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Die Schonzeit ist vorüber

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Ruedi Schläfli, seines Zeichens selbst ein ehemaliger Kranzschwinger, fungiert seit 2008 als technischer Leiter des Südwestschweizer Teilverbandes. Nach Frauenfeld 2010 sowie Burgdorf 2013 führt er die Westschweizer im August des nächsten Jahres zum dritten Mal an ein Eidgenössisches. In Estavayer-le-Lac werden die Freiburger Schwinger das Heimrecht geniessen. Im Interview mit den FN spricht Schläfli über die Entwicklung im Schwingsport, die Lage im Südwestschweizer Verband, die Chancen der Freiburger und den Druck, der 2016 auf den Gastgebern lasten wird.

 

 Ruedi Schläfli, die Saison der Freiburger wird am Sonntag mit dem Kantonalen Fest in Matran gleich so richtig lanciert–gut so?

Eigentlich bräuchte es schon zwei bis drei regionale Feste in den Beinen, um in einen Wettkampfrhythmus zu kommen. Ideal ist der Kalender deshalb nicht, um in eine Kranzfestsaison ohne grossen Wettkampf zuvor einzusteigen. Aber die Ausgangslage ist für alle die gleiche, und wir nehmen es so, wie es ist.

 

 Mit welchen Schwingern wird in diesem Jahr zu rechnen sein?

In den letzten Monaten hat sich in den Trainings eine zehnköpfige Gruppe mit Jungs herauskristallisiert, die etwas erreichen wollen. Diese Gruppe von Schwingern will einen Schritt nach vorne machen. Sie verfügen über die nötige Postur und den Willen dazu. Das letztjährige Kilchberg-Schwinget war resultatmässig eine absolute Enttäuschung (Red.: die Südwestschweizer klassierten sich ausnahmslos in den letzten Rängen), da gibt es nichts zu diskutieren. Gleichzeitig hat dieser Misserfolg gezeigt, dass sich die Schwinger nun nicht mehr verstecken können und Resultate liefern müssen. Diesbezüglich hatte das Kilchberg-Schwinget auch eine gute Seite. Ich habe in der Folge eine Reaktion erwartet. Die ist bei gewissen Leuten erfolgt. Jene, die in Kilchberg dabei waren, haben schon damals mehr trainiert als die anderen. Nun haben sie nochmals zugelegt. Bei Schwingern wie Benjamin Gapany, Thomas Glauser, Steven Moser, William Häni oder Johann Borcard merkt man, dass sie jetzt unbedingt wollen. Und körperlich können diese Athleten mit der Spitze mithalten. Ich bin zuversichtlich. Die Einstellung dieser Schwinger macht Freude.

 

 Wie beurteilen Sie die Situation im Freiburger Schwingsport insgesamt?

Ich habe schon immer gesagt, dass Potenzial vorhanden ist. Vor vier, fünf Jahren merkte ich bereits, dass ein guter Kern da ist, mit dem etwas zu machen sein wird. Bei den Jungschwingern hatten wir ja Erfolg. Dieser muss jetzt bei den Aktiven bestätigt werden. Weil ich immer an unsere Jungschwinger geglaubt habe, entschloss ich mich nach dem Eidgenössischen in Burgdorf auch dazu, weiter als technischer Leiter zu amtieren; weil ich etwas erreichen will mit diesen Schwingern.

 

 Was waren in den letzten Jahren die Gründe, weshalb der Erfolg ausgeblieben ist?

Es gibt Schwinger, die immer noch glauben, dass mit wenig Aufwand gute Resultate möglich sind. Aber mit dieser Einstellung gewinnt man nichts mehr. Heute hat ein Eidgenössisches ein Budget von 20, 25 Millionen Franken, da ist es nicht mehr möglich, so zu trainieren wie vor zwanzig Jahren noch. Der Schwingsport hat sich weiterentwickelt. Rein technisch gesehen waren die Schwinger früher sicher nicht schlechter, aber die Postur hat sich geändert. Ausserdem kamen zuletzt die Sponsoren hinzu. Bis vor einem Jahr hatte noch keiner der Westschweizer einen Vertrag. Jetzt hat eine Handvoll einen Sponsor. Dadurch schwingst du nicht mehr nur für dich alleine, du musst auch für deinen Sponsor Leistung zeigen. Dass sich das Schwingen in Richtung Professionalität entwickelt hat, ist auch diesem Aspekt zuzuschreiben. Es gibt zwar diejenigen, die Angst haben, dass mit dem Geld der Geist des Schwingsports verloren geht. Dem ist aber nicht so. Die Intensität an den Eidgenössischen Festen beispielsweise ist gegenüber den 90er-Jahren deutlich angestiegen. Zudem ist das Feld ausgeglichener geworden. Klar gibt es nach wie vor eine Anzahl von Favoriten, aber das Mittelfeld rückt immer näher an die Spitze heran.

 

 Was bedeutet diese Entwicklung für den Südwestschweizer Verband?

Das heisst für uns, dass jetzt die Resultate kommen müssen. Früher gingen die Schwinger oftmals mit der Einstellung in einen Kampf, bloss nicht zu verlieren. Das muss sich dahin gehend ändern, dass sie ihren Gegner unbedingt aufs Kreuz legen wollen. Das hängt natürlich auch mit dem Selbstvertrauen zusammen. Deswegen wäre es wichtig, dass uns in den ersten Festen der Saison der eine oder andere Exploit gelingt, so wie beispielsweise im Vorjahr in Schwarzsee, als Gapany den dreifachen Eidgenossen Thomas Sempach bezwingen konnte. Man kann noch so viel trainieren, aber einmal müssen die Resultate folgen. Und ich bin überzeugt, dass dies bei uns nun der Fall sein wird.

 

 Woran merken Sie, dass der Wille bei den Schwingern grösser geworden ist?

Die Jungs messen sich einmal wöchentlich im Bernbiet mit der Konkurrenz. Wenn man nur gegen Klubkollegen trainiert, ist die Intensität nicht dieselbe, wie wenn man gegen Spitzenathleten antritt. Auch wenn man gegen die Berner 30-mal auf dem Rücken liegt, ist ein gewisser Lerneffekt vorhanden. Du kannst noch so viel gegen Kollegen und Nicht-Kranzer trainieren, du kommst nie so weit, wie wenn du die Gegenwehr von Spitzenleuten hattest.

 

 Sind diese Trainingseinheiten bei den Bernern neu?

Nein, aber sie sind viel regelmässiger. Früher gingen unsere Athleten einmal oder zweimal hin und liessen es dann wieder sein. Jetzt sind sie mindestens einmal wöchentlich in Bern. Bis jetzt habe ich immer um Geduld geworben und gesagt, dass die Resultate kommen werden. Nun habe ich meinen Schwingern gesagt, dass der nächste Schritt erfolgen muss und wir uns nicht mehr verstecken können. Die Jungen sind jetzt im Alter von 20 bis 24 Jahren und können nicht mehr die ewigen Talente sein. Schliesslich findet in 16 Monaten das Eidgenössische in Estavayer-le-Lac statt.

 

 Inwiefern ist die Saison 2015 eine Vorbereitung für das Eidgenössische?

Wir bereiten uns schon seit sechs Jahren auf Estavayer vor. Vonseiten des Verbandes haben wir damals einen Etappenplan aufgestellt. Seit einem Jahr trainieren wir nun intensiv darauf hin–auch auf den Wunsch der Schwinger, die den Willen dazu haben. Die zu Beginn erwähnte Zehnergruppe trainiert beinahe täglich, früher waren es maximal drei Einheiten pro Woche. Ohne das wir etwas sagen mussten, haben sie selber gemerkt, dass sie aufstocken müssen. Der Verband und die Klubs können die Voraussetzungen schaffen, aber schlussendlich liegt es am Schwinger, diese zu nutzen. Die Trainer können Impulse verleihen, aber es ist der Athlet, der dann alleine im Sägemehl steht. Natürlich ist die Mannschaft auch sehr wichtig, schliesslich sind wir der kleinste Teilverband. Deshalb müssen Freiburger und Waadtländer zusammenhalten. Nur aus einer solchen Einheit kann ein Einzelner über sich hinaus wachsen. Die Berner etwa verfügen natürlich über Top-Schwinger, aber sie haben auch den nötigen Zusammenhalt im Team.

 

 Sind Sie manchmal neidisch, wenn Sie sehen, was der Berner Verband zu leisten vermag?

Natürlich bin ich neidisch. Es ist sicher toll, wenn du mit einem solchen Team arbeiten kannst.

 

 Was machen die Berner denn besser?

Zunächst einmal verfügen sie über herausragende Talente wie Matthias Sempach. Anfang der 2000er-Jahre war er ja Mitglied vom Schwingklub Freiburg und holte für diesen seine ersten Kränze, weil er in Grangeneuve seine Ausbildung absolvierte. Ich war der technische Leiter des Klubs und habe schon damals gemerkt, dass Sempach gegenüber den anderen nicht nur mehr Talent, sondern auch mehr Wille hatte. Ich erinnere mich, wie Sempach im Training einmal sagte, dass er dereinst Schwingerkönig werden will. Heute ist er es. Mit Killian Wenger oder Christian Stucki haben die Berner weitere solche Ausnahmekönner in ihrenReihen. Kommt hinzu, dass Ehemalige dem Sport treu blieben und ihr Wissen dem Nachwuchs weitergeben. Das fehlt bei uns ein wenig. Aber auch bei den Bernern hat es nach der kleinen Baisse Mitte der 2000er neuen Erfolg gebraucht, um für neuen Aufwind zu sorgen. Die genannten Schwinger trugen den Verband in der Folge. Wer Erfolg haben will, muss als Gruppe stark sein.

 

 Das Eidgenössische 2016 ist ein Heimspiel. Der Druck auf die Freiburger wird gross sein …

Natürlich, diesen Druck spüren wir auch. Aber es braucht ihn, wie sich bei den Bernern in Burgdorf gezeigt hat. Ich hatte das Glück, 2001 in Nyon beim Eidgenössischen schwingen zu dürfen. Schon damals habe ich Druck verspürt, weil das Fest in der Nähe war. Jetzt ist die Erwartungshaltung noch grösser geworden; umso mehr, weil wir in Burgdorf keinen Kranz gewinnen konnten. So etwas können wir uns diesmal schlicht nicht mehr leisten.

 

 Mit welchem Resultat wären Sie 2016 beim Eidgenössischen zufrieden?

Der Traum ist, den Schwingerkönig zu stellen. Doch man muss ehrlich zu sich selber sein. Wir nehmen, was kommt. Ich will keine Zahl nennen, aber ich will Kränze, ganz klar. Wer sie holt, ist mir egal. Die aktuellen Schwinger sind nicht weniger stark als jene, die früher eidgenössische Kränze gewonnen haben. Wenn ich an das Eidgenössische in Nyon zurückdenke, hat damals auch niemand erwartet, dass ein Benoit Zamofing am Ende des Tages einen Kranz holen würde. In Aarau war es mit Michael Nydegger dasselbe und 1983 mit Josef Bielmann ebenfalls. Es gibt immer Schwinger, die über sich hinauswachsen können.

 

 Die Fähigkeiten, um Kränze zu gewinnen, sind also vorhanden.

Ja, das Potenzial ist da. Aber die Schwinger müssen selber wissen, was sie erreichen können. Aus diesem Grund nenne ich auch keine Namen und setzte dadurch keinen zusätzlichen Druck auf. Sie müssen sich diesen Druck selber machen. Ich habe mit allen Athleten Einzelgespräche geführt. Dabei habe ich sofort gemerkt, wer bereit ist. Ich habe keinem der Schwinger gesagt, dass er einen Kranz holen muss, aber ich habe gefordert, dass er alles dafür investieren muss. Es wird hart, aber ich bin zuversichtlich. Dies im Wissen, dass die Kränze für uns nicht vom Himmel fallen werden.

 

 Früher hatten Sie mit Hanspeter Pellet oder Stefan Zbinden Zugpferde. Fehlen Ihnen diese heute?

Solche Zugpferde bringen nur etwas, wenn die anderen dazu bereit sind, auch etwas zu investieren. Während Pellet und Zbinden Kränze gemacht haben, sagten sich die anderen jeweils, wir nehmen, was kommt. Sie hatten nicht den Ehrgeiz, das Gleiche zu erreichen. Aber natürlich wäre es gut, einen zu haben, der den Karren zieht. Heute muss die Gruppe unser Zugpferd sein. Wenn einer heraussticht: umso besser. Doch dann muss er die Qualitäten eines Leaders mitbringen. Pellet hatte diese nicht. Er war kein Anführer. Zbinden ging mehr voran, er hatte jedoch nicht die Popularität und die Ausstrahlung eines Pellet.

 

 Michael Nydegger könnte ein solcher Leader sein.

Nydegger hat beim Eidgenössischen in Aarau einen Kranz gemacht. Als dann Pellet und Zbinden zurückgetreten waren, konnte er mit dem Druck, der auf ihm lastete, nicht wie gewünscht umgehen. In Burgdorf war er zu sehr angespannt. Hinzu kamen viele Verletzungen, die ihn immer wieder gebremst haben. Nydegger ist unser einziger Eidgenosse, aber deswegen wird er nicht anders behandelt als die anderen. Ich will ihn nicht unter Druck setzen, deshalb haben wir ihn bewusst nicht für die auswärtigen Verbandsfeste selektioniert. Er wird einige Bergfeste bestreiten und ist Ersatz, falls ein Teamkollege für ein Verbandsfest ausfällt. Klar ist aber auch, dass ein Nydegger in Topform einer der besten, wenn nicht der beste Südwestschweizer ist.

 

 Für die Schwinger wird das Eidgenössische in Estavayer-le-Lac der Höhepunkt ihrer Karriere sein. Was bedeutet das Fest für Sie persönlich?

Ich hatte bereits die Ehre, als Aktiver in Nyon dabei gewesen zu sein. Jetzt habe ich die Ehre, als technischer Leiter nach Estavayer zu gehen. Dass das Fest im Kanton stattfinden wird, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Ich gebe zu, würde das Eidgenössische nicht in Estavayer ausgetragen werden, hätte ich es mir vielleicht anders überlegt, und ich hätte schon früher aufgehört. Nun erwartet mich ein absoluter Höhepunkt. Ich kriege schon jetzt Hühnerhaut, wenn ich daran denke, wie ich zusammen mit der Mannschaft am Samstag in die Arena einlaufen werde.

 

Im Fokus

Freiburgs Schwinger unter Zugzwang

In der Rubrik «Im Fokus» beleuchten die FN einmal im Monat auf einer Doppelseite ein Thema aus der Sportwelt hintergründig. Diesmal steht der Freiburger Schwingsport im Zentrum des Interesses. Die Saison wird am Wochenende mit dem Kantonalen Fest in Matran lanciert. Der Blick richtet sich jedoch bereits jetzt auch auf das Eidgenössische Schwingfest im August 2016 in Estavayer-le-Lac. Dort sollen die Freiburger besser abschneiden als zuletzt in Burgdorf, als kein Kranz gewonnen werden konnte.fs

Bernisch Kantonaler Schwingerverband: «Gute Schwinger ziehen Junge nach»

R uedi Schläfli räumt ein, dass er als TK-Chef des Südwestschweizer Verbandes zuweilen etwas neidisch in Richtung Bern schaut. Seit der Gründung des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes (BKSV) 1901 stellte der Teilverband nicht weniger als 20 Schwingerkönige. Auch die letzten beiden Sieger an Eidgenössischen Festen kamen aus dem Bernbiet. 2010 in Frauenfeld triumphierte Kilian Wenger (Horboden), seit Burgdorf 2013 ist Matthias Sempach (Achenstorf) der amtierende Schwingerkönig. Da stellt sich unweigerlich die Frage, was denn die Berner besser machen als die Freiburger. «Es geht nicht darum, ob wir etwas besser oder aber die Freiburger etwas schlechter machen», sagt Adrian Affolter, der Präsident des BKSV. Man dürfe die aktuelle Durststrecke der Westschweizer nicht überbewerten. «Wir im Bernbiet mussten ebenfalls schon die eine oder andere Baisse durchstehen.» Der Erfolg aller Teilverbände sei Wellenbewegungen unterworfen, so Affolter.

Die Voraussetzungen seien in beiden Teilverbänden die gleichen, glaubt Affolter. «Das Einzugsgebiet in Bern und der Westschweiz ist in etwa gleich gross.» Entscheidend sei deshalb, dass immer mal wieder herausragende Schwinger herausstechen. «Gute Schwinger ziehen Junge nach.» Affolter ist überzeugt, dass der Südwestschweizer Verband schon bald wieder Erfolge zu verbuchen haben wird. «Ich habe gehört, dass gute Ansätze vorhanden seien. Es wird gute Arbeit geleistet vonseiten der technischen Leiter.» Mit Blick auf das im nächsten Jahr bevorstehende Eidgenössische Schwingfest in Estavayer-le-Lac glaubt Affolter indes noch nicht an den grossen Umschwung. «Wenn die Südwestschweizer einen Kranz holen, ist das schon sehr, sehr gut. Die Frage ist, wer diesen Kranz holen soll.» fs

 

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