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«Die Jugendlichen sind am Scharren und hoffen auf den Sommer»

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Das Jugendhaus Roxx hat einen Container aufgestellt, damit mehr Jugendliche Platz finden.
Charles Ellena

Das Corona-Jahr ist prägend und schwierig für Jugendliche, wie Jugendarbeiter aus Murten und Schmitten betonen. In Murten verzeichnet der Jugendtreff Roxx einen erhöhten Zulauf, weil es für viele Jugendlichen kaum Alternativen zum Elternhaus gibt. Deshalb steht neben dem Roxx nun noch ein Container.     

«Den Jugendlichen geht es nicht gut», sagt der Jugendarbeiter Martin Bula aus Murten. «Die Pandemie trifft sie sehr hart.» Er verzeichne deutlich mehr Jugendliche, die ins Jugendhaus Roxx in Murten kommen. «Der Winter war brutal: Ausgang war nicht möglich, der Sport gestrichen, also blieb nur noch das Jugendhaus.» Deshalb habe das Roxx einen Container neben das eigentliche Jugendhaus gestellt, «damit wir mehr Teenager aufnehmen können». 

In dem Container ist nicht viel: ein Töggelikasten, ein Sofa, ein Lautsprecher. «Doch sie sind glücklich damit, weil sie hier ohne Erwachsene zusammen sein können», sagt Martin Bula. Für Jugendliche in der Pubertät ist dies von grosser Bedeutung, daran sollten sich die Erwachsenen erinnern: «Kolleginnen und Kollegen zu treffen, ist essenziell für Teenager, es ist für sie das Wichtigste.» Seit März sei es zwar besser mit den Bestimmungen, weil sich mehr Jugendliche treffen dürften, doch es sei immer noch schwierig.

«Dumm, doof, blöd und mega langweilig»

Fünf junge Mädchen sitzen im Container und hören laut Musik. Sie tanzen, lachen und freuen sich, einen Raum für sich zu haben. Wie war das letzte Jahr für sie? «Dumm, doof, blöd und mega langweilig», antworten sie wie aus einem Munde auf die Frage. «Wir können fast nichts machen», sagt ein Mädchen. «Wir haben das Gefühl, etwas verpasst zu haben», so eine zweite Jugendliche. «Sie haben zu wenig an uns gedacht», sagt ein drittes Mädchen zu den Massnahmen von Bund und Kanton.

Weil die Eltern im Homeoffice sind, ist es oft keine Option, zu Hause einzelne Kollegen zu treffen. «Und was machen sie zu Hause? Sie sitzen vor dem Bildschirm», sagt Martin Bula. «Das haben wir jetzt so richtig gefördert.» Viele hätten es jedoch satt, ist der Jugendarbeiter überzeugt. «Sie wollen raus.» 

Im Container hat es neben einem Sofa und einem Lautsprecher auch einen Töggelikasten.
Charles Ellena

Martin Bula setzt sich seit 29 Jahren für die Jugend der Region Murten ein. «Es ist furchtbar für die Jugendarbeit, dass sich die Jugendlichen anmelden müssen.» Es sei das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollten: «Es sollte eigentlich ein niederschwelliges Angebot sein, bei dem die Herkunft nicht zählt, sondern nur das Verhalten», sagt der 61-Jährige. Ein so schwieriges Jahr habe er noch nie erlebt. Zwar sei das Expo.02-Jahr auch nicht einfach gewesen, «weil alle öffentlichen Plätze besetzt waren». Doch es sei kein Vergleich, «das vergangene Jahr ist für Jugendliche eine prägende Erfahrung». 

Austoben oder Anbändeln ist kaum möglich

Der Jugendarbeiter versetzt sich in die Lage seiner Schützlinge: «Keinen Sport treiben zu können, ist für viele ein grosses Problem, weil sie sich nirgends austoben können.» Auch einen Freund oder eine Freundin kennenzulernen oder schlicht anzubändeln, sei derzeit kaum möglich. Wie schwierig die Corona-Massnahmen tatsächlich für diese Generation sind, «ist in der Sicht der Erwachsenen wohl ein bisschen untergegangen». Sehr viele Beschäftigungen dieser Altersgruppe seien schlicht nicht möglich. Dennoch: Laut Martin Bula meistern die Jugendlichen die Situation recht gut. «Aber es reicht jetzt. Die Jugendlichen sind am Scharren und hoffen auf den Sommer.»

Dass seit zwei Wochen 15 Jugendliche zusammen sein dürfen, sei schon mal gut, «hoffentlich wird es bald noch freier». Doch das Hallenbad und das Kino bleiben vorerst zu. «Es lässt sich nicht alles nachholen, was diese Altersgruppe verpasst hat», betont der Jugendarbeiter.  

Im Jugendhaus Roxx in Murten können sich die Jugendlichen die Zeit auch mit Billard vertreiben.  
Charles Ellena

Stefan Fasel, Jugendarbeiter aus Schmitten, stellte im Verlauf des vergangenen Jahres fest, dass das Interesse von Jugendlichen an den Bundesrats-Entscheiden gestiegen ist. Auch machen sie laut Fasel erstaunlich gut mit. «Weil wir mit angebotsorientierten Anlässen fahren konnten, haben wir uns vermehrt darauf ausgerichtet.» Doch oft sei es nicht das, was die Jungen eigentlich suchten. «Sie waren aber motiviert, und wir haben an neuen Sitzgelegenheiten für den Aussenbereich gearbeitet.» So sollen im Frühjahr auf den Betonbänken Holzlatten montiert werden und zusätzliche Bänke dazukommen, sodass diese auch bei tiefen Temperaturen genutzt werden können. 

Stammgäste in Schmitten

Stefan Fasel ist seit 2019 Jugendarbeiter in Schmitten. Im Gegensatz zu Murten sei der Zulauf dort nicht grösser geworden im letzten Jahr. Es seien jedoch vermehrt dieselben Jugendlichen in den Treff gekommen, «wir hatten quasi Stammgäste». Ausser im Sommer 2020: «In der Ferienzeit hatten wir viel Zulauf.» 

«Ich habe mehr Zeit mit Corona als ohne erlebt in diesem Job», sagt der Jugendarbeiter. Seine Erfahrungen seien noch nicht sehr umfassend. Doch klar sei, dass junge Menschen generell an Freiheit verloren hätten, nicht zuletzt auch deshalb, weil Studentenjobs rar seien und es somit schwierig sei, Geld zu verdienen. Auch sei es kaum möglich, eine Freundin oder einen Freund kennenzulernen, ausser im Internet: «Die Dating-Plattformen sind deshalb offenbar sehr gefragt.»

Schliesslich steht für Stefan Fasel auch die Frage im Raum, wie es denn möglich sein soll, erste Erfahrungen mit Berührungen und Körperkontakt zu machen, wenn es nicht erlaubt sei. «Sie brauchen das, und es ist nichts Schlechtes. Aber im Moment ist es schwierig. Das ist sicher prägend für die Jugendlichen.» In der Pubertät entwickle sich das Schamgefühl, sagt Stefan Fasel. «Es geht dabei um die persönliche Integrität.»

«Nicht ernst genommen»

Auch für Stefan Fasel hat sich die Situation durch die Lockerungen seit Anfang März verbessert. Doch rückblickend und auch für die Zukunft ist für den Jugendarbeiter klar, dass es Verbesserungen braucht in der Zusammenarbeit mit den Behörden des Kantons: «Es war schwierig, uns Gehör zu verschaffen. Wir fühlen uns vom Kantonalen Führungsorgan nicht ernst genommen als Fachpersonen.» Die Jugendarbeit sei weder ein Sportverein noch eine Tanzgruppe und auch keine Schule: «Wir sind eine professionelle Anlaufstelle und haben einen Auftrag.» 

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