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«Die Kraft kommt heute vom Fitness-Center»

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Autor: Matthias Fasel Und Frank Stettler

Dem Freiburger Werner Jakob steht ein stressiges Wochenende bevor. Um Sportlern und Zuschauern einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, wird der ehemalige Schwinger die meiste Zeit im Einteilungsbüro verbringen. Von Gang zu Gang wird er dort als technischer Leiter mit seinem Team versuchen, die Paarungen so anzusetzen, dass sie sportlich Sinn machen. «Dabei kann es mitunter hektisch zu und her gehen», sagt Jakob. Um sich auf die schwierige Aufgabe vorzubereiten, hat der Seeländer dieses Jahr besonders viele Schwinget besucht. «Über die Spitzenschwinger weiss ich bescheid. Aber an einem Eidgenössischen sind 282 Schwinger dabei. Da ist es wichtig zu wissen, mit wem man es zu tun hat, wenn man das Notenblatt vor der Nase hat.»

Werner Jakob, Sie haben in Frauenfeld die Aufsicht über die Einteilung der Gänge. Gut möglich, dass dies, wie so oft, auch am Wochenende zu Diskussionen führt. Eine undankbare Aufgabe?

Ich mache diese Arbeit gerne. Die Kritik stört mich nicht. Die Paarungen sollen jeweils vernünftig und für alle Beteiligten erklärbar sein. Ich versuche, stets faire Paarungen einzuteilen, damit keine Vorwürfe aufkommen, dass etwas zusammengewurstelt worden sei. Ob diese Aufgabe undankbar ist? Ich sage nein. Es gibt zwar immer wieder Schwinger, die ausrufen, und auf der Tribüne wissen es sowieso alle immer am besten. Aber das gehört in meinen Augen dazu. Ich bin ja selbst so, wenn ich auf der Tribüne sitze. Es ist doch schön, wenn etwas für Diskussionsstoff sorgt.

Die Einteilung kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Sie tragen also eine ziemliche Verantwortung.

Dazu muss man auch sagen, dass ich die Einteilung nicht alleine mache, sondern zusammen mit den fünf Teilverbands-Leitern. Wir sind eine gute Gruppe. Ich behaupte, dass es diesmal bei der Einteilung so wenig Diskussionen geben wird wie noch nie. Das Ziel von allen ist schliesslich, dass der beste Schwinger König wird. Aber es stimmt schon: In Frauenfeld gibt es keinen grossen Favoriten, sondern zehn potenzielle Sieger. Deshalb kann es durchaus auch so sein, dass sich der Glücklichste, der den richtigen Gegner zur richtigen Zeit gegenüber hat, am Ende durchsetzen wird.

Es gibt durchaus andere Varianten, in einem Wettkampf einen Sieger zu ermitteln. Im Tennis etwa gibt es Tableaus, die mit Hilfe des Rankings und letztlich durch das Los erstellt werden. Ist so etwas im Schwingsport denkbar?

Das wäre durchaus eine Idee. Dies ist allerdings nicht im Sinne der Schwinger. Wenn ich etwas ändern würde, dann wäre es die Zeitdauer der Feste. Von morgens um sechs bis abends um sechs ist schon lange. Aber die Organisatoren haben natürlich aus finanziellen Gründen kein Interesse daran, die Anlässe zeitlich zu straffen.

Schwingen ist eine sehr traditionsbewusste Sportart. Sind Änderungen überhaupt möglich?

Es ist schon relativ schwierig. Wirklich gravierende Änderungen müssen von der Abgeordnetenversammlung abgesegnet werden. Das Schwingervolk will vieles so beibehalten, wie es jetzt ist – und das ist auch gut so.

Inwiefern hat sich der Schwingsport in den letzten Jahren trotzdem gewandelt?

Auffällig ist, dass das Interesse der Medien stark zugenommen hat. Seit dem Eidgenössischen 2004 in Luzern wird plötzlich viel mehr über Schwingen berichtet.

Wie erklären Sie sich das?

Die Schweizer sind eben Patrioten. Das Heimatgefühl gewinnt wieder an Bedeutung und das Schwingen gehört dazu. Wo sonst sitzen Bankdirektor und Bergbauer nebeneinander und diskutieren angeregt? An einem Schwinget fühlt sich eben jeder gut aufgehoben.

Das gesteigerte Medieninteresse und der höhere Stellenwert des Sports dürften sich auch auf die Schwinger selbst auswirken. Wie hat sich der Alltag eines Schwingers verändert?

Der Sport an sich ist viel athletischer geworden. Die Kraft der Schwinger kommt heute nicht mehr in erster Linie vom Stall oder vom Bau, sondern aus dem Fitness-Center. Eine negative Folge der immer kräftigeren Athleten ist die Zunahme der Verletzungen.

Wie sieht es im finanziellen Bereich aus? Einige Schwinger haben ihr Arbeitspensum bereits reduziert …

Im Bereich des Sponsorings und der Werbung ist ein neues Reglement vorhanden. Dieses ist viel lockerer geworden. Die Schwinger müssen ihre Nebenverdienste einfach beim Verband anmelden.

Ist es möglich, dass es bald professionelle Schwinger geben wird?

Ich denke kaum, zumal viele Schwinger dies gar nicht wollen. Falls aber Jörg Abderhalden in Frauenfeld zum vierten Mal den Titel des Schwingerkönigs holt, müsste er wohl nicht mehr arbeiten, weil ihm alle noch mehr die Bude einrennen würden als ohnehin schon. Aber Millionär ist durch das Schwingen sicher noch keiner geworden.

Traditionell gehört zu einem Schwinget ein Gabentempel. Sind Preisgelder eine Alternative? Den Muni nimmt schliesslich keiner mehr mit nach Hau …

Es gibt Schwinger, die Preisgelder begrüssen würden, andere wiederum nicht. So haben bis auf Schwarzsee alle Bergfeste bereits Preisgelder eingeführt. Und die Geldpakete sind jeweils sicher nicht die letzten Preise, die vom Gabentempel verschwinden … Aber man darf nicht vergessen, dass die Feste von den gesponsorten Preisen leben. Es ist immer noch einfacher, eine Glocke gespendet zu bekommen, als einen Check über 1000 Franken.

Die gesamte Sportschweiz schaut am Wochenende nach Frauenfeld, um starke Männer im Sägemehl zu beobachten. Wie sieht es eigentlich mit den starken Frauen aus?

Ich war schon früh mit Frauen-Schwingen in Kontakt gekommen, war sogar beim ersten Fest in den 80er-Jahren vor Ort. Meine Schwester hat auch mitgeschwungen. Ganz ehrlich gesagt, haben wir damals schon ein bisschen gelacht. Später haben wir in Ried ein Frauen-Schwinget organisiert und prompt einen Rüffel des Zentralvorstandes kassiert. Heute können Frauen sogar am selben Ort schwingen wie die Männer. Technisch haben die Frauen das gleiche drauf wie die Männer, kein Thema. Manchen gefällt es, anderen halt weniger. Einen Boom wird es aber nie geben.

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