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«Die Situation ist dramatisch»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Jaunerinnen und Jauner sind verunsichert: Sie wissen nicht, ob das Hotel-Restaurant zum Wasserfall, das mitten im Dorf steht, je wieder Gäste empfangen wird. Denn der «Hof», wie ihn die Jauner nennen, ist seit Mitte Februar geschlossen. Einige Tage vor der «Trophée des Gastlosen» vom 17. Februar ist den Pächtern Werner und Beatrice Thürler der Konkurs angedroht worden und sie mussten den Betrieb kurzfristig schliessen. Für das Trophée-Wochenende wären die knapp 40 Betten ausgebucht gewesen. Der Tourismusverantwortliche Jean-Marie Buchskonnte die Gäste kurzerhand im Ferienheim Höfli unterbringen.

Nur noch ein Tea-Room

Doch damit fingen die Probleme erst an. «Ohne den ‹Hof› fehlt einfach überall etwas», sagt Jean-Marie Buchs. Hotelzimmer kann Jaun keine mehr anbieten. Einzig das Hotel zur Hochmatt im 3,5 Kilometer entfernten Im Fang bietet noch einige Zimmer an. Auch auswärts essen ist in Jaun nicht mehr möglich. Denn die einzige Gaststätte, die zurzeit noch offen ist, ist das Tea-Room Enzian. Doch auch dieses hat eineinhalb Ruhetage und Ferien; zum Beispiel jetzt in diesen Tagen. Damit die Jauner während dieser Zeit zumindest irgendwo im Dorf einen Kaffee trinken oder sich zum Apéro treffen können, ist deshalb kurzerhand die Skilift-Buvette Oberbach wieder geöffnet worden.

«Die Schliessung des Hotels ist ein riesiger Verlust für uns», sagt Jean-Marie Buchs. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt für Ammann Jean-Claude Schuwey daran, dass der Gasthof nicht professionell geführt wurde. «Wenn der Gast einmal unzufrieden ist, geht er nicht wieder hin», so Schuwey. Pächterin Beatrice Thürler will sich auf Anfrage nicht zu den Gründen äussern.

Grosse Hoffnungen

Dabei hatten sich die Behörden bei der Eröffnung des Gastlosen-Express vor eineinhalb Jahren die Zukunft Jauns rosig ausgemalt. Der neue Gastlosen-Express werde Jaun als Tourismusort zu neuem Schwung verhelfen und auch den Sommertourismus ankurbeln, hiess es. Diese Hoffnungen haben sich auch bewahrheitet, Skifahrer und Wanderer kamen zahlreich nach Jaun. Doch dass die Infrastruktur im Dorf nun eine grosse Lücke aufweist, passt so gar nicht zu dieser Entwicklung.

«Die Situation ist dramatisch», sagt Jean-Claude Schuwey. Er habe die Eigentümerin Pierrette Baur versucht zu überreden, den ‹Hof› nicht gleich zu verkaufen, sondern weiterhin zu verpachten. Dieses Gespräch sei jedoch erfolglos verlaufen. Denn ihr Entschluss sei unwiderruflich, wie Pierrette Baur gegenüber den FN erklärt. «Ich hoffe, dass der Wasserfall als Hotel und Restaurant weitergeführt wird», sagt sie. Eine Garantie dafür könne sie jedoch nicht geben. Denn sie wird das Gebäude an die erste Person verkaufen, die ihr ein gutes Angebot macht – unabhängig davon, ob der Interessent die Weiterführung des Restaurants zum Ziel hat oder nicht.

Die Immobilienagentur Bussard in Bulle hat das Objekt für 800 000 Franken zum Verkauf ausgeschrieben. «Es sind bereits Interessenten da», sagt Pierrette Baur. Wer diese sind, will sie nicht bekannt geben. Auch zu allfälligen Verhandlungen mit der Gemeinde will sie sich nicht äussern. Sie zeigt sich jedoch davon überzeugt, dass das Hotel Wasserfall noch vor dem Sommer 2013 verkauft sein wird.

Angst vor Asylsuchenden

In Jaun befürchtet man, dass die Liegenschaft zu Wohnungen umfunktioniert oder in anderer Form zweckentfremdet werden könnte. Es geht sogar das Gerücht um, das Bundesamt für Migration habe Interesse am ‹Hof› und wolle dort Asylsuchende platzieren. Wie Lisa Blaser vom Bundesamt für Migration (BFM) auf Anfrage erklärt, sind für das BFM aber nur Liegenschaften mit mehr als 60 Plätzen interessant. Und auch Antoine Geinoz, Generalsekretär der kantonalen Direktion für Gesundheit und Soziales, hält fest, dass der Kanton zurzeit in Jaun nichts plane in Sachen Asylwesen.

 Der Jauner Gemeinderat wird nun am Montag über die Gründung einer Interessengemeinschaft diskutieren. Den Gasthof zu kaufen, ist für Syndic Jean-Claude Schuwey kein Thema. Die Gemeinde könne das Geld nicht aufbringen und müsste ja dann trotzdem nach einem Wirt suchen. Auch er will aber für den Erhalt des Hotels kämpfen. «In einem Bergdorf wie Jaun darf man nichts sterben lassen, ansonsten geht die Entwicklung im gleichen Stil weiter.»

Gleich gegenüber der Buvette Oberbach (Bild), die zurzeit als Dorfbeiz dient, plant die Käsereigenossenschaft einen Neubau.Bis Mittwoch keine Option: Das Tea-Room Enzian hat Ferien. 

«Wenn wir ein Tourismusort sein wollen, muss auch die Gastronomie stimmen.»

Werner Schuwey

Mitglied Musikkommission und Vorstand Cantorama

Rückblick

Der «Hof» hat früher der Gemeinde gehört

16 Jahre war die Familie Baur im Besitz des Hotels zum Wasserfall. Nachdem ihr Mann vor fünf Jahren verstorben war, hatte Pierrette Baur, die heute in Treyvaux wohnt, das Hotel an die Familie Thürler verpachtet. Zuvor habe sie den Betrieb mit ihrem Mann mit viel Herzblut geführt, wie sie in einem Schreiben im Gemeindeblatt «Echo vom Jauntal» festhält.Einst gehörte der «Hof» der Gemeinde Jaun, bis der damalige Ammann Anton Buchs ihn 1969 kaufte und später an die Familie Baur weiterverkaufte. 2004 ist in Jaun bereits das Restaurant «Chez Maxime» geschlossen worden. Vor zwei Jahren sei das Gebäude an einen Franzosen gegangen, sagt Tourismusleiter Jean-Marie Buchs. Er stehe mit diesem in Kontakt und habe ihm nahegelegt, ein Hotel zu eröffnen. Der Besitzer habe nun angekündigt, im Frühjahr das Dach zu sanieren.ak

Werner Schuwey: «Die Probleme hatten sich angekündigt»

D er Dirigent und passionierte Organist Werner Schuwey führt als Mitglied der Musikkommission des Cantoramas jährlich rund 25 kleine oder grosse Gruppen zu den Sehenswürdigkeiten Jauns wie dem Friedhof, dem Cantorama oder auch dem Wasserfall. Für das laufende Jahr hat er schon wieder einige Führungen geplant. Das Hotel zum Wasserfall war für ihn immer ein beliebter Treffpunkt – sei es für die Führungen oder privat. Auch vor oder nach den Konzerten im Cantorama sei bei den Besuchern das Bedürfnis da, noch irgendwo zusammenzukommen. «Wenn wir ein Tourismusort sein wollen, muss auch die Gastronomie stimmen», findet der pensionierte Lehrer. Ohne ein richtiges Restaurant würde in Jaun ein zentrales Element fehlen.

Gemeinde soll helfen

Für Werner Schuwey kommt die Schliessung des Hotels nicht überraschend. Die Probleme hätten sich nicht erst seit Februar angekündigt, sagt er. Er findet, dass es an der Gemeinde sei, in Sachen Hotel Wasserfall etwas zu unternehmen. Schliesslich habe die Gemeinde auch in die Bergbahnen investiert. Und wenn ein Tourismusort eine neue Bahn baue, müsse auch die Infrastruktur rundum stimmen. Gemeinderat und SVP-Grossrat Roger Schuwey vom Restaurant zur Hochmatt im Fang ist zurzeit der einzige Hotel- und Restaurantbetreiber in der Gemeinde. Es stimme ihn traurig, dass es so weit gekommen sei, sagt er. Denn mit der neuen Bahn hätte Jaun nun alles in der Hand, um den Tourismus anzukurbeln. Er ist jedoch dagegen, dass die Gemeinde die Liegenschaft kauft. Dies sei nicht zukunftsgerichtet. Die Situation im Sensebezirk zum Beispiel zeigt, dass Restaurants die Finanzen von Pfarreien und Gemeinden belasten (siehe FN vom Freitag) . ak

Grosse Pläne: Multifunktionelles Gebäude mit Restaurant

W ährend für das Hotel-Restaurant zum Wasserfall verzweifelt nach einem Käufer und einem Wirt gesucht wird, will die Käsereigenossenschaft Jaun und Umgebung gleich neben dem Parkplatz der Vierersesselbahn ein Restaurant bauen. Dazu wird ihr die Sägerei Jaun AG Ende Mai 2000 Quadratmeter Land verschreiben.

Schaukäserei und Kasse

Doch das Restaurant ist nur ein Teil des Grossprojektes. Denn wie Michael Cottier, Präsident der Genossenschaft, auf Anfrage erklärt, soll auf dem Gelände der ehemaligen Sägerei ein multifunktionelles Gebäude entstehen. Dieses soll unter anderem eine neue Käserei, ein Restaurant, eine Schaukäserei, Säle, eine Terrasse sowie eine zentrale Kasse für die Bergbahnen beinhalten. «Wir liebäugeln schon seit zwei bis drei Jahren mit einem Neubau», sagt der 35-jährige Landwirt. Denn die Kapazität der heutigen Käserei gelange an ihre Grenzen. Sie ist für die Verarbeitung von einer Million Kilogramm Milch pro Jahr eingerichtet. Die aktuelle Produktion beträgt gemäss Michael Cottier 2,1 Millionen Kilogramm Milch.

Zurzeit sei die Käsereigenossenschaft daran, ein Vorprojekt auszuarbeiten. Michael Cottier geht davon aus, dass die Genossenschaft für das Projekt vier bis fünf Millionen Franken aufbringen muss. Die Finanzierung ist jedoch nicht geklärt. Sein Wunsch ist es, in einem Jahr den Spatenstich vollziehen zu können. «Das Projekt wäre wichtig, um Jaun zu beleben.» ak

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