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Die Hautfarbe bestimmt die Rolle

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Was für Rollen gibt es für schwarze Schauspielerinnen? Erstens wenige, und zweitens sind diese häufig mit negativen Klischees behaftet, wie das Buch «Noire n’est pas mon métier» auf eindrückliche Weise zeigt. Darin berichten 16 dunkelhäutige französische Schauspielerinnen in Essays, wie sie diese doppelte Diskriminierung und teils auch offenen Rassismus in ihrem Berufsalltag erleben. Als es vor knapp einem Jahr erschien, sorgte es sogleich für Aufsehen und hohe Verkaufszahlen – auch weil die Autorinnen an prominenter Stelle auf die Publikation aufmerksam machten: auf dem roten Teppich des Filmfestivals Cannes.

Eine dieser Autorinnen ist Magaajyia Silberfeld, eine ­junge Schauspielerin und Regisseurin aus Paris, Französin mit mütterlicherseits nigrischen und väterlicherseits ­belgischen und polnisch-jüdischen Wurzeln. Sie wurde vom Internationalen Filmfestival Freiburg (FIFF) eingeladen, zusammen mit ihren fünfzehn Mitstreiterinnen die diesjährige Parallelsektion «Entschlüsselt» zusammen­zustellen.

Breite Film-Auswahl

Entstanden ist eine Auswahl ganz unterschiedlicher Filme, deren Gemeinsamkeit einzig darin liegt, dass dunkelhäutige Schauspielerinnen und Schauspieler im Zentrum stehen: sei es direkt als Sujet eines Dokumentarfilms oder – was häufiger ist – als Hauptdarsteller in Spielfilmen, wo sie schöne, starke und stolze Figuren spielen.

Darunter finden sich Filme aus den USA und aus Europa ebenso wie aus afrikanischen Ländern, mit Produktionsjahren zwischen 1966 («La Noire de …») und 2017 («Get Out») sowie den verschiedensten Filmgenres zugehörig: vom Historienfilm («Belle») über romantische Dramen («Tilaï») und Sozialstudien («Rue Cases-Nègres») bis zum Horrorfilm («Get Out») reicht das Spektrum (Vorführungstermine siehe Kasten).

Dunkle Haut als Teil der Rolle

Im Gespräch mit den FN erläutert Magaajyia Silberfeld, wie sich ihre dunklere Hautfarbe in ihrer Arbeit als Schauspielerin auswirkt – oder besser: wie sich auf ihrer Hautfarbe beruhende Vorurteile und Gewohnheiten auswirken. «Zunächst einmal werde ich ganz einfach zu weniger Castings eingeladen als meine hellhäutigen Kollegen. Ihnen stehen deutlich mehr Rollen offen», sagt sie. Zwar hoffe sie, dass sich dies mit dem kürzlich erfolgten Wechsel der Agentin etwas ändern werde. Aber ihre Erfahrung zeigt, dass dies nicht einfach wird: «Wenn die Rolle einer Anwältin zu besetzen ist, dann ist klar, dass keine schwarze Darstellerin gesucht wird. Und falls doch, dann nur deshalb, weil der Hautfarbe in der Geschichte eine Bedeutung zukommt, weil die Hautfarbe der Schauspielerin einen dramaturgischen Zweck erfüllen muss.»

Damit spricht Silberfeld eine Form von Rassismus an, die sich weniger in herablassendem Verhalten zeigt als vielmehr in klischeehaften Erwartungen und Zuschreibungen: Dunkelhäutige Menschen werden allein aufgrund ihrer Hautfarbe bestimmten Mi­lieus zugerechnet, bei hellhäutigen Menschen geschieht dies jedoch fast nie. Dieser «nebulöse Rassismus» – wie die Initiatorin von «Noire n’est pas mon métier», Aïssa Maïga, ihn im Buch nennt – manifestiert sich mitunter dann, wenn eine Filmfigur anders aufgefasst wird, wenn sie von einem schwarzen statt einem weissen Darsteller gespielt wird: Plötzlich haftet der Figur beispielsweise die Bedeutung des «Unterprivilegierten» an, dessen Kindheit womöglich von Armut und Gewalt gezeichnet war, der keine gute Bildung erhielt, der sich durchkämpfen musste.

Gefangen in Klischees

Die dunkle Hautfarbe ist daher in vielen Fällen wesentlich dafür zuständig, wie die Zuschauer die Figur zu verstehen haben. Damit wird es dunkelhäutigen Schauspielerinnen aber praktisch verwehrt, Figuren zu spielen, die keine solche Assoziationen wecken sollen. Und viele der Rollen, die explizit für Schwarze vorgesehen sind, bestätigen und bestärken wiederum bloss die Vorurteile und Klischees.

«Um dies zu ändern, braucht es Gesetze zur Förderung der Diversität,» sagt Magaajyia Silberfeld und fordert Quoten wie in den USA oder die Vergabe von Film-Fördergeldern entsprechend der ethnischen Vielfalt der Darsteller. «So käme es gar niemandem mehr in den Sinn, ausschliesslich weisse Schauspieler zu einem Casting einzuladen.»

Mit seiner diesjährigen Parallelsektion «Entschlüsselt» unternimmt das FIFF jedenfalls den Versuch, auch vor der Leinwand etwas zu bewirken und den Blick der Zuschauer auf dunkelhäutige Filmfiguren von Klischees zu befreien.

Programm

Noch neun Filme in drei Tagen

Folgende Filme aus der ­Sektion «Entschlüsselt» sind bis Samstag noch zu sehen:

«La Noire de …» (Ousmane Sembène, Senegal, 1966): Do., 21.3., 12.30 Uhr.

«Daughters of the Dust» (Julie Dash, USA, 1991): Do., 21.3., 18 Uhr.

«Tilaï» (Idrissa Ouedraogo, Burkina Faso, 1990): Fr., 22.3., 12.30 Uhr.

«Al’lèèssi … Une actrice africaine» (Rahmatou Keïta, Niger, 2004): Fr., 22.3., 18.15 Uhr.

«Mandingo» (Richard ­Fleischer, USA, 1975): Fr., 22.3., 21.15 Uhr.

«Black Mic Mac» (Thomas Gilou, Frankreich, 1986): Sa., 23.3., 12.15 Uhr.

«Rue Cases-Nègres» (Euzhan Palcy, Frankreich, 1983): Sa., 23.3., 12.30 Uhr.

«Belle» (Amma Asante, Grossbritannien, 2013): Sa., 23.3., 19.30 Uhr.

«Get Out» (Jordan Peele, USA, 2017): Sa., 23.3., 21.45 Uhr.

cs

 

«Meinen hell­häutigen Kollegen stehen deutlich mehr Rollen offen.»

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