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Die Kirche zukunftsfähig machen

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«Ja, wir waren tatsächlich von Martin Luther inspiriert», sagt Max Küchler, ehemaliger Theologieprofessor an der Universität Freiburg. 500 Jahre ist es her, seit der Reformator seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben soll.

Die Tagsatzung Freiburg ging bei ihrer vorgestrigen Tagung sogar noch einen Schritt weiter: «Wir haben drei Thesen mehr als Luther formuliert», sagt Küchler. 98 Thesen waren es nämlich, die am Samstagmorgen an die Wände des Pfarreizentrums St. Paul im Freiburger Schönbergquartier angeschlagen wurden. Sie waren von Mitgliedern der Tagsatzung und Theologen aus der ganzen Schweiz verfasst worden und widmeten sich allesamt dem Motto des Anlasses: der Frage, wie die katholische Kirche zukunftsfähig wird. «Dass es gerade für heisse Eisen keine Denk- und Rede-Verbote mehr gibt», war etwa auf den bunten Zetteln zu lesen. Oder: «Die jesuanische Botschaft zielt nicht auf Dogmen und Kirchengesetze.»

«Die Ökumene stärken»

Die rund dreissig Anwesenden – ausschliesslich Deutsch­freiburger – diskutierten diese Thesen anschliessend den ganzen Tag hindurch, verteilt auf fünf Arbeitsgruppen. Die Ergebnisse dieser Gespräche fassten sie auf fünf Flipchart-Blättern zusammen, die zum Abschluss in einer Plenumsdiskussion unter der Leitung des Vorstandsmitglieds Bruno Weber-Gobet zusammengetragen wurden. Die dabei formulierten Kernforderungen sollen der Tagsatzung laut deren Präsidentin Piera Fleiner-Gerster als weitere Arbeitsgrundlage dienen und in bearbeiteter Form auch der Diözese präsentiert werden. Wem genau und in welcher Form steht laut Fleiner-Gerster allerdings noch nicht fest.

Gleichberechtigung

Die Anliegen der Tagsatzung zielen alle in die gleiche Richtung: eine Erneuerung der Kirche in einem immer säkularisierteren Umfeld. So wurde etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter in allen kirchlichen Bereichen gefordert. Das mittelalterliche, geradezu magische Verständnis von Priesterweihe sei reformbedürftig. Eine solche Anpassung würde auch die Ökumene stärken.

Weiter sollten die kirchlichen Strukturen stets im Dienst der Kirche stehen – und nicht umgekehrt. Die Synodalität – die kirchliche Selbstverwaltung – sei auf allen Strukturebenen zu stärken, wobei die Schweiz gerade hier auch international aufgrund ihrer bisherigen Kirchengeschichte ein Vorbild sein könne.

«Niederschwelligere Formen»

Weitere Forderungen betreffen die Liturgie. So soll sich die Gestaltung von Gottesdiensten an der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute orientieren – allerdings ohne die katholische Identität zu verleugnen. Es gelte, eine zeitgemässere Sprache zu sprechen und insgesamt niederschwelligere Gottesdienstformen zu kreieren.

«Die Kirche soll offen für alle sein», fasste es eine Tagungsteilnehmerin zusammen. «Jugendliche, Familien und Senioren sollen darin genau so Platz finden dürfen wie Menschen mit Behinderungen, Migranten sowie homosexuelle Mitchristen.»

Die Tagsatzung Freiburg

Ein Dialogforum für brennende Fragen des Kirchenalltags

Die Tagsatzung war in der Alten Eidgenossenschaft bis 1848 die Versammlung der Abgesandten der Orte und somit die Vorläuferin des heutigen Ständerats. 1987 schlug Leo Karrer, Freiburger Professor für Pastoraltheologie, erstmals eine moderne Tagsatzung als nationale Versammlung der Katholiken und als Dialogforum für brennende Fragen des Kirchenalltags vor.

Heute gibt es Tagsatzungen in den meisten Bistümern und seit vier Jahren auch in Deutsch­freiburg. Im Januar 2014 trat die Tagsatzung Freiburg in Düdingen erstmals mit einer Tagung zur Zukunft der Kirche an die Öffentlichkeit (die FN berichteten). Der Verein versteht sich laut eigenen Angaben als «eine Plattform für den Dialog über eine glaubwürdige und zukunftsfähige Kirche». Er «will zur Weiterentwicklung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils beitragen» und beschäftigt sich etwa mit der Rolle der Frauen und jungen Menschen in der Kirche, aber auch mit der Flüchtlingsfrage.

jcg

 

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