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«Die Sense gehört niemandem»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Imelda Ruffieux

«Die Sense ist ein reiches Fischgewässer», sagt Franz Engel. Er muss es wissen, denn er angelt schon seit vielen Jahren in diesem Fluss nach Barben, Alet («Schwenn») und am liebsten nach Bachforellen. Obwohl er auch gute Erfahrungen mit dem Lachsfischen in Alaska gemacht hat, wird ihm das heimatliche Gewässer nie langweilig. «Es ist ein Gebirgsfluss, in dem die Fische ein relativ geringes Nahrungsangebot haben. Doch die Fische sind gesund und kräftig.»

Versteckte Lieblingsplätze

Am liebsten geht Franz Engel in die Senseschlucht, wo es wenig Fischer und andere Besucher hat. Um zu seinem kleinen Paradies zu kommen, nimmt er einen schwierigen Abstieg auf sich. «Es ist anstrengend, aber wenn man einmal da ist, wunderschön.» Wenn er einen Fisch nach Hause bringen müsse, dann fische er mit Wurm, erklärt er. Wenn er aber nur fische, um zu fischen, dann knüpfe er die Trockenfliege. «Fischen ist ein Abenteuer und ein einsamer Sport», sagt er. Obwohl er Mitglied im Deutschfreiburger Fischerverein ist, steht er lieber allein am Wasser oder mit einem guten Freund.

Die Leidenschaft fürs Fischen ist ihm in die Wiege gelegt worden. Gerne erzählt Franz Engel die Anekdote von seinem Grossvater, der in den 1940er-Jahren für «Fischfrevel» gebüsst wurde, weil er Fische aus dem Düdingerbach gewildert hatte. Sie hätten selten Fleisch auf dem Teller gehabt. «Aber Forellen gab es immer.» Das Bild der glänzenden Forellenleiber, die bei Vollmond von der Saane hinauf zum Laichen kamen, wird der 62-Jährige nie vergessen. «Ein unvergleichlicher, fast mystischer Anblick.»Sein Alltag als Allgemeinmediziner mit Praxis in Düdingen lasse ihm wenig Zeit zum Fischen, sagt Franz Engel. Um die Sense zu verteidigen, nimmt er sich aber gerne Zeit. Beispiele wie die PCB-Vergiftung durch die Deponie La Pila bestärken ihn darin, für die Natur einzustehen. «Früher habe ich auch in der Saane und im Schiffenensee gefischt. Jetzt sind diese Gewässer für mich tabu.»

Zu schwerer Eingriff

Auf die Frage «Wem gehört die Sense?» hat Franz Engel eine klare Antwort: «Die Sense gehört niemandem.» Vielleicht, so spinnt er den Faden weiter, gehöre die Sense den Fischen, den Larven, Fröschen und Krebsen, die in ihr leben. «Den Vögeln, die an ihrem Ufer nisten, den Gemsen, die an ihr den Durst stillen», sagt er. Den Menschen gehöre die Sense aber nicht. «Wir dürfen sie besuchen, an ihr rasten, die Kinder dürfen planschen, sie entdecken, Dämme bauen und Steinmännchen errichten.» Doch der Fluss sei – wie vieles in der Natur – dem Menschen nur geliehen, erklärt er seine Einstellung. Und nicht ohne Verbitterung sagt Engel: «Ganz sicher gehört sie nicht den Stromproduzenten.» – «Ein Fluss ist immer ein Ganzes. Wer das nicht begreift, versteht nicht, was Fliessen bedeutet», fährt Engel weiter. Deshalb müsse das ganze Flusssystem der Sense geschützt werden. «Wir haben das grosse Glück, dass die Sense wohl der letzte Fluss in der Schweiz ist, der noch nicht für die Wasserkraft genutzt wird. So soll es bleiben», betont er. Ein Kraftwerk wäre seiner Meinung nach ein viel zu schwerer Eingriff. «Die Berner haben ihre Seite der Sense unter Schutz gestellt, und wir diskutieren über Kraftwerke. Das kann nicht sein», regt er sich auf.

Das Argument, dass Teile des Sense-Oberlaufs bereits mit Schwellen verbaut sind, lässt Franz Engel nicht gelten. Er mache niemandem Vorwürfe, was die Verbauungen in der Vergangenheit betreffen. «Sie waren damals nötig, um vor Überschwemmungen zu schützen und die Strasse bauen zu können.» Das sei aber kein Grund, den Fluss zusätzlich zu malträtieren.

Fische brauchen Wasser

Auch ist für ihn das Versprechen der Promotoren, eine fischfreundliche Anlage zu installieren, nicht glaubwürdig. «Fischfreundliche» Kraftwerke gebe es nicht, höchstens solche, die weniger Schaden anrichten. Die gesetzlich eigentlich längst festgelegten Bestimmungen um die Restwassermenge in Fliessgewässern seien in der Schweiz nie umfassend umgesetzt worden, «weil die Lobby der Energie-Konzerne zu stark ist». Er sei oft genug im Sensebett, um zu wissen, dass der Fluss das Jahr über mehrfach sehr wenig Wasser führe, sagt Franz Engel. «Normalerweise käme niemand auf den Gedanken, aus dieser geringen Menge Wasser Energie zu erzeugen. Es würde sich nicht rentieren.»

Kosten und Nutzen

Erst mit der kostendeckenden Einspeiseverfügung, einer Subvention für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, sei eine solche Anlage für Energiekonzerne interessant geworden. «Die Frage nach Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit wurde nie gestellt», sagt Franz Engel. «Ein solcher Eingriff ist nur gerechtfertigt, wenn ein Nutzen für unsere Gemeinschaft erwiesen ist.» Das sei wohl in der Vergangenheit bei den Staumauern von Rossens oder Schiffenen der Fall gewesen. «Aber bei der Sense sicher nicht.»

«Es ist unsere Verpflichtung, den Fluss zu schützen», fasst Engel sein Credo zusammen. Die Sense müsse für die kommenden Generationen in ihrer Einmaligkeit erhalten bleiben. «Wir haben Autobahnen und Staumauern gebaut. Es wäre schön, einige naturnahe Ecken für unsere Kinder zu bewahren.»

Franz Engel an seiner Lieblingsstelle in der Sense.Bild Aldo Ellena

Serie

Wem gehört die Sense?

Die Sense hat dem Sensebezirk nicht nur seinen Namen gegeben, sondern ist auch Grenzfluss zwischen Bern und Freiburg. In einer Serie beleuchten die FN die teilweise unvereinbaren Ansprüche an den Fluss: Für die einen Naherholungsgebiet, möchten Umweltschützer die Auenlandschaft so stark wie möglich unter Schutz stellen – aus Sicht der Energieproduzenten ist der Fluss aber ideal für ein Kleinwasserkraftwerk. im

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