Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Grenzsteine im Osten Freiburgs

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Drei Türme sind auf der einen Seite des Steins eingemeisselt, ein «D» auf der anderen Seite. Der Granitfindling aus dem Montblanc-Gebiet liegt an der Bernstrasse, etwas nach den letzten Hochhäusern des Freiburger Windigquartiers, Richtung Düdingen. 15 Mitglieder des Deutschen Geschichtsforschenden Vereins des Kantons Freiburg versammelten sich am Samstagnachmittag um diesen Stein. Sie trotzten dem Regen–mit gutem Schuhwerk und farbigen Regenschirmen.

Die Bannmeile

«Die Gletscher haben den Stein in die Region Freiburg getragen», sagte Historiker Jean-Pierre Anderegg; «es ist ein dauerhafter, währschafter Stein». Anderegg erklärte die Inschriften im Stein: Die drei Türme stehen für Freiburg, das «D» für Düdingen. Damit markiert der Grenzstein ab dem 18. Jahrhundert die Stadtgrenze. «Bis hierhin reichte das Hoheitsgebiet der Stadt Freiburg», sagte Anderegg; «dieses hörte nicht bei der Stadtmauer auf». Im Gebiet zwischen Stadtmauer und Grenzstein galt das Stadtrecht und damit auch der Schutz der Stadt; dieses Gebiet wurde Bannmeile oder Burgernziel genannt. Es diente als eine Art Pufferzone zwischen Stadtgebiet und Umland.

Auf einer dritten Seite des Steins ist die Zahl 22 eingemeisselt–es ist der Grenzstein Nummer 22, «und damit der letzte, der damals auf der Liste der Grenzsteine geführt wurde», sagte Jean-Pierre Anderegg. Stein Nummer eins liegt im Grandfey, bei der Auberge aux 4 Vents–also über die Saane hinweg in gerader Linie zum Stein Nummer 22.

In den 1840er-Jahren setzte die Grundbuchvermessung ein. Die Stadt Freiburg gehörte 1879 zu den letzten Gemeinden des Kantons, die einen Katasterplan erhielten. Neu begrenzten nun 64 Marchsteine das Territorium Freiburgs. Der alte Stein Nummer 22 konnte ausnahmsweise stehen bleiben. Auch der alte Stein Nummer 21 verschwand bei der Grundbuchvermessung nicht. Dorthin führte Anderegg die interessierte Gruppe am Samstag: Das verwitterte Kreuz aus Tuff steht am Eingang zum Weiler Uebewil. Die Zahl 1548 ist eingemeisselt–am regnerischen Nachmittag war die Zahl knapp erkennbar. «Tuff ist ungeeignet für Inschriften», kommentierte Jean-Pierre Anderegg. 1548 wurden auch in weiteren Gemeinden des Kantons Freiburg neue Marchsteine gesetzt. «Dieser Stein ist wohl einer der ältesten erhaltenen Grenzsteine der Schweiz.»

Das Tuffkreuz hat einen Zwillingsstein: An der Heiterastrasse steht in einem Privatgarten ein weiterer Grenzstein in Kreuzform aus dem Jahr 1548. «Die beiden Orte sind nicht zufällig gewählt worden», sagte Anderegg: Die heutige Uebewilstrasse sei die alte Bernstrasse, die Heiterastrasse sei eine wichtige Ausfallstrasse Richtung Thun gewesen.

Die Schwurhand

Auf der Rückseite des Kreuzes an der Strasse nach Uebewil ist ein Symbol zu erkennen: Eine Schwurhand, mit drei ausgestreckten und zwei angewinkelten Fingern. «Verbrecher, die aus der Stadt verbannt wurden, mussten auf den Stein stehen und schwören, nicht zurückzukommen, bis der Bann aufgehoben wird», sagte Anderegg. Sie durften nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Bannmeile um die Stadt nicht mehr betreten.

Wachstum: Neue Gemeindegebiete

D ie heutigen Grenzen der Gemeinde Freiburg entsprechen nicht mehr genau jenen, welche die Grenzsteine im 16. und noch im 18. Jahrhundert markiert haben (siehe Haupttext). Die Grenzen waren lange Zeit stabil. «Freiburg ist eines der kleinsten städtischen Gebiete der Schweiz», sagte Historiker Jean-Pierre Anderegg am Samstag. Städte wie Bern oder Zürich hätten ihr Gebiet durch Eingemeindungen ausgebreitet. In Freiburg sei dies nicht geschehen. «Erst als Unternehmen Boden für ihre Fabriken forderten – beispielsweise Cardinal – reagierte die Stadt.» So habe sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem sehr ländlich gebliebenen Villars-sur-Glâne die Perolles-Ebene abgekauft. Dieses Gebiet wurde zum wichtigsten Wachstumspol der Stadt, dank neuer Industrien und kollektivem Wohnungsbau. Auch von Granges-Paccot erhielt die Gemeinde Freiburg Land – für den grosszügig angelegten Friedhof St. Leonhard. njb

Mehr Informationen: «Freiburgs Bannmeile und Burgernziel. Von der Allmend zur Agglomeration» von Jean-Pierre Anderegg, im Freiburger Volkskalender 2014. «In der Stat und in den Zilen: Freiburgs Stadtbann, Burgernziel und Gemeindegrenze» von Jean-Pierre Anderegg, Freiburger Geschichtsblätter 92.

Mehr zum Thema