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«Die Reichen sind die Armen von damals»

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Regisseur, Autor und Darsteller Carlos Iglesias am Openair-Kino Murten

Autor: Mit CARLOS IGLESIAS sprach URS HAENNI

Was war der Anstoss für den Film «Un Franco, 14 Pesetas»?

Es war der Moment gekommen, wo so viele nach Spanien zurückgekommen sind. Wir Spanier waren Emigranten, haben es aber schon vergessen: Vier Millionen Spanier wanderten in zehn Jahren nach Deutschland, Frankreich, Holland oder in die Schweiz. Heute sind wir gegenüber Einwanderern viel kälter als die Schweizer oder Deutschen damals. Das tut weh.

Ist es ein Film gegen das Vergessen?

Das kann sein. Er ist aber ganz anders als die normalen Migrations-Filme. Alle bisherigen Filme zeigten arme Migranten, waren dramatisch. Es gibt aber auch die andere Migration.

Es ist Ihre eigene Geschichte?

Ich habe viel von meiner Familie erfahren. Aber ich habe während zwei Sommer mit 58 Familien gesprochen, auch mit Italienern. Das einzige Schlechte, das ich erfahre habe, war die Sprache und das Wetter. So viel Schnee, und die Spanier konnten nicht spielen damit. Sie hatten keine Ski. Und dann dieses Schweizerdeutsch, das ist so kompliziert. Viele Spanier sind 35 Jahre geblieben und sprechen so Schweizerdeutsch, wie ich nach einem Monat.

Sind Sie nicht in der Schweiz geboren?

Nein. Wie das Kind im Film kam ich mit 5 Jahren in die Schweiz und ging mit 11 Jahren zurück. Mit 17 Jahren gaben mir meine Eltern einen Pass. Ich kaufte ein Interrail-Billett und reiste gleich in die Schweiz nach Uzwil.

Sie filmten eine Schweiz vor 40 Jahren. War es nicht schwierig, dies zu filmen?

Überhaupt nicht. In diesem Teil des Landes, speziell in Appenzell, hat sich nicht so viel verändert. In Uzwil drehten wir sogar in der Wohnung, die meine Familie früher gemietet hatte. In Spanien war das Drehen viel schwieriger; es hat sich dort viel mehr verändert.

Wie schreibt man ein Drehbuch, bei dem man ein schweizerisches und spanisches Publikum im Kopf hat?

Ich habe niemals für ein spezielles Publikum geschrieben. Ich schrieb, was ich erzählen musste. Ich habe es auch für meinen Sohn und meine Tochter gemacht, damit sie verstehen, was ich erlebt hatte. Aber der Film wurde nun an 39 Festivals gezeigt, in Australien, Indien, Dänemark und der Sahara, und er hat 28 Preise erhalten. Ich dachte, es sei meine Geschichte, aber alle haben sie verstanden.

Ist Migration etwas so Universelles?

Migration hat es immer gegeben. Das Thema ist immer gleich, nur die Länder, die wechseln. Aus der Schweiz ist man vor zwei Jahrhunderten ja auch ausgewandert. Die neuen Reichen von jetzt, das sind die Armen von damals.

Hat das Schweizer Publikum Ihren Film anders aufgenommen als das spanische?

Nur in kleinen Dingen. Zum Beispiel, wenn zwei Schweizer Soldaten mit Gewehr im Zug sitzen, ist das ganz normal für einen Schweizer. Aber ein Spanier erwartet, dass nun etwas Schlimmes passiert. Doch als Touristen kennen die Spanier die Schweiz heute gut.

Hat Ihr Film schon etwas bewirkt?

Ja. Junge Spanier haben mir gesagt, sie hätten das Thema noch nie aus der Perspektive gesehen, dass auch sie Emigranten waren. Andere haben gesagt, sie verstünden jetzt besser, wie einsam Emigranten sein können.

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