Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Die Primarschule ist keine Insel»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Abteilungsleiter Gabriel Schneuwly verlässt die Pädagogische Hochschule Freiburg

Autor: Mit GABRIEL SCHNEUWLY sprach JEAN-LUC BRÜLHART

Im Juni haben zum zweiten Mal Abgänger der Pädagogischen Hochschule ein Diplom entgegengenommen. Hat sich die PH nach Ihren Vorstellungen entwickelt?

Ich bin sehr zufrieden, denn es ist uns gelungen, ein innovatives Konzept umzusetzen. Ich denke da zum Beispiel an die Ateliertage der angehenden Lehrpersonen mit Dozenten und Praxisausbildnern, an neue Beurteilungsformen für unsere Studenten und nicht zuletzt auch an die gelebte Zweisprachigkeit an der Pädagogischen Hochschule PH. Wir hatten auch das Glück, dass die Nachfrage immer vorhanden war. Die letzten beiden Jahre mussten wir sogar Studienplatzbeschränkungen vornehmen.Zu den Erfolgen zählt auch die gesamtschweizerische Anerkennung des Diploms, das gleichzeitig einem Bachelor of Arts entspricht.

Mit der Zweisprachigkeit hebt sich die PH Freiburg von den anderen Pädagogischen Hochschulen ab.

Die Deutsche und die Französische Abteilung verfügen über ein gemeinsames Ausbildungskonzept. An der PH sind die Traditionen der deutschsprachigen und der frankofonen Pädagogik zu einem eigenständigen Konzept verwoben worden – europaweit existieren sie wahrscheinlich sonst nur nebeneinander. Ein zweisprachiges Studium ist in der Lehrerbildung besonders anspruchsvoll, da Lehrpersonen eine Rolle als Kulturvermittler zu spielen haben. Wir hoffen, dass die PH-Abgänger in Bezug auf die Offenheit gegenüber der anderen Sprachgemeinschaft Multiplikatoren sind.

In der Vergangenheit gab es jeweils Zeiten von Lehrermangel und -überfluss. Wie ist die Situation heute?

Die Situation für PH-Abgänger ist recht gut. Ich stelle aber fest, dass der Lehrerberuf für Männer ein Attraktivitätsproblem hat. Weshalb das so ist, kann ich nicht so einfach beantworten. Grundsätzlich ergreifen aber Männer viel seltener so- ziale und erzieherische Berufe. Und in der Vergangenheit kam es beim Lehrerberuf zu einer Verlagerung vom Fachlichen zum Erzieherischen.

Primarlehrer werden also selten. Was wird dagegen unternommen?

Ich muss leider feststellen, dass auf Ebene der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz diese Entwicklung zwar thematisiert worden ist, aber keine griffigen Massnahmen gefolgt sind. Meines Wissens nimmt auch der Anteil Männer an den Gymnasien ab. Und über diesen Weg gelangen die meisten Studierenden an die PH. In meiner Wohngemeinde Wünnewil waren letztes Jahr von zehn Sekundarschul-Abgängern, die ins Kollegium gingen, neun Frauen.

Welches sind weitere Herausforderungen, die auf die Schule zukommen?

Die Schule ist ein Abbild der Gesellschaft und keine Insel. Sie widerspiegelt deshalb Probleme, Widersprüche und Entwicklungen in der Gesellschaft. Da sind zum Beispiel die verschiedenen Erziehungsmodelle: Weil heute nicht selten beide Elternteile arbeiten oder das Kind nur bei einem Elternteil lebt, müssen die Tagesstrukturen verstärkt werden. Ich denke da an die Einführung von Tagesschulen und Angeboten in den Randzeiten. Die Schule wird sich auch je länger, je mehr mit Wertfragen beschäftigen müssen. Wegen der vermehrten Interkulturalität stehen enorme Integrationsaufgaben an. Und die Einführung des zweiten Kindergartenjahres wird die PH sicher auch inhaltlich beschäftigen.

Wie sieht es mit dem Fremdsprachen-Unterricht in der Primarschule aus?

Das ist ein weiteres, zentrales Thema. Neben dem Französisch steht auch das Englisch in der Primarschule vor der Einführung. Damit verbunden natürlich auch die Frage, wie die PH das in die Ausbildung integriert. Nicht vergessen dürfen wir die neuen Technologien, die einen differenzierteren Unterricht zulassen.

Integration, Fremdsprachen, Informatik: Da kommt einiges auf die Schule und die Lehrpersonen zu.

In der Tat. Dies hat zur Folge, dass wir die Rolle des Primarlehrers als Generalist hinterfragen müssen. Eine Person kann alle diese Themen- und Fachgebiete nicht alleine bewältigen. Die Schule der Zukunft wird also stärker ein Team benötigen, in dem Lehrpersonen mit unterschiedlichen Profilen sich ergänzen. In der Realität ist es ja heute schon so, dass zum Beispiel der Unterricht von Fächern zwischen den Lehrpersonen abgetauscht wird. Man kann aber auch sagen, dass gerade diese Vielfalt den Beruf spannend macht. Lehrpersonen haben einen grossen Gestaltungsspielraum und heute auch vermehrt berufliche Entwicklungsperspektiven.

Innerhalb kurzer Zeit verlassen drei von vier Mitgliedern des Direktionsrates die PH. Wie wird die Institution diese Wechsel auffangen?

Man muss sehen, dass die Pionierphase nun abgeschlossen ist. Der Einsatz war hoch, gewisse Ermüdungserscheinungen sind nicht zu leugnen und ein Wechsel bietet auch neue Chancen. Wir haben aber frühzeitig nach Interimslösungen für eine Übergangszeit bis zu neuen Festanstellungen gesucht. Nach fünf Jahren PH ist zudem eine gewisse Kontinuität da und die Stabilität hängt nicht nur mit der Leitung zusammen. Wir haben hochmotivierte Dozenten und Mitarbeiter, die ihren Teil beitragen. Zudem erwarte ich von der Erziehungsdirektion, dass sie die PH gerade in dieser Zeit unterstützt.

Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot sprach von strukturellen Problemen.

Auf struktureller Ebene gibt es ein Problem mit der Kumulierung von Funktionen, z. B. Rektor und Abteilungsleiter. Es ist aber auch so, dass die Rolle des Direktionsrats von den verschiedenen Akteuren nicht gleich interpretiert worden ist. Man arbeitet nun auf eine Gesetzesänderung hin. Ich hoffe, dass dies sorgfältig geschieht, denn das Führungsmodell, welches der Gesetzgeber 1999 der PH verschrieben hat, beinhaltet auch sehr wertvolle und innovative Elemente.

Mehr zum Thema