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«Die Opfer brauchen viel Zeit»

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Am Wochenende ging im Vatikan die inter­natio­nale Kinderschutzkonferenz zu Ende – der sogenannte «Missbrauchsgipfel». Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, nimmt im Interview dezidiert Stellung zu dieser heiklen Thematik.

Wie beurteilen Sie diesen «Missbrauchsgipfel» in Rom?

Charles Morerod: Es ist gut, dass dieses Treffen stattgefunden hat, auch, um ein gemeinsames Bewusstsein für das Thema zu fördern. Denn die Situation präsentiert sich in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich.

Was sagen Sie zum dort präsentierten 21-Punkte-Plan des Papstes?

Diese Punkte betreffen die nötigen Massnahmen seitens der kirchlichen Autoritäten, die Kontrolle dieser Massnahmen, die Zusammenarbeit mit der weltlichen Justiz sowie mit den Medien. Es handelt sich um gute Vorschläge, und ich bin überrascht, dass ein grosser Teil der Forderungen dieses Plans in der Schweiz bereits umgesetzt ist.

Sind Sie zufrieden mit dem Auftreten des Papstes?

Er hat seine Sorgen bezüglich dieser Fragen demonstriert – und ebenso seinen Willen, das Bewusstsein für das Problem in der Kirche zu fördern.

Kritisiert wurde, dass der Papst und die Bischöfe nur unter sich diskutierten. Was sagen Sie dazu?

Es waren auch einige andere Personen dabei: Eine nigerianische Schwester und eine mexikanische Journalistin hielten sehr starke Reden. Aber dass der Papst die Präsidenten der Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt versammelt hat, war an sich schon sinnvoll.

Ein anderer Kritikpunkt war, dass der Missbrauch an Frauen und Nonnen nur am Rande ein Thema war.

Das Ziel dieses Anlasses war, über den Missbrauch von Minderjährigen zu reden. Gewiss werden auch Erwachsene missbraucht, was sehr schwerwiegend ist, aber die Thematik ist ein wenig anders. Missbrauch von Nonnen wiederum ist ein Problem für sich, sehr schwerwiegend und leider in gewissen Ländern nicht selten.

Wie schlimm ist das Missbrauchsproblem in der Gesamtkirche?

Ein Teil des Problems besteht darin, dass man über die Situation in gewissen Ländern nichts weiss. Die nigerianische Geistliche, die bei diesem Treffen dabei war, hat die Kultur des Schweigens in Afrika bezüglich dieses Themas kritisiert. Das Problem ist vor allem dort weit verbreitet, wo der Klerus einen privilegierten sozia­len Status hat. Genau in diesen Fällen werden die Affären verheimlicht.

Und wie ist es im Kanton Freiburg?

Die Fälle, mit denen ich konfrontiert war, reichen fast alle mehr als 40 Jahre zurück. Sie zeigen, wie das soziale Gewicht der Kirche bis zu den 1970er-Jahren Missbrauchsfälle begünstigt hat: mit gleichzeitigem Machtmissbrauch und Schweigen von Zeugen. Dieses soziale Gewicht ist mehr oder weniger verschwunden – wobei dieses Verschwinden durch die Skandale noch beschleunigt wurde. Darin sehe ich allerdings eine Wohltat für die Kirche und die Gesellschaft. Dass diese Fälle so weit zurückliegen, beruhigt mich trotzdem nicht gänzlich, auch weil die Opfer manchmal viel Zeit brauchen, bis sie über die Vorfälle reden können.

Welche Rolle spielt der Zölibat in diesem Zusammenhang?

Diese Frage müsste man Psychologen oder Sexologen stellen. Ich habe dies mehrere Male gemacht, und diese Spezialisten tendieren dazu, keinen direkten Zusammenhang zu sehen. Wenn etwa jemand pädophil ist, wird er auch durch eine Heirat nicht davon geheilt.

Was kann man gegen dieses Problem tun?

Wir bieten Präventionskurse für die Menschen an, welche für die Kirche arbeiten – zusammen mit der nichtkirchlichen Vereinigung Espas. Ich ermutige Missbrauchsopfer seit Jahren, mit der Polizei da­rüber zu sprechen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

«Die Spezialisten tendieren dazu, keinen direkten Zusammenhang zu sehen. Wenn jemand pädophil ist, wird er auch durch eine Heirat nicht davon geheilt.»

Rückblick

Dem Missbrauch den Kampf angesagt

Papst Franziskus hat die Kirche zum kompromisslosen Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen aufgerufen. Zum Abschluss eines viertägigen Gipfeltreffens mit Kirchenoberen aus rund 130  Ländern sagte der Papst am Sonntag im Vatikan: «Kein Missbrauch darf jemals mehr vertuscht werden, wie dies in der Vergangenheit üblich war.» Er wiederholte seine Zusage, dass die Kirche keine Mühe scheuen werde, alles zu tun, um Missbrauchstäter der Justiz zu übergeben. Die Kirche brauche einen «Mentalitätswechsel», so der Papst. Er wies auch auf den Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Macht hin.

kath.ch

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