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Die «Fische» haben ihre Stadt herausgeputzt

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Zuerst waren da nur die Ideen, sagt der Syndic von Estavayer-le-Lac, André Losey. Ideen, wie sich das Städtchen am Neuenburgersee für das grosse Schwingfest rüsten könnte und wie die Zehntausende von erwarteten Besuchern empfangen und unterhalten werden könnten. «Das Schwierige war dann, die Idee in die Realität umzusetzen.» Dafür sprach der Generalrat an seiner Sitzung vom 23. Februar 2015 148 000 Franken. Eine ganze Reihe von Dekorationen und künstlerischen Objekten sollten damit finanziert werden (siehe Kasten). Das Geld sei gut in das Tourismusmarketing investiert, ist Gemeindepräsident Losey überzeugt: «Wir wollen die seltene Gelegenheit am Schopf packen und uns den Besuchern aus dem ganzen Land präsentieren.» Das Zielpublikum, so Losey, seien ganz klar Deutschfreiburger und Deutschschweizer. Er erhoffe sich, dass die Kurzbesucher des Schwingfestes danach wiederkommen, länger bleiben und sich gar niederlassen. Sie wären nicht die Ersten, so Losey: «Wir haben in den letzten Jahren viele deutschsprachige Einwohner empfangen.» Allerdings: «Wie es im Marketing halt ist: Man muss investieren, ohne sicher zu sein, was man dafür zurückbekommt.»

Wie viele Besucherinnen und Besucher dann wirklich nach Estavayer kommen, kann Losey natürlich nicht sagen. «Aber schon jetzt kommen viele Deutschschweizer zu uns und wollen wissen, wo nun das Schwingfest eigentlich stattfindet.» Er sei selbst auch schon mehrfach auf der Strasse angesprochen worden. Und er versuche, den Gästen beizubringen, dass das eigentliche Festgelände eben nicht auf dem Boden von Estavayer stattfindet, sondern auf dem Areal des Militärflugplatzes von Payerne. Das sei zwar nicht weit weg, aber halt auch nicht in Gehdistanz von der Altstadt entfernt. Eine Erklärung zu geben, sei für ihn nicht immer ganz einfach, sagt Syndic Losey lakonisch angesichts seiner nicht sehr umfassenden Deutschkenntnisse.

Unermüdlicher Künstler

Entstanden sind die Ideen im Büro des Künstlers Christian Gobet, von seinen Fans und Freunden Gobio genannt. Er ist für die Gemeinde Estavayer-le-Lac als Tiefbauzeichner tätig. Das sei ein grosser Vorteil bei der Entwicklung der Ideen gewesen, erinnert sich Syndic Losey: «Wir sind froh, haben wir ihn sozusagen hier im Haus.» In seiner Freizeit–so der Vielarbeiter Gobio noch welche hat–arbeitet er als Cartoonist für die Lokalzeitung «Le Républicain». Nach ersten Vorarbeiten erhielt Gobet von der Gemeinde den Auftrag, die Ideen in die Tat umzusetzen.

«Wenn ich etwas sehe, macht es manchmal ‹zack›, und es arbeitet hier oben», sagt Gobet anlässlich einer Führung durch Estavayer und tippt sich an die Stirn. «Er ist wirklich unermüdlich», sagt Losey anerkennend. Kaum war der Auftrag gesprochen, da sprudelten die Ideen. «Für die Vorschläge hatte ich freie Hand», so Gobet. Allerdings: Nicht für alle seine Ideen erhielt Gobio dann auch den Segen der Stadtoberen. So beschränkt sich der Rayon der ausgestellten Objekte auf das Gemeindegebiet. Auf einen Standort auf dem Autobahnrastplatz Rose de la Broye zum Beispiel musste er–weil ausserhalb–verzichten. «Wir hatten aber eine gute Auswahl», betont Losey.

Eine «Poya» mit Fischen

So schmücken Schwinger den grossen Kreisel Croix-de-Pierre, durch welchen alle Reisenden müssen, wenn sie von der Autobahn her in Richtung Innenstadt von Estavayer fahren. Ausserdem ist der Kreisel voller Blumen. Die eigenen Angestellten hätten die Arbeit gemacht, sagt Losey stolz.

Gleich gegenüber dem Rathaus ist Gobets Installation «La poya lacustre» angemacht, ein Bild mit elf Teilelementen, die eine Geschichte erzählen. Das Grossgemälde ist der klassischen Poya nachempfunden, der Bildstrecke eines Alpaufzuges. Die elf bemalten Tafeln verbinden das in die Berge gehörende Poya-Sujet mit der See-Bevölkerung von Estavayer. Die Protagonisten sind Fische. Sie sind ein Symbol für die Bewohner von Estavayer, die sich im lokalen Patois «Pertzets» nennen, also Fische. Die Fische ersetzen im Bild die Älpler der klassischen Poya-Tradition. Die Bilder stellen alltägliche Verrichtungen aus dem Leben der Bewohner des Broyebezirks und ihres Hauptortes Estavayer-le-Lac vor. Zugleich sprechen sie auch typische Bergler-Traditionen an–ein Fisch trägt zum Beispiel ein Alphorn auf den Schultern.

Kleine Frösche aus Kunststoff mit Kantonswappen an Brust und Rücken hängen seit Juni in den Strassen von Estavayer. Wie die anderen Kunstwerke entstanden auch sie in Gobios Atelier im Industriebezirk: Sie tragen Beinkleider aus Baumwolle, die Schwingerhosen nachempfunden sind, und Gobet hat sogar für jeden einen Armeegürtel aufgetrieben. Frösche sind die Wahrzeichen von Estavayer, das unter anderem bekannt ist für sein bald 90 Jahre altes Froschmuseum. Dessen Hauptattraktion: 108 ausgestopfte Frösche.

Weitere gut sichtbare Elemente des Gobet’schen Dekorationskonzepts sind acht Stahlfiguren, welche Hornusser darstellen sollen. «Sieben fangen, einer von ihnen schlägt ab», sagt Gobet und räumt ein, er habe sich erst intensiv mit den Regeln dieses Spiels auseinandersetzen müssen, er habe es zuvor nicht gekannt. Die im Boden eingelassenen Figuren stehen aneinandergereiht, in Abständen von rund 50 Metern, auf der Strasse nach Grandcour.

Ursprünglich waren es dicke Stahlstangen, die Spezialisten auf seine Idee hin zurechtgebogen haben, sagt Gobet. Nun stehen sie auf einer Terrasse mit Blick über dem See auf dem Boden von Albert Bachmann, seines Zeichens Präsident des Organisationskomitees des Eidgenössischen Schwingfestes. «Der Standort war rasch gefunden», erinnert sich Gobet, «wir mussten nicht gross fragen, ob wir seinen Grund und Boden brauchen dürfen.»

Was tun damit?

Rund 250 Stunden Arbeit hat Gobet nach eigenen Angaben in den Auftrag bisher gesteckt. Und nun, da fast alles steht? Was mit den Kunstinstallationen nach dem Schwingfest passiert, können die beiden nicht sagen. «Wir könnten die Poya sicher mal durch ein anderes Bild ersetzen», sinniert Gobet. Auch, weil die bemalten Holzplatten ständig dem Wetter ausgesetzt sind und andernfalls ständig erneuert werden müssten. Und die Stahlfiguren auf dem Grund und Boden des OK-Präsidenten? «Versteigern?», fragt Gobet den Syndic und zuckt mit den Achseln. Auf jeden Fall könne man die Holzschindeln entfernen und den Figuren Fahnen in die Hand stecken. So könnten sie eine neue Mission erfüllen, meint Gobet.

Zwei Schwingerfiguren in einem Schaukampf.Die Stahlhornusser entlang der Strasse nach Grandcour. An der Fassade gegenüber dem Rathaus hat Christian Gobet (links) eine Poya mit Fischen gemalt. Syndic André Losey (rechts) freut sich über den Ausblick aus seinem Büro. 

«Man muss investieren, ohne sicher zu sein, was man dafür zurückbekommt.»

André Losey

Gemeindepräsident Estavayer-le-Lac

«Wenn ich etwas sehe, macht es manchmal‹zack›,und es arbeitet oben in meinem Kopf.»

Christian Gobet

Künstler «Gobio»

Abstimmung: 148 000 Franken für viel Kosmetik

D ie Freiburger Gemeinde Estavayer-le-Lac, 2012 zum Standort des nächsten Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2016 gewählt, lässt sich diese Ehre etwas kosten. 2010 hatte sie im Hinblick auf die Wahl des Schwingfest-Standortes eine Defizitgarantie bis zu einer Höhe von 650 000 Franken übernommen. Der Generalrat sprach dann Anfang 2015 auf Antrag des Gemeinderates einen Investitionskredit in der Höhe von 148 000 Franken für die Dekoration der Stadt anlässlich des Schwingfestes. Der Künstler Christian Gobet wurde mit der Schaffung von insgesamt neun dekorativen Elementen beauftragt. Zu ihnen gehören unter anderem das Bildnis zweier Schwinger auf dem Kreisel Croix-de-Pierre, ein Holzbrunnen beim Migros, Blumendekors, das Modell eines Unspunnensteins bei der Festhalle La Prillaz und das Schwingfest-Logo am Brunnen am Ortseingang. Nach einer kurzen Diskussion und einigen wenigen kritischen Fragen nahm der Generalrat den Kredit mit 42 Stimmen gegen eine bei einer Enthaltung an. fca

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