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«Die Leute denken anders»

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Marcel Magnin über den Einsatz von «Gelbmützen» in Bosnien

Ex-Jugoslawien beschäftigt die Schweizer sehr stark: Durch die Medienberichterstattung der verschiedenen Kriege in den letzten zehn Jahren, aber auch durch die Flüchtlinge, die, aus ihrer Heimat vertrieben, in der Schweiz landen.

Die Kirchgemeinde Merlach hat davon profitiert, dass jemand aus den eigenen Reihen an vorderster Front friedensfördernde Einsätze in Bosnien-Herzegowina miterlebt hatte und diese Erfahrungen nun weitergeben konnte.

Schlafen, arbeiten, essen, leben
und waschen in Containern

Marcel Magnin ist von Februar bis Juli 1999 Leiter des Schweizer «Gelbmützen»-Einsatzes gewesen. Die Schweizer Friedenssicherer sorgen für Land- und Lufttransporte, für den Postdienst, die medizinische Versorgung sowie für Reparatur und Unterhalt aller SFOR-Fahrzeuge. Die unbewaffneten Schweizer sind von Diensthunden bewacht. Sie schlafen, arbeiten, essen, leben, waschen in Containern. «Die Container fehlen mir daheim schon fast», lacht Marcel Magnin.

Unter der Leitung von Frankreich, Grossbritannien und den USA sind momentan 35000 Soldaten aus rund 30 Nationen in Bosnien-Herzegowina stationiert. Sie sollen Präsenz markieren und darüberwachen, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen den Frieden einhalten.
In den nächsten Wochen soll das Kontingent auf 20000 Soldaten reduziert werden. Langsam, aber sicher sollen die Einheimischen wieder Eigenverantwortung übernehmen. Die Leute brauchen Zukunftsperspektiven. So können sie selbst an einem Neuaufbau mitarbeiten, wie Oberst Marcel Magnin in seinem Vortrag ausführte.

Mafia-ähnliche Zustände
und latenter Rassenhass

Diesem Wunsch steht aber eines der Hauptprobleme in Bosnien-Herzegowina gegenüber. Im 4,1-Millionen-Einwohner-Land herrschen mafia-ähnliche Zustände. Einzelne Clans sind an der Macht, verwalten das Geld, kassieren «Steuern» ein. Sie zeigen wenig Respekt vor Menschenleben, nehmen dabei auch keine Rücksicht auf das Leben der eigenen Leute.

Mit dem Auto einen Mann überfahren? Macht nichts. Ein Huhn überfahren? Macht 60 Dollar Busse! «Die Leute dort denken und handeln anders», erklärt Marcel Magnin in seinem Vortrag. «Sie haben ein völlig anderes Demokratieverständnis als wir und sie begegnen Problemen schnell mit Gewalt.»
Es herrsche ein latenter Rassenhass unter vielen Serben, Bosniern und Kroaten, vergleichbar mit dem Judenhass im Dritten Reich Deutschlands, führte er aus.
Trotzdem hat der Einsatz vor Ort Oberst Magnins Verständnis für diese Leute gefördert:«Sie wachsen in einem Land auf, wo es viel Armut und Krieg gibt. Es gibt sicher viele unbescholtene Bürger.» Als Ausländer jedoch hingehen und einfach sagen, wie man es bei sich zu Hause macht, kann auch nicht die Lösung sein.
«Man muss Unternehmer und Vorarbeiter ausbilden, die das Land wirtschaftlich wieder vorwärts bringen. Mit solchen Perspektiven würden auch Flüchtlinge wieder ins Land zurückkehren wollen», führte Oberst Marcel Magnin aus. Aber zuerst müssen die vielen Minen aufgestöbert und weggeräumt werden. Während des Krieges, 1992-95, wurden eine Million Personen- und Panzerminen verlegt. Minen sind billige militärische Mittel, haben jedoch furchtbare Auswirkungen. Kaum ein Anwesen ist minenfrei, und das Entminen wird noch Jahrzehnte dauern.

Marcel Magnin

Der Instruktionsoffizier der Schweizer Armee wohnt in Merlach. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Seit anfangs 1999 ist der 54-Jährige Kommandant des Ausbildungszentrums für Friedenserhaltende Operationen. Davor war Oberst Marcel Magnin Schulkommandant der Fliegertruppen in Payerne.

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