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Die Sehnsucht nach Glauben und Liebe

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Aldo Fasel

Schon der Philosoph Karl Jaspers sagte, ein bewiesener Gott sei kein Gott. Walser sieht das in der vorliegenden Novelle ganz ähnlich, wenn er seiner Überzeugung Ausdruck gibt, dass wir gar nicht von Gott sprechen könnten, wenn es ihn gäbe.

Sinnsuche in der Religion

Die Hauptfigur der Novelle, Ich-Erzähler Augustin Feinlein, Chef einer psychiatrischen Klinik, ist auf der Sinnsuche im Alter. Er wisse, was Älterwerden bedeute, lesen wir im Klappentext. Ab 63 hat Feinlein mit dem Zählen der Geburtstage aufgehört und offenbar sein Lebensmotto gefunden: «Glauben heisst lieben.»

Wie viele ältere Leute, dem Ende der Tage mittlerweile wieder etwas näher gekommen, ist auch Feinlein auf der Suche nach den letzten Dingen. Könnte da womöglich die Religion Antworten geben und unsere Sehnsüchte nach Erfüllung und Erlösung stillen ? «Egal, ob es Gott gibt oder nicht, ich brauche ihn !», ist Feinlein überzeugt. Stetig auf der Suche nach Antworten reist Feinlein nach Rom und entwickelt eine Obsession für Reliquien. Und spätestens an dieser Stelle wird der gewiefte Leser feststellen, dass wir es mit dieser Novelle nicht einzig und allein mit einem philosophischen Werk zu tun haben.

Die angesprochenen Themen könnten diesen Eindruck allerdings schon entstehen lassen. Nein, im Gegenteil, Feinleins Interesse für Reliquien geht so weit, dass er eine kriminelle Energie entwickelt, die man ihm eigentlich gar nicht zugestehen möchte. Walser reichert auf diese Weise seine Novelle mit Fassetten an, die dem Genre des Kriminalromans sehr nahe kommen. Lassen Sie sich überraschen, an Spannung fehlt es nicht …

Doch übergeordnet geht es dem Autor natürlich um die grossen Fragen, um den Konflikt zwischen dem rein naturwissenschaftlichen Weltbild und dem Glauben an die Macht des Wortes, um den Konflikt auch zwischen Wissensgesellschaft und Glaubensgewissheit. Eine Schlüsselrolle misst er bei diesem Ringen der Kunst bei, für ihn die höchste und wertvollste Ausdrucksform der Sehnsucht nach Erfüllung. Auf der Suche nach sich selbst spielt ausserdem die Liebe eine absolut zentrale Rolle. Feinlein ist felsenfest davon überzeugt, dass Glauben Liebe heisst. Obwohl er von der Liebe seines Lebens mehrfach enttäuscht wird, hadert er nicht mit dem Schicksal, sondern nimmt die Umstände an, wie sie sind.

Erste und letzte Fragen

«Mein Jenseits» ist ein überaus tiefsinniges Werk, vielleicht eher geeignet, wie da und dort vermutet wird, für ältere Leute, die Sehnsucht nach Ruhe haben und rauswollen aus der Tretmühle von Job und gesellschaftlichen Konventionen. Besonders aber für Leser, die sich mit ernsten Dingen befassen wollen, mit den ersten und den letzten Fragen.

«Mein Jenseits» ist nicht ganz einfach zu lesen, aber sehr lesenswert. Walser denkt auch im hohen Alter bestechend scharf und formuliert brillant. Seine Gedanken zu Religion, Liebe und Sehnsucht lassen den Leser nicht kalt. Sie zwingen einen förmlich zur Meditation und zum Hinterfragen des eigenen Tuns und der eigenen Überzeugungen.

Walser, Martin: Mein Jenseits. Novelle – Berlin: Berlin University Press, 2010. – 132 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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