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«Die Meinung zu sagen, braucht Mut»

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Autor: Nicole Jegerlehner

Sie haben sich immer wieder an den Stubentisch von Monika Bürge-Leu gesetzt und zusammen diskutiert: Silvana Wernli fragte, wie eine Kommission der Gemeinde funktioniert, wie sie in Sitzungen ihre Meinung einbringen kann, was in der Gemeindepolitik wichtig ist. Und Monika Bürger-Leu hörte zu, erklärte, gab Ratschläge – und lernte selber viel von Silvana Wernli.

Die beiden haben sich nicht einfach so getroffen, sondern formen ein Tandem: Sie nehmen am Projekt «Politische Partizipation von Migrantinnen» teil, welches der Christliche Friedensdienst auf die Beine gestellt hat (siehe Kasten).

«Will selber aktiv werden»

Silvana Wernli kam vor neun Jahren aus Argentinien in die Schweiz; seitdem wohnt sie in Wünnewil-Flamatt. Sie hat zwei Kinder und lernte so vor dem Schulhaus andere Mütter kennen. Einmal sprach eine Mutter sie an: Ob sie sich in der Integrationskommission der Gemeinde engagieren wolle? Sie sagte zu – «ohne genau zu wissen, was das für eine Kommission ist», wie die 33-Jährige lachend sagt. Ihr Partizipationshunger sei gross: Sie möchte ihr Umfeld mitgestalten und bei Entscheidungen mitreden. «Ich will selber aktiv werden und nicht darauf warten, dass andere meine Probleme lösen.»

Silvana Wernli sagte also Ja zur Kommission – und war erleichtert, als sie das Tandem-Projekt entdeckte. «Ich war froh um eine Begleitperson, die mir die politischen Strukturen erklärte.» Monika Bürge-Leu konnte in der Tat die politischen Abläufe und Prozesse bestens erklären: Die 53-jährige Anwältin und Mediatorin war von 1998 bis 2001 Gemeinderätin in Wünnewil-Flamatt, hat während fünf Jahren die Schulkommission der Orientierungsschule geleitet und sich im Vorstand der CVP-Ortspartei engagiert. «Ich schaufle Silvana nicht den Weg frei», sagt Monika Bürge-Leu. «Sie hat ganz viel selber unternommen.» Die Treffen seien ein Austausch, an dem aufkommende Fragen beantwortet würden und der bisherige Weg reflektiert werde. «Wir sprechen darüber, wie Silvana sich optimal einbringen kann.» Dabei geht es auch darum, wie sie sich auf eine gute Art durchsetzen und mit unerwartetem Widerspruch umgehen kann.

«Integration ist ein Prozess»

Silvana Wernli hat in Argentinien Kommunikationswissenschaften studiert, jetzt arbeitet sie im Detailhandel. «Die Integration ist ein Prozess», sagt sie. Am Anfang habe sie die Sprache erlernen, eine Arbeit finden und das Familienleben organisieren müssen. Doch jetzt habe sie sich eingelebt und möchte sich am politischen Leben der Schweiz beteiligen. «Seine eigene Meinung zu sagen, braucht aber Mut.» Zu Beginn denke man als Migrantin, gar nicht das Recht zu haben, über die Schweizer Politik zu sprechen.

Konkrete Ideen

Silvana Wernli, die seit gut zwei Jahren Schweizerin ist, hat konkrete Ideen, was sie erreichen möchte. So möchte sie dazu beitragen, dass es in Wünnewil-Flamatt ein ausserschulisches Betreuungsangebot gibt, damit die Kinder vor und nach der Schule betreut sind, wenn ihre Eltern arbeiten. Und sie will sich beruflich weiterentwickeln.

Monika Bürge-Leu sagt, sie habe selber von den Treffen profitiert. Und sie erkannt, dass selbst gut ausgebildete Ausländerinnen Hürden bewältigen müssen, um ihre Kompetenzen einbringen zu können.

Das Projekt des Christlichen Friedensdiensts ist offiziell zu Ende. «Meine Türe steht aber offen, wenn Silvana Fragen hat», sagt Monika Bürge-Leu. Und so sitzen sie auch jetzt noch hin und wieder an Monika Bürge-Leus Stubentisch.

Silvana Wernli (links) diskutiert mit Monika Bürge-Leu an deren Stubentisch in Wünnewil.Bild Charles Ellena

Das Projekt: Mentorinnen begleiten Migrantinnen

Menschen, die in der Schweiz leben, sollen die Möglichkeit haben, sich in Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen: Das ist die Grundidee hinter dem Pilotprojekt «Teilnehmen – Teilhaben: Politisches Mentoring mit Migrantinnen» des Christlichen Friedensdienstes.

Unsicherheiten, Ängste und mangelnde Informationen hindern aber Migrantinnen und Migranten oftmals, sich am gesellschaftlichen und politischen Leben zu beteiligen. Im Projekt begleiten Schweizerinnen deshalb Migrantinnen, um diese Hürden abzubauen. Zudem besuchen die Migrantinnen mehrere Workshops zu politischer Bildung, Sitzungsleitung, Rhetorik und öffentlichem Auftreten. Gleichzeitig will das Projekt Vereine, Institutionen und Behörden für das Thema sensibilisieren. Die Pilotphase wurde abgeschlossen, nun soll das Projekt in eine zweite Phase treten. njb

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