öffnet sich die Oberseite des Terrariums. Die stoische Ruhe des Reptils weicht urplötzlich einer ungeduldigen Neugier.

Eine elegante Jägerin

Auf der anderen Seite des Sicherheitsglases ist Christian Derwey auf einen Schemel gestiegen. Der schweizweit anerkannte Schlangenexperte erzählt mit erhobener Stimme von den Eigenschaften der Wüstenhornviper: «Die Schlange vergräbt sich nicht nur zur Tarnung im Wüstensand, sondern auch, um dem eigenen Körper Abkühlung zu verschaffen.» Um Derwey herum stehen dichtgedrängt Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Besucher der öffentlichen Schlangenfütterung im Naturhistorischen Museum Freiburg hoffen, einen Blick auf das anstehende Schauspiel erhaschen zu können. Während die Menschentraube weiter anwächst, weicht die für Museumsräume sonst so typische Stille einem aufgeregten Stimmenwirrwarr. Dann erlöst der 41-Jährige sowohl die Schlange als auch das Publikum und reicht der Viper mit geübten Handgriffen einen leblosen Mäusekörper, den die elegante Jägerin augenblicklich packt und zu verschlingen beginnt.

Mehr als ein Hobby

Für Christian Derwey kommt die Faszination, welche das Publikum den Vipern während den öffentlichen Fütterungen entgegenbringt, nicht von ungefähr: «Der Mensch hat sich schon immer für das interessiert, was gefährlich wirkt. Bei Giftschlangen ist das nicht anders.» Derwey selbst entdeckte bereits früh die Faszination für die lautlosen Raubtiere. Mit 18 Jahren entschied er sich für seine erste Schlange: eine harmlose Kornnatter. Dabei sollte es nicht bleiben. Heute lebt Derwey mit rund 50 Schlangen zusammen, wovon rund zwei Drittel giftig sind. «Als ich meine Königskobra vor acht Jahren erhielt, war sie noch ein Baby und nur 17 Zentimeter lang. Heute wiegt sie 8,5 Kilogramm, misst über vier Meter und bewohnt ihr eigenes Zimmer», lacht er. Seine 20-jährige Erfahrung im Umgang mit Giftschlangen stellt er auch dem Vivarium Lausanne zur Verfügung, wo er Berufsleute – etwa Feuerwehrmänner und Polizisten – ausbildet, die mit giftigen Schlangen in Kontakt kommen.

Und Christian Derwey hält Nattern, Pythons, Vipern, Kobras und Co. nicht nur, er züchtet sie auch und besucht sie sogar in ihren Herkunftsländern, um sie in freier Wildbahn zu fotografieren: «Thailand ist meine liebste Schlangen-Destination. Ich habe dort viele Freunde gefunden, die meine Leidenschaft teilen und mit denen ich stets in Kontakt stehe.» Internationales Know-how war es auch, welches Derwey zugutekam, als er 1999 erstmals von einer Giftschlange – einer Brillenkobra – in den Unterarm gebissen wurde. «Ich bin sicher, dass die Erstversorgung durch meinen kambodschanischen Bekannten mir das Leben gerettet hat.» Auch einen weiteren Biss – diesmal durch eine hochgiftige Vipernart – überstand der Greyerzer vor zwei Jahren mit viel Glück unbeschadet.

Für einen Freund

Das Risiko seiner Arbeit mit Giftschlangen stuft Derwey trotz allem als gering ein: «In über 20 Jahren kam ich rund 300 000 Mal mit giftigen Schlangen in Kontakt; zwei Mal kam es zu einem Unfall. Ich glaube, Auto fahren ist deutlich gefährlicher.» Die Statistik spricht für Derweys These: An den jährlich rund fünf Millionen Schlangenbissen weltweit sterben rund 2,5 Prozent aller Opfer.

Der Schlangenexperte ist überzeugt, dass Angst im Umgang mit gefährlichen Tieren ein ähnlich schlechter Berater ist wie Unkenntnis. Er habe sofort zugesagt, als sein Freund, der Herpetologe Jean-Claude Monney, ihn gebeten habe, in der Ausstellung mitzuhelfen und die Mitarbeiter im Umgang mit Giftschlangen zu schulen. Monney, der Kurator der noch bis zum 5. Januar laufenden Ausstellung, erlag Ende 2012 einer Krebserkrankung. Derwey ist sicher: «Er wäre sehr stolz, könnte er sehen, wie schön die Ausstellung geworden ist und wie gut sie bei den Leuten ankommt.»

Naturhistorisches Museum, Museumsweg 6, Freiburg. Bis zum 5. Januar 2014. Täglich 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

 

Programm

Öffentliche Fütterungen

Bis zum 5. Januar 2014 sind die aus allen Erdteilen – ausser Australien, dort gibt es keine Vipern – stammenden Schlangen noch im Naturhistorischen Museum in Freiburg zu Gast. An den folgenden Mittwochen werden jeweils um 16 Uhr öffentliche und kommentierte Schlangenfütterungen durchgeführt: 20. November, 4. Dezember und 18. Dezember. Zusätzlich führt Ariane Delaquis am Sonntag, 8. Dezember, um 10.45 Uhr durch die Ausstellung. Der feierliche Schlusspunkt der Sonderausstellung trägt den Titel «Schlangenfrau und andere Monster» und geht am Sonntag, 5. Januar, um 16 Uhr unter der Regie von Kunos Circus-Theater über die Bühne. 

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