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Die Musik des Leidens

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Die Musik des Leidens

Freiburg hat eine kleine, aber feine Blues-Szene – zum Beispiel in Kevin’s Bar in Belfaux

«Der Blues ist eine ganz einfache und gleichzeitig sehr schwierige Musik», sagen alle, die bereits Blues gespielt haben. Wer vom Blues infiziert ist, der findet in und um Freiburg eine kleine, aber gleichzeitig sehr lebendige Szene.

Von URS HAENNI

Hinten hängt ein Saxophon, vorne links, unter dem steinernen Rundbogen des alten Kellergewölbes, stehen ein Piano und eine Orgel, davor ein kleiner Verstärker. Mit geschlossenen Augen spielt Bonny B. die Harmonika, begleitet bloss von einem stattlichen Bassisten, welcher zu seinem geschickten Fingerspiel stets den Kopf hin und her wiegt. «So long», stöhnt Bonnys Stimme. Melancholie, missglückte Liebschaften, das Leiden, gleichzeitig auch Lebenskraft.

Von hinter der Theke meldet sich Kevin. «The Boss», wie er auf einem Foto an der Wand genannt wird. «Wir haben einen Schlagzeuger hier.» Bonny B. bittet diesen auf die Bühne und sagt: «Bienvenu dans notre monde.»

«Notre monde» – das ist für Bonny B. der Blues, so wie er ihn an jenem Mittwoch in Kevin’s Bar unterhalb des Restaurants «Du Mouton» in Belfaux spielt. Mittwoch ist Blues-Nacht in Kevin’s Bar, und es ist der Blues, wie er im schwarzen Amerika gespielt wird. Den Blues auf der Bühne zu spielen, das bedeutet «Jam Session». B.B. King lädt alljährlich zur Jam Session beim Jazz-Festival Montreux; Bonny B. tut dies ebenso selbstverständlich mit seiner Bluesharp in Kevin’s Bar. Jeden Mittwoch. Er lädt den einen oder anderen Musikerkollegen ein, und der Rest ist Improvisation.

Satchmo, oder doch nicht?

Das Musiklokal in Belfaux ist Anziehungspunkt für Musiker geworden, und wer Lust hat mitzuspielen, der ist auf der Bühne herzlich willkommen. Raphael setzt sich mit einer Gitarre auf einen Lautsprecher, Céline tritt von ihrem Tisch auf die Bühne und singt «Ain’t no Sunshine», und Bonny bittet den Boss Kevin, die Jammenden zu begleiten. «Soll ich Gitarre oder Piano spielen?», fragt Kevin. Er setzt sich ans Piano. «Bienvenu dans le monde du Blues!»

Eine bodenlos tiefe Stimme erfüllt den Raum: «I see trees of green, red roses too; I see them bloom from me and you; And I think to myself, what a wonderful world!». Schliesst man die Augen, so denkt man, Louis Armstrong stünde unten im Kellergewölbe; schaut man aber auf die Bühne, so sieht man einen zierlich wirkenden jungen Mann im weissen Hemd, mit schwarzem Haar und feinen asiatischen Gesichtszügen. Bonny B.

«Killing fields» statt «cotton fields»

Bonny B., 31-jährig, wurde, so sagt er, während des Krieges zur Zeit des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha geboren. Das Lebensnotwendige war dort den Bewohnern vorenthalten, in einem See zu fischen war lebensgefährlich. Der Diktator veranstaltete unter der kambodschanischen Bevölkerung eine Menschenjagd. «Es war verboten, intelligent zu sein», sagt Bonny B. «Und mein Vater war Professor.»

Die Familie floh nach Thailand in ein Lager, wo sich drei schweizerische Ordensschwestern um sie kümmerten. Sie halfen der Familie vor 25 Jahren, in die Schweiz zu kommen.
Bonny B. sagt, er wisse, was Leiden heisse. Psychisch wie physisch leide er heute noch unter den Folgen des Pol-Pot-Regimes.

Aus dem Leiden des versklavten schwarzen Volkes ist vor langer Zeit der Blues entstanden. Der Blues hatte seinen Ursprung in den unmenschlichen «cotton fields». Bonny hingegen erzählt von den kambodschanischen «killing fields». Zufall? «Ich kann es mir auch nicht erklären», sagt Bonny B. «Ich war einfach angezogen vom Blues.»

Glücklich und unglücklich zugleich

Englisch konnte er noch nicht, als er zum Leidwesen der Nachbarn mit 13 oder 14 Jahren in einer Blockwohnung im Schönberg-Quartier mit Verstärker und Lautsprecher leidenschaftlich die Stimmen von Muddy Waters und John Lee Hooker zu übertönen versuchte. So verwürgt er heute den amerikanischen «R» wie ein Schwarzer, und die Vokale trifft er mit der gleichen Stimmlage wie die Chicago-Blueser.

«Blues ist eine Methode, um zugleich glücklich und unglücklich zu sein», sagt der Musiker. «In der Musik spricht mein Herz. Da ist man sich selber mit all seinen Fehlern. Da kann man nicht lügen.»

Für den Blues brauche es Lebenserfahrung, ist Bonny B. überzeugt. Als er mit 15 erstmals den Blues spielte, da habe er noch gar nicht gewusst, was Blues überhaupt sei. Er lernte den Blues erst durch zahlreiche Kontakte kennen. Wegweisend sei für ihn gewesen, als er 1998 in Chicago erstmals Buddy Guy begegnete.
Der Freiburger Blueser bringt eine Ausbildung als Confiseur-Patissier mit, doch die Musik ist für ihn immer wichtiger geworden. Er gibt heute Unterricht und hat seine eigene Band. Früher seien es 50 bis 80 Konzerte im Jahr gewesen, heute 100 bis 110.

Auf der Bühne alt werden

Für Bonny ist Blues nur auf der Bühne echt: «Der Blues, das ist ein Dialog mit dem Publikum. Man versucht, das Herz der Leute zu berühren.»

Das Ziel der Konzerte sei es,
möglichst viele Leute zu treffen: «Ich gebe lieber eine Million Konzerte,
als dass ich eine Million CDs verkaufe.»

Wenn Bonny B. an die Zukunft denkt, dann redet er nur vom Blues. Er möchte jene Musik nie aufgeben, die er so sehr liebt. Und wieder spricht er über Muddy Waters, BB. King, John Lee Hooker: «Jeder gute Blues-Musiker ist auf der Bühne alt geworden.»

Bonny’s got the Blues

Bald wird eine neue Freiburger Blues-CD in den Läden zu kaufen sein. Vor wenigen Wochen hat Bonny B. im Studio von Dom Torsch in Belfaux seine dritte CD «I got the Blues» aufgenommen. Sobald der Vertrag mit einer Vertriebsfirma unterzeichnet ist, ist das Stück zu kaufen. Mit der «Bonny B. Blues Band» (Michel Chanmongkhon, Salvatore Lombardo, Florian Bertschy, Markus Baumer, Dom Torsch) hat Bonny B. 13 Songs aufgenommen, die ihren Ursprung in den Fünfzigerjahren haben. Es sind Adaptationen von Blues-Grössen wie Muddy Waters, Ottis Rush, Lucky Peterson oder Albert King, denen die Band ein modernes Kleid verpasst hat.

Bonny B. geht dabei zurück zu seinen musikalischen Wurzeln. Seine ersten beiden Alben hatten zwar autobiographische Anstriche (z. B. «Cambodia»), musikalisch kehrt er aber erst jetzt zu jenem
Sound zurück, der ihn zum Blues gebracht hat. Wie Bonny B. sagt, steht die Qualität der Musiker im Vordergrund. Man habe das Album im Studio fast live eingespielt und kaum Retouchen daran vorgenommen.
Ideen für CD hegen auch Little JC und Kevin Flynn. Kevin Flynn denkt an eine Best-of-CD der «Tickets» (die gab es bis jetzt erst auf Vinyl), und Little JC träumt von einer CD als One-Man-Band. uh
Harte Bandagen

Man stelle sich die Situation vor: Ein amerikanischer Blues-Könner spielt in der Bar «Cintra» in Freiburg. Little JC will sich den Auftritt nicht entgehen lassen. Neben dem Amerikaner jammt aber bereits Bonny B. mit seiner Bluesharp. Das will sich Little JC, dem Bonny B. kurz zuvor den Schlagzeuger abgeworben hat, nicht bieten lassen, und er nimmt ebenfalls die Harmonika hervor. Die beiden Freiburger Blues-Harmonisten liefern sich ein Duell um die Gunst des Publikums, bis Dom Torsch, der Produzent von Bonny B., am Mischpult Little JCs Kanal herunterdrosselt.

So beschreibt es Little JC. Bonny B. dagegen sagt:

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