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«Die Narben sind wieder verheilt»

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Das letzte Kapitel in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Käsereigenossenschaft Jaun und Umgebung trägt den Titel «Was lange währt, wird endlich gut». So abgedroschen diese Redewendung sein mag, auf die neue Käserei in Jaun trifft sie voll und ganz zu. Der schwierige Werdegang war denn auch an der Einweihungsfeier vom Samstag sehr präsent. Schliesslich ging es um das finanziell grösste Projekt, das die rund 20  Milchproduzenten aus Jaun und Abländschen je realisiert haben. «Wäre es gescheitert, hätte dies katastrophale Auswirkungen gehabt», sagte Michael Cottier, Präsident der Käsereigenossenschaft Jaun.

Uneinig über das Wo und Wie

Die Leidensgeschichte der Milchproduzenten dauerte mehr als vier Jahre. Zwischen 2014 und 2016 hat die Genossenschaft diverse Projekte für eine neue Käserei diskutiert. Die Uneinigkeiten über das Wo und Wie führten fast zum Zerwürfnis in der Käsereigenossenschaft. Dabei drängte die Zeit: Der frühere Käser war weg, und die Milch wurde ab dem 1. Januar 2015 in Charmey verarbeitet. Dabei hatte die Sortenorganisation Gruyère AOP den Landwirten nur eine Übergangsfrist gewährt, in der sie ihre Milch in diese Käserei liefern durften. Wäre sie dann nicht wieder in Jaun verarbeitet worden, hätten sie die Lieferrechte für die AOP-Milch verloren (die FN berichteten). «Für viele Betriebe hätte das wohl der Ruin bedeutet», so Michael Cottier. «Wir standen am Abgrund.» Die Narben seien nun mit der neuen Käserei wieder verheilt. Doch habe die Genossenschaft noch eine schwere Bürde zu tragen. Die Landwirte seien das Risiko für sich eingegangen, vor allem aber für ihre Nachkommen.

Dass das Käsereiprojekt doch noch eine Erfolgsgeschichte wurde, verdankt die Genossenschaft Hanspeter Bellorini. Der Finanzexperte aus Alterswil war durch Vermittlung des damaligen Sensler Oberamtmannes ins Spiel gekommen. Er habe zwar keine Ahnung von Käsereien gehabt, wusste jedoch, wie man Businesspläne erstellt, Bauprojekte plant und vor allem Leute überzeugt. Seine direkte und unverblümte Art drang zu den Landwirten durch. Er einte sie und arbeitete mit ihnen ein Projekt aus, hinter dem alle stehen konnten. Die Finanzierung sei das grösste Problem gewesen, führte er aus. Die 6,5 Millionen-Franken hätten die Bergbauern niemals allein aufbringen können. Sie stemmten eine halbe Million Franken Eigenmittel, der Rest kam über zinslose Investitionskredite, Subventionen, Bankkredite, Beiträge der Gemeinden Jaun und Saanen sowie vom Verein Alpinfra und der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. «Ich kann Ihnen sagen, es war eine grosse Erleichterung, als uns diese ihre Hilfe zugesagt haben. Der Rest war Zugabe», fasste Bellorini die neunmonatigen Bauarbeiten ab Juli 2017 zusammen. Er betonte, dass die Käserei mit drei Millionen Franken Wertschöpfung pro Jahr und ihren sechs Arbeitsplätzen auch für die Wirtschaft im Bergdorf wichtig sei: «Umgerechnet auf Zürich würde dies 5000 Arbeitsplätzen entsprechen», so der Präsident der Baukommission.

«Wenn man gemeinsam etwas macht, kann man viel erreichen», gratulierte Barbla Graf, Geschäftsleiterin der Schweizer Patenschaft der Berggemeinden, den Jaunern zu ihrem Werk. Stellvertretend für die Gönner dieser Organisation weilten Vertreter der Gemeinden Langnau am Albis und Uitikon unter den Gästen. Ammann Jean-Claude Schuwey dankte für die Unterstützung und liess durchblicken, dass es wohl nicht das letzte Mal sei, dass Jaun bei der Patenschaft anklopft. Er erinnerte auch an den zweite Grund zum Feiern: den Abschluss des grossen Wasserversorgungsprojekts. In den letzten zehn Jahren hat Jaun für rund vier Millionen Franken praktisch alle Leitungen ersetzt und die Pumpstationen und Reservoirs saniert.

Jubiläum

Käserei gestern und heute

Zum 100-Jahr-Jubiläum der Käsereigenossenschaft Jaun und Umgebung hat Werner Schuwey eine Festschrift verfasst, die die wichtigsten Schritte in der Geschichte der Genossenschaft aufzeigt. Heute liefern 20 Bauern aus Jaun, Im Fang und Abländschen jährlich 2,16 Millionen Liter Milch an Käser Jean-Jacques Clément, dies zu einem Milchpreis von 85  Rappen. Zum Vergleich: 1915/16 kaufte die Schokoladenfabrik Cailler in Broc die Milch der Jauner: 85 810 Liter zu einem Preis von 18,5  Rappen. Im 80-seitigen Büchlein werden die Betriebe porträtiert, die zur Käsereigenossenschaft gehören.

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