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Die Idee von der Gerechtigkeit

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«Ideen von heute und Ideen von gestern» Leserbrief in der FN-Ausgabe vom 9. April

In seinem Leserbrief in den FN vom 9. April vertritt Professor Othmar Keel die Ansicht, dass Recht und Gerechtigkeit oft Gegensätze sein können, ja dass man an zwei Beispielen aus der Geschichte, jenes der Hexenverfolgungen im Mittelalter und das der Judenverfolgungen im letzten Jahrhundert, sehen könne, dass das «Recht» die Gerechtigkeit mit Füssen tritt. Demzufolge könnte also auch das «Recht», das bei demokratischen Volksabstimmungen geschaffen wird (Verfassungsbestimmung) gegen das offenbar absolute moralische Prinzip der «Gerechtigkeit» verstossen.

Eine der grössten Errungenschaften unserer Zeit, die Übereinstimmung des «öffentlichen Rechts» (Verfassung, Gesetze) mit der «Gerechtigkeit» wird so infrage gestellt und dies anhand von Beispielen, bei denen aus sehr unterschiedlichen Gründen angenommen wurde, dass das damals geltende Recht nicht im Gegensatz zur Gerechtigkeit stehe. Die beiden Unwesen, das der Hexenverfolgung und das der Judenverfolgung ideell auf die gleiche Ebene zu stellen, scheint mir übrigens sehr fragwürdig.

Obwohl Herr Keel sagt, es gehe bei der Aufarbeitung der Vergangenheit nicht um die Verurteilung von Menschen, sondern von Ideen, kommt man nicht darum herum, an die Menschen zu denken, die diese Ideen vertraten, und die im Namen dieser Ideen die Verbrechen begingen. Im Falle der Hexenprozesse kommt übrigens die Hauptschuld nicht dem damaligen «Staat», sondern der Kirche zu. Deshalb hätte man im «Spiel» nicht den Staat, sondern die Kirche als «Schuldige» verurteilen müssen, denn sie hat jeweils, um sich rein zu halten, die Hexen dem «weltlichen Arm» zur Enthauptung oder Verbrennung übergeben.

Was mich an den Überlegungen von Herrn Keel auch etwas erstaunt, ist die Idee von der nach seiner Meinung unbedingten Notwendigkeit, vergangenes Unrecht immer wieder aus der Geschichtstruhe herauszunehmen, um uns gleichsam den Spiegel vorzuhalten, obwohl die heute lebenden Menschen für die Vergehen ihrer Ahnen keine Verantwortung übernehmen können. Von einem der besten Kenner des Alten Testamentes kann man das zwar begreifen, aber hat nicht ein gewisser Jesus dem wichtigen Grundsatz der Gerechtigkeit auch jenen der Nächstenliebe, das heisst auch des Verzeihens und Vergessens beigefügt?

«Man hätte nicht den Staat, sondern die Kirche verurteilen müssen, denn sie hat jeweils, um sich rein zu halten, die Hexen dem weltlichen Arm zur Enthauptung übergeben.»

 

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