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Die Kritik des reinen Aushaltens

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Giovanna Riolo

Die beiden Autoren Walther Ziegler (Professor der Philosophie) und Rudolf Aichner (Organisationspsychologe) stellen viele grundsätzliche Fragen, analysieren mit scharfsinnigem Blick unsere Gesellschaft und kommen zum Schluss: Wir lösen unsere Probleme nicht mehr, wir versuchen nur noch, sie auszuhalten. Der Alltag stellt uns vor mannigfaltige Herausforderungen, die einer Lösung harren.

Die Zeit danach

Aber unsere Zeit gibt sich nicht mehr mit einer einzigen Wahrheit zufrieden, für aufgeklärte Zeitgenossen ist es immer und jederzeit zulässig, DIE Wahrheit für sich zu beanspruchen. Genau da möchten die Autoren einhaken, hier soll die Philosophie ihre aufklärerische Aufgabe wahrnehmen und «…die Menschen im Augenblick der Dekonstruktion aller Werte auf die Zeit danach (Zeit des Aushaltens?) vorbereiten.»

Nichts Unentdecktes mehr

Die Epoche der Veränderung hat ihren Zenit überschritten. Es hat keinen Platz mehr für Abenteurer, Entdecker und Erfinder, denn es gibt nichts Unentdecktes mehr auf unserem Planeten. Wir müssen uns damit abfinden, dass jeder Winkel dieser Erde erforscht, erobert und zusätzlich durch Satelliten überwacht ist. Der oft irreführende Fortschrittsglaube ist an sein vorläufiges Ende gekommen. Eine neue Herausforderung kommt auf uns zu: das Zeitalter des Aushaltens.

Opfer einer Konditionierung

Als Beispiel für diese These wird Pawlows Hund angeführt, das Tier, dank dem sein Besitzer die klassische Konditionierung entdeckte. Hat diese Entdeckung dazu geführt, dass der Mensch zu mehr Selbsterkenntnis fand und damit seine Souveränität und Freiheit bewahrte?

Nichts von alledem! Die Autoren zeigen plausibel auf, wie sich die Gesellschaft freiwillig in die Abhängigkeit begeben hat und somit Opfer einer Konditionierung geworden ist.

Man ist versucht, sich einem passenden Typus der über zehn angeführten Beispiele zuzuordnen. Doch wie immer man sich entscheidet, am Ende kann man sich nicht zweifelsfrei damit identifizieren. Geschickt werden am Schluss der Aufzeichnung möglicher Aushaltensmuster nur ansatzweise Lösungsvorschläge geboten, die helfen, unseren eigenen Weg zu finden.

Ein Blick auf die täglichen Schlagzeilen in Presse und Rundfunk zeigt deutlich, wie es um unser Befinden steht. Solange wir uns von nichtssagenden Berichten oder gar Analysen zur Wirtschaftslage und Globalisierungsstrategien von selbsternannten Fachleuten berieseln lassen, wird es uns unmöglich sein, aus dem reinen Aushalten auszubrechen.

Auf Werte besinnen

Walter Ziegler und Rudolf Aichner fordern auf, wieder selbständig zu denken, zu fühlen und zu handeln. Inspirationen, die beflügeln, wieder zuzulassen und sich auf Werte (alte wie neue) zu besinnen.

Beinahe lakonisch wirkt ihre abschliessende Bemerkung: «Wir haben unsere Welt so gebaut, wie sie heute ist. Wir geniessen ihre Errungenschaften und leiden unter deren Folgen. Wir sind Pawlow, und wir sind Pawlows Hund. Aber dieses Wissen lässt uns nicht in Ruhe . . . und das ist gut so.»

Eine kritische Lektüre, die sich fundiert und konsequent mit aktuellen Problemen unserer Gesellschaft befasst und mögliche Wege zur Lösung offen hält.

Walther Ziegler, Rudolf Aichner: Kritik des reinen Aushaltens. Gröbenzell: Aichner, 2009, 187 S.

Giovanna Riolo ist Leiterin der Deutschen Bibliothek in Freiburg mit Zuständigkeitsbereich Belletristik für Erwachsene und freischaffende Journalistin.

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