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Die Parteizentralen entscheiden, dass in Freiburg alles beim Alten bleibt

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Wer auf eine Wiederwahl des Sozialdemokraten Christian Levrat und des Christdemokraten Beat Vonlanthen in den Ständerat wettet, wird kaum das grosse Geld machen. Er geht aber auch kein Risiko ein. Nichts deutet heute darauf hin, dass das Freiburger Stimmvolk in einem halben Jahr an der gut harmonierenden Freiburger Vertretung im Stöckli etwas ändern will. Levrat zeigt auch nach vier Legislaturen in Bern, davon zwei im Ständerat, und im zwölften Jahr als SP-Parteipräsident kaum Ermüdungserscheinungen. Und Beat Vonlanthen bewies etwa mit Vorstössen für das Freiburger Pharmamodell in den Pflegeheimen und für das Institut für Föderalismus, dass er ein zuverlässiger Interessenvertreter Freiburgs ist.

 

Die Herausforderer von Levrat und Vonlanthen mögen zwar anders heissen als vor vier Jahren, mehr Gewicht haben aber Johanna Gapany (FDP), Gerhard Andrey (Grüne), Ralph Ale­xander Schmid (GLP) und wahrscheinlich auch Pierre-André Page (SVP) nicht. Es dürfte ihnen allenfalls gelingen, einen zweiten Wahlgang am 10. November zu erreichen, und wenn sie Grösse zeigen, werden sie wegen Aussichtslosigkeit darauf verzichten.

 

Schon etwas abgezockter muss sein, wer sein Geld bei den Wahlen für die Freiburger Nationalräte verwetten will. Auch da präsentiert sich die Ausgangslage auf den ersten Blick relativ simpel. Sechs von sieben Freiburger Nationalrätinnen und Na­tio­nal­räten treten wieder an, und der Anspruch der CVP, den frei werdenden Sitz von Dominique de Buman zu verteidigen, wird auf den ersten Blick kaum infrage gestellt. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass die Sitzverteilung der Freiburger Vertretung mit zwei CVP-, zwei SP-, zwei SVP- und einem FDP-Sitz keineswegs in Stein gemeisselt ist.

Dafür hat die CVP bereits vor dem eigentlichen Start der Wahlkampagne gleich selber gesorgt. Über Wochen liess die Partei offen, ob sie entgegen den Statuten de Buman ein Hintertürchen für eine fünfte Amtszeit offenlassen wollte. So zeigte sie Nervosität und wenig Vertrauen in den eigenen Nachwuchs. Als dann die Frage geklärt war, zeigte sich der designierte Nachfolger Eric Collomb pikiert, weil ihm de Buman nicht mit einem vorzeitigen Rücktritt zum Status eines «Bisherigen» verhelfen wollte. So tritt die CVP ohne eigentliche Lokomotive an, dafür mit zwei Senslern als Favoriten auf der Liste: Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach und der ehemalige Grossratspräsident Bruno Boschung.

Die SP erhofft sich insgeheim, den vor vier Jahren verlorenen dritten Sitz wieder zurückzuholen. Die Voraussetzungen dafür sind aber nicht besonders günstig. Die SP kann nämlich nicht mehr auf den mittlerweile in den Staatsrat gewählten Jean-François Steiert zählen, der 2015 von allen Freiburger Kandidierenden am meisten Stimmen holte. Zudem überzeugten die beiden amtierenden Nationalrätinnen Valérie Piller Carrard und Ursula Schneider Schüttel bei bisherigen Wahlen nicht: Piller Carrard sicherte sich vor vier Jahren ihren Sitz nur um wenige Stimmen und erlitt bei den Ersatzwahlen in den Staatsrat eine Schlappe, Ursula Schneider Schüttel rutschte zwei Mal erst nachträglich in den Nationalrat. Somit steigt auch die SP ohne richtige Lokomotive ins Rennen.

Ein dritter linker Sitz ist jedenfalls eher den Grünen zuzutrauen als den Sozialdemokraten. Die derzeit herrschende Klimadebatte könnte ihnen Rückenwind geben, wie dies mit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 vor der Wahl von Marie Garnier in den Staatsrat der Fall war. Doch die Grünen sind – mit ihrem Wähleranteil von 4,1 Prozent bei den Wahlen von 2015 – auf eine geeinte Linke angewiesen. Davon kann derzeit kaum die Rede sein. Zu tief sind die Gräben immer noch nach den Ergänzungswahlen in den Staatsrat von 2018. Für die Grünen ist die SP mitverantwortlich dafür, dass ihre Grossrätin Sylvie Bonvin-Sansonnens wegen der SP-Kandidatur von Valérie Piller Carrard damals nicht in die Kantonsregierung gewählt wurde. Bonvin hat nun für die eidgenössischen Wahlen die Lust am Kandidieren verloren.

 

Kaum Sorgen müssen sich die SVP und die FDP um ihre Sitze machen. Die SVP hat mit dem Gewerbepräsidenten Jean-François Rime und die FDP mit dem Bauerndirektor Jacques Bourgeois zwei Schwergewichte, die für die nötige Anzahl Stimmen sorgen werden. Die SVP hat zudem mit Pierre-André Page einen gemässigten stillen Schaffer, dem zuzutrauen ist, in seinem Stammgebiet im Süden des Kantons einer auf den Sensebezirk ausgerichteten CVP-Liste Stimmen abzuknöpfen. Auf der SVP-Liste dürfte sogar der politisch unerfahrene Flavio Bortoluzzi zahlreiche Stimmen sammeln, allein schon weil er der Sohn des SVP-Urgesteins Toni Bortoluzzi ist. Mehr ist aber weder der SVP noch der FDP zuzutrauen. Die SVP kämpft national gegen einen Abwärtstrend und setzt weiterhin nicht auf Frauen. Die FDP tut sich nach Jahren des Aufschwungs schwer, sich in der Klimadebatte zu positionieren.

 

Bleiben also die kleinen Listen und die noch offenen Listenverbindungen, welche für eine Sitzveränderung das Zünglein an der Waage spielen könnten. Die CVP zählt wie vor vier Jahren auf vier Listen ihrer Jungpartei. Das brachte ihr damals zusätzliche 2,7 Prozent. Eine ähnliche Strategie verfolgt die SP. Mit je einer Liste der Juso, der Senioren, der Migranten und der Auslandschweizer versucht sie, Wähler zu binden, die sich sonst von niemandem vertreten sehen. Und mit Erwin Jutzet hat die Liste «SP 60+» gar einen ehemaligen Nationalrat in ihren Reihen. Die Wirkung des Jutzet-Effekts ist indessen nur sehr schwer abzuschätzen. Entscheidend dürfte viel eher sein, mit wem die Grünliberalen eine Listenverbindung eingehen. Mit ihrem Wähleranteil von zuletzt 2,6 Prozent und einer Jungliste hat die GLP aber wohl nur dann einen Einfluss, wenn sie sich der CVP-Liste anschliesst.

Und genau das ist die wahrscheinlichste Variante. Beide Kantonalvorstände haben von ihren Versammlungen die Kompetenz zu einer Listenverbindung erhalten. Die Parteizentralen der beiden Mitteparteien schauen die ganze Landkarte an, um zu bestimmen, wo wem eine Listenverbindung nützt. So könnte die CVP der GLP in umkämpften Deutschschweizer Kantonen helfen, einen Sitz zu gewinnen, während die GLP der Freiburger CVP ihre zwei Sitze sichert. Auf einen Nenner gebracht: In Zürich oder in Bern wird womöglich entschieden, dass in Freiburg alles beim Alten bleibt.

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