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«Die Natur wird sich stets anpassen – für den Menschen ist das schwieriger»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Eine alte Bauernweisheit besagt: Was der Juli nicht siedet, kann der August nicht braten. Doch was, wenn der Juli schon am Braten ist? Die zwei Freiburger Landwirte Vitus Schafer und Wyssa Thomas erzählen von Erfahrungen mit dem Klima, Problemen der Gegenwart und Chancen der Zukunft.

Schafe mögen Hitze nicht

Seit 28 Jahren arbeitet Vitus Schafer als Landwirt und führt seit 2013 den Bio-Bauernhof zusammen mit seiner Tochter Martina, mit der er eine Generationengemeinschaft gegründet hat. Die Perioden, in denen Hitze herrscht oder Niederschlag fällt, scheinen heute länger anzudauern. Dies bemerkt auch Schafer: «Wenn die Ernte reif ist, müssen wir schnell reagieren.» Sobald der erste Niederschlag falle, herrsche meist über mehrere Tage schlechtes Wetter. Danach müsse der Weizen oder der Dinkel wieder trocknen, damit er geerntet werden könne. «Unsere Produktion verzögert sich dann meist um mehrere Tage.» Auch der Zeitpunkt der Ernte habe sich durch die frühe Wärme nach vorne verschoben, so ernte der Betrieb zwei bis drei Wochen früher als in den vorherigen Jahren.

Neben dem Ackerbau werden auf dem Hof 175 Milchschafe gehalten. Direkt neben dem Haus schlafen sie seelenruhig in einem Unterstand, ein Schaf neben dem anderen. Ein grosser Ventilator bläst ihnen frische Luft in den Stall. «Die Mutterschafe vertragen die Hitze nicht sehr gut. Heutzutage können wir sie erst zwischen acht und neun Uhr abends auf die Weide lassen, davor ist es draussen noch zu heiss für sie», erklärt Schafer.

Die Wärme ist aber auch ein gern gesehener Gast auf dem Bio-Bauernhof von Schafer: Da Vater und Tochter keine chemischen Düngemittel verwenden, sondern mit organisch gebundenem Stickstoff arbeiten, benötigt der Boden mehr Wärme, damit die natürlichen Bakterien gut arbeiten können.

Der Bauernhof in Alterswil befindet sich auf 840 Metern über Meer. Gewisse Kulturen waren früher für diese Höhe ungeeignet, weil ein zu kühles Klima herrschte. «Da die Temperatur auch bei uns angestiegen ist, haben wir nun die Chance, dass Weizen, Dinkel und Kartoffeln auch hier gut wachsen», sagt Schafer.

Umgang mit Hitze gewohnt

Thomas Wyssa, Gemeindepräsident von Galmiz, arbeitet seit 37 Jahren als Gemüsebauer. Wie Schafer bemerke er ebenfalls die langen Phasen an Hitze und Niederschlägen. «Am 4. August hat es hier innerhalb von 10 Minuten ganze 15 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel geschüttet. Die Erde und das Gemüse sind mit einer solchen Menge an Wasser überfordert», sagt Wyssa. Der Gemüsegrossproduzent begegnet dem Klimawandel aber mit Gleichmut. Wetter­extreme seien keine neue Erscheinung, betont er. Er habe mit seinem Bauernhof schon mehrere extreme Jahre erlebt. «1976 und 2003 waren unglaublich trocken und heiss. Doch muss man als Landwirt mit solchen Ausnahmeerscheinungen rechnen.» Ihm habe das heisse Wetter bisher vor allem Vorteile gebracht, so schössen auf seinem Betrieb die Salatköpfe in Rekordzeit aus dem Boden. «Wir setzen jede Woche Salat. Plötzlich waren in einer Woche ganze drei Serien bereit und wir hatten ein Überangebot an Salatköpfen», erzählt Wyssa.

Innovationen für die Zukunft

Die 23 verschiedenen Gemüsesorten, die Wyssa auf seinem Betrieb anpflanzt, seien relativ resistent gegenüber den Klimaveränderungen. Doch er räumt ein, dass das Gemüse im Gewächshaus momentan unter saunaähnlichen Verhältnissen wachse. «Heisser darf es nicht mehr werden, denn die Obergrenze der Temperatur im Gewächshaus ist momentan erreicht», erklärt Wyssa. Damit das Gemüse auch weiterreichende Hitzewellen überleben könne, brauche es Innovationen. Vorsorglich hat Wyssa darum in Belgien ein Gewächshaus besucht, das klimatisiert ist. «Damit könnten wir die Temperatur senken und das gute Gedeihen des Gemüses unterstützen.»

Markt steht Klima gegenüber

Anton Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve in Posieux, ist sich der Herausforderungen bewusst, denen die Bauern gegenüberstehen. «Der Markt verlangt stets die gleiche Qualität. Die Bauern stehen unter grossem Druck, diese unter erschwerten Bedingungen zu erreichen.» Lehmann bestätigt die Beobachtungen der Bauern: «Auf die lange Zeitspanne einer Trockenheit folgt oft eine längere Phase von Niederschlägen. Die schlechte Verteilung von beidem macht den Bauern oft einen Strich durch die Rechnung», erklärt Lehmann. Durch die grosse Menge Regenwasser besteht die Gefahr der Erosion, denn die fruchtbarste Bodenschicht, die sich zu oberst befindet, könne während den Starkniederschlägen weggeschwemmt werden. «Ein grosses Ärgernis, besonders für Gemüsebauern.» Für die Viehhalter sei dies weniger problematisch, betrifft aber das Futter, das sie bei anderen Bauern zukaufen.

Wasserzufuhr sichern

Zusammen mit den Bauern will das Landwirtschaftliche Institut nun das Projekt der Bewässerungsgesellschaft Cressier-Jeuss realisieren, erklärt Nicolas Linder, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut und zuständig für Ackerbau und Bewässerung. «Die Landwirte bezogen bisher Wasser von der Bibera, deren Restwassermenge in den letzten trockenen Jahren jedoch oft nicht mehr für eine Wasserentnahme reichte.» Deshalb soll mit der neuen Bewässerungsanlage über mehrere Kilometer Wasser aus dem Schiffenensee gepumpt werden. Unterirdisch würden Leitungen verlegt, die das Wasser gezielt an den Feldrand bringen. Linder gibt an, dass ein Teil des Leitungsbaus bereits realisiert und die Bewässerungsanlage ab 2018 einsetzbar sei.

Wettrennen gegen die Zeit

Auch wenn der Klimawandel kleinere Vorteile bringt, sorgt sich Biobauer Schafer, dass die Reaktion des Menschen nicht schnell genug sein wird. «Das Problem des Klimawandels ist, dass sich alles so schnell verändert», sagt Schafer. «Die Natur wird immer einen Weg finden. Es ist der Mensch, der in Bedrängnis gerät.»

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