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«Die grosse Demonstration für Cardinal von 1996 ging mir durch Mark und Bein»

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Autor: Pascal Jäggi

«Das ist natürlich eine traurige Sache», sagt Dieter Zingg wehmütig. 22 Jahre war der Winterthurer Mitglied der Direktion von Cardinal, lange Jahre Direktor. Das Ende des Standortes Freiburg, wo heute zum letzten Mal die Flaschen abgefüllt werden, lässt ihn nicht kalt. Der Feldschlösschen-Direktion will er aber keinen Vorwurf machen. «Das war ein Befehl von oben, aus Kopenhagen», meint Zingg. Carlsberg und Heineken hätten den Biermarkt von ganz Europa unter sich aufgeteilt und ihre Standorte entsprechend gewählt, erklärt Zingg.

Die Konzentration der Standorte Freiburg, Rheinfelden und Strassburg (Kronenbourg) innerhalb der Carlsberg-Gruppe sei aber zu gross gewesen und hätte für Überkapazitäten gesorgt. «Dass Rheinfelden nicht geschlossen wird, war klar. Den Standort Strassburg braucht Carlsberg für den französischen Markt», so der ehemalige Direktor. Letztlich musste der kleinste der drei Standorte dran glauben.

Blütezeit in Achtzigerjahren

Viel lieber erinnert sich Dieter Zingg an die Zeiten zurück, als es Cardinal unter der Leitung der Sibra Holding noch richtig gut ging. 1981 kam der Winterthurer nach Freiburg, während einer wahren Blütezeit. Er relativiert den Vorwurf, dass die Sibra in den Achtzigerjahren in zu grossen Dimensionen gedacht habe. Dank des Bierkartells hatte die Sibra ihren Absatzmarkt, das Potenzial sei dagewesen. «Wir haben damals die modernste Anlage der Schweiz gebaut», erinnert sich Zingg. Zwei Brauer konnten die gesamte, automatisierte Produktion durchführen. «Theoretisch konnten wir bis zu einer Million Hektoliter Bier pro Jahr herstellen». Weil das alkoholfreie Moussy aber seit Ende der 80er-Jahre in Rheinfelden, in der zur Sibra gehörenden Salmenbrauerei, produziert wurde, fiel ein Teil der Produktion weg. «Wer weiss, wenn wir die erfolgreiche Moussy-Produktion nicht verlagert hätten, wäre der Standort heute vielleicht nicht am Ende», sinniert Zingg. Die Salmenbrauerei musste 2002 schliessen.

Erfolgreicher «Aufstand»

Sehr präsent ist bei Dieter Zingg noch immer das erfolgreiche Abwenden der drohenden Schliessung zwischen 1996 und 1998. Beeindruckend sei gewesen, wie alle hinter der Brauerei gestanden waren. «Als uns die Nachricht erreicht hat, kam der Staatsrat in corpore zum Gelände und hat uns seine Unterstützung zugesichert», so Zingg. Doch es sei nicht der Verdienst Einzelner gewesen. Alle waren dabei, ob Politiker, Bevölkerung oder Brauer. «Es kam uns sicher auch zugute, dass der Entscheid kurz vor den Wahlen gefallen war», sagt Zingg schmunzelnd.

Für ihn und seine Kollegen der Direktion sei die ganze Angelegenheit eine Gratwanderung gewesen. «Natürlich haben wir uns gegen die Schliessung gewehrt, aber wir hatten auch Verpflichtungen gegenüber der Feldschlösschen-Führung», sagt Dieter Zingg. Es sei wichtig gewesen, dass alles geordnet blieb. In Zürich, bei der Hürlimann-Brauerei, habe es Tumulte gegeben, was bei der Führung schlecht ankam. Das habe die Freiburger Direktion unbedingt verhindern wollen. Bei der Grossdemonstration und beim Zug nach Rheinfelden habe man darum aufgepasst, dass allfällige Randalierer zurückgehalten würden. So weit kam es nicht, dafür windet Zingg den Demonstrierenden noch heute ein Kränzchen. Die Demonstration selber sei «durch Mark und Bein» gegangen. 10 000 Sympathisanten zogen damals durch Freiburg. «Oberhalb der Cardinal-Unterführung hat ein Güterzug für uns sein Signal ertönen lassen, das war wirklich eindrücklich».

Zu vielem bereit

Bis zur Rücknahme des Entscheids 1998 lief hinter den Kulissen einiges. «Wir haben Pläne aufgestellt, und Berechnungen durchgeführt, um aufzuzeigen, dass sich eine Weiterführung des Standorts lohnt», erklärt Dieter Zingg. Spruchreif war bereits eine spezielle Massnahme, der die Mitarbeitenden zugestimmt hatten: «Alle Mitarbeiter haben sich bereit erklärt in einer Übergangsphase auf zehn Prozent des Lohnes zu verzichten. Das muss man sich mal vorstellen, da waren Familienväter mit dabei, deren Familien von dem einen Lohn abhängig waren», erzählt der Direktor. Trotz allen Schwierigkeiten sei in den ungewissen Jahren nie auch nur ein Teil der Produktion stillgestanden. «Durch die Weiterführung der Arbeit haben wir Feldschlösschen gezeigt, dass wir hinter dem Betrieb stehen.»

Der Niedergang der Brauerei war für Zingg aber im neuen Jahrtausend absehbar. Cardinal sei zu einem reinen Produktionsstandort geworden. Die Direktion und die Administration wurden nach Rheinfelden verlegt. Die Anzahl der Mitarbeiter sank kontinuierlich.

Aber auch in der Beizenszene und beim Konsumenten sei in den letzten Jahren die Loyalität zum Cardinal-Bier schwächer geworden, bemerkt Dieter Zingg. «In der Beiz ist das meistbestellte Bier das «Mir au» (gemeint ist, dass einer ein Bier bestellt und die anderen am Tisch «Mir au eis» sagen, Anm. d. Verf.) Wenn dieses in den Freiburger Beizen nicht mehr Cardinal ist, dann läuft etwas falsch», meint Zingg. In eine ähnliche Richtung geht für ihn die grossangelegte Werbekampagne der Bündner Heineken-Tochter Calanda für den Sommer am «Fribourg-Plage». Solche Dinge waren in den Achtzigern noch unmöglich, als das Bierkartell klare Grenzen setzte.

Am letzten Abfülltag will Dieter Zingg nicht mehr in «seine» Brauerei gehen. «Das wäre ja wie auf einer Beerdigung. Ich habe mich bereits von den Mitarbeitern und Cardinal in Freiburg verabschiedet», sagt er.

Dieter Zingg ist noch acht Jahre nach seiner Pensionierung eng mit Cardinal verbunden.Bild Aldo Ellena

Chronologie

223 Jahre Freiburger Braukunst am Ende

Die stolze Tradition von Cardinal begann im Jahr 1788 als François Piller mit dem Brauen begann. Etabliert wurde die Marke von Paul-Alcide Blancpain 1877. Den Namen Cardinal verdankt das Bier Gaspard Mermillod, der 1890 zum ersten Freiburger Kardinal ernannt wurde. 1906 zog die Brauerei an den heutigen Standort beim Bahnhof. 1970 schloss sich Cardinal mit anderen Brauereien zur Sibra Holding zusammen. Diese wurde 1992 von Feldschlösschen geschluckt. Nachdem die Schliessung des Standortes 1998 noch abgewendet wurde, blieben solche Versuche 2010 chancenlos. pj

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