Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Konkurrenz in der Mitte ist gross

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Die Konkurrenz in der Mitte ist gross»

 

Sandro Arcioni, der Präsident der Freiburger BDP, tritt an der Generalversammlung diesen Herbst nach viereinhalb Jahren von seinem Amt zurück. Im Gespräch mit den FN zieht er Bilanz und versucht eine Standortbestimmung seiner Partei.

 

Wieso treten Sie zurück?

Wenn man einen Posten antritt, muss man wissen, wann man anfängt und wann man aufhört. Ich habe jene Politiker, die sich krampfhaft an die Macht klammern, nie verstanden. Alle meine ehrenamtlichen Mandate habe ich stets nach ein paar Jahren wieder abgegeben. Wenn man weiss, wann Schluss ist, kann man auch bewusst an der Zukunft mitbauen.

Und was tun Sie jetzt?

Ich werde mich vor allem auf meine berufliche Karriere konzentrieren.

Sie bleiben aber in der BDP.

Auf jeden Fall. Als ehemaliger Präsident stehe ich der Partei jederzeit zur Verfügung.

Als Ihr designierter Nachfolger gilt Anthony Jaria.

Es ist noch zu früh, um dies zu bestätigen. Er ist einer der Kandidaten. Ich bleibe da vorsichtig – auch, damit sich gewisse Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Sie sind Tessiner. Was sagen Sie zur Wahl von Ignazio Cassis in den Bundesrat?

Als Tessiner bin ich heute glücklich darüber, dass unser Kanton wieder einen Bundesrat hat. Wäre Jacques Bourgeois aber angetreten, dann hätte ich ihn unterstützt.

Hat denn das Tessin im Allgemeinen nicht genug Gewicht in Bundesbern?

Nein. Für viele liegen wir einfach irgendwo jenseits des Gotthards. Auch der Einfluss der Lega dei Ticinesi, der im Tessin immer noch gross ist, ist in Bundesbern geschwunden.

Wie kann die BDP eine rosige Zukunft haben?

Indem man versucht, auf die Stimme des Volkes zu hören und Dinge anders als die anderen zu machen. Diese Grundhaltung hat mich öfter auch mal in einen Gegensatz zum schweizerischen BDP-Präsidenten Martin Landolt gebracht. Beispielsweise wäre es bei der Abstimmung über die Autobahnvignette viel besser für uns gewesen, in die Opposition zu gehen, statt mit den grossen Parteien mitzulaufen. Ich sah einfach nicht ein, warum man plötzlich 100 Franken für die Vignette bezahlen muss. Das Gleiche gilt für die Gripen-Diskussion. Hier hätte die BDP den Lead übernehmen sollen. Es gibt viele solche Themen. Gerade als Mitte-Partei muss man sich dezidiert positionieren, damit man nicht untergeht. In der Wirtschaft nennt man dies ein Alleinstellungsmerkmal. Die Konkurrenz in der Mitte ist gross.

Welches könnte dieses Alleinstellungsmerkmal für die BDP sein?

Auf das Volk zu hören statt elitär zu sein. Leider beginnt das Problem schon bei unserem Parteinamen. Das deutsche «bürgerlich« und das französische «bourgeois» haben nicht die gleichen Konnotationen. Der Begriff «bourgeois» ist für das französische Ohr viel negativer belastet als sein deutsches Pendant. Es tönt nach elitärer Politik – für die ich eigentlich gar nicht stehen will.

Was ziehen Sie nach viereinhalb Jahren für eine Bilanz?

Unter meiner Präsidentschaft ist es uns durchaus gelungen, in den Medien und in der Öffentlichkeit fast gleichermassen präsent zu sein wie die grossen Parteien, obwohl unser Wähleranteil viel kleiner ist.

Sehen Sie Ihre Partei als Zünglein an der Waage?

Ja, das ist in der Tendenz sicher so. Die BDP ist allerdings nicht in allen Kantonen am gleichen Ort auf dem politischen Spektrum anzusiedeln. Im Wallis beispielsweise steht sie der CVP näher als in Freiburg, da die Walliser CVP auch rechter ist als die Christdemokraten in Freiburg.

Wie stehen Sie zur SVP?

Da gibt es ebenfalls grosse Unterschiede. In Bern und Graubünden, wo die BDP entstanden ist, setzt sie sich tatsächlich aus vielen ehemaligen Parteigängern der SVP zusammen. Das ist in Freiburg nicht so. Hier konnten wir vor allem Mitglieder rekrutieren, die vorher parteipolitisch überhaupt nicht aktiv waren.

Und wie sieht es mit der CVP aus? Bedauern Sie, dass Ihre Grossräte Susanne Aebischer und Linus Hayoz Anfang der letzten Legislatur zur CVP übersprangen?

Nein. Wie immer in solchen Fällen muss man das zur Kenntnis nehmen und dann die Situation neu beurteilen.

Wo sehen Sie gegenwärtig die grössten Herausforderungen für den Kanton Freiburg?

Einerseits beim Verkehr. Denn wenn sich die Automobilisten in der Stadt nicht mehr willkommen fühlen, werden sie zum Einkaufen auf die Agglomeration ausweichen – oder gleich auf die Nachbarkantone. Und darunter leidet auch das städtische Gewerbe. Eine weitere Priorität ist der wirklich katastrophale Zustand unseres Gesundheitssystems.

Böse Zungen behaupten, Sie hätten einen zu autoritären Führungsstil gepflegt.

Das stimmt überhaupt nicht. Kollegiale Entscheidungen waren mir immer sehr wichtig.

Zur Person

Ein ehemaliger Mittelstreckenläufer

Der 57-jährige Sandro Arcioni ist beruflich als CEO der Syslog Informatik AG im Freiburger Beaumont-Quartier tätig. Er lebt in Sorens, ist geschieden und hat keine Kinder. Arcioni ist nebenberuflich als Dozent und Autor tätig und betrieb früher viel Leichtathletik in den Disziplinen 400-Meter-, 800-Meter- und 1500-Meter-Lauf. Heute geht er lieber in die Berge, spielt Golf und fährt Ski.

jcg

 

 

Mehr zum Thema