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«Die Tracht gibt mir ein Heimatgefühl»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Pascale Hofmeier

Seide, Baumwollstoff, Spitze und Silberschmuck, nach historischem Vorbild zu Trachten verarbeitet, faszinieren tausende Schweizerinnen und Schweizer. Mit etwa 8000 Trachtenträgerinnen und -trägern und bis zu 60 000 Besuchern rechnen die Organisatoren des Eidgenössischen Trachtenfestes vom 4. bis 6. Juni in Schwyz. Brigitte Roggo, Präsidentin der Freiburgischen Trachtenvereinigung, wird mit ihrer Sensler Sonntagstracht nach Schwyz reisen. Mit ihr fahren etwa 400 weitere Freiburgerinnen und Freiburger in die Zentralschweiz, um schweizerisches Brauchtum mit Kleidung, Tanz und Gesang aufleben zu lassen.

Frau Roggo, welche Kleider tragen Sie im Alltag?

Jeans und T-Shirt (lacht). Aber ich trage sehr häufig eine meiner beiden Trachten. Wenn Anlässe des Zentralvorstandes sind, reise ich auch alleine mit der Tracht im Zug. Das Schöne ist, dass ich dann sofort mit den Leuten ins Gespräch komme. Ich war auch schon mit der Tracht im Ausland. Dort wurde ich dann nicht wie ein Tourist behandelt, sondern als Gast empfangen.

Wann haben Sie zum ersten Mal eine Tracht getragen?

Da war ich elf oder zwölf Jahre alt. Es war eine sogenannte Kränzlitracht mit blauer Halskrause und dem kugelförmigen Flitterkranz in blau, gelb und grün. Diese wird auf das 18. Jahrhundert datiert. In der Familie meines Vaters waren Trachtenträger. Ich bewahre heute noch die Werktagstrachten meiner im Jahr 1954 verstorbenen Grossmutter auf.

Bleiben Trachten immer gleich oder werden sie manchmal hin und wieder neuinterpretiert?

Das kommt beides vor. Ein Grund für Veränderungen ist, dass man den Stoff nicht mehr erhält. Und es gibt auch immer wieder «neue» Trachten. Diese werden nach dem Vorbild von historischen Büchern oder Stichen entworfen. Zum Beispiel die Trachtengruppe in Gurmels ist so zu ihren Trachten gekommen.

Wie teuer ist eine Tracht?

Meine Sensler Werktagstracht mit blauem Rock und weisser Bluse, farbig gestreifter Schürze und Strohhut ist etwa 1500 Franken wert. Die Sonntagstracht ist aus teureren Stoffen. Über einem roten Plissée-Jupe wird eine schwarze Seidenschürze getragen. Dazu kommt der Silberschmuck. Die hat etwa 4000 Franken gekostet.

Das ist viel Geld.

Ja, darum versuchen wir Trachten, die nicht mehr getragen werden, unserem Nachwuchs auszuleihen. So müssen sie nicht sofort eine eigene Tracht kaufen und können trotzdem aktiv mitmachen. Wir haben im Sensebezirk mehrere Jugendgruppen. Nach Schwyz werden uns etwa 80 Kinder begleiten.

Sie haben also keine Nachwuchssorgen?

Manchmal schon. Viele Kinder hören in der Pubertät auf. Gleichzeitig haben wir eine gewisse Überalterung. Aber wir konnten in den letzten Jahren die Mitgliederzahl halten. Insgesamt werden wieder mehr Trachten getragen. Vielleicht liegt es an der Zeit, der Krise, dass sich die Menschen wieder auf Traditionen besinnen.

Wie kann man beim Trachtenverein «aktiv mitmachen», ausser die Tracht zu tragen?

Wir üben Volkstänze und singen Volkslieder. Es gibt auch Jodler, Fahnenschwinger, Alphornbläser und die Trachtenmusik. Wir proben einmal pro Woche.

Was fasziniert Sie an alten Kleidern?

Die Kleider sind nicht alt. Die Tracht gibt mir ein Heimatgefühl. Das ist nicht wie in China produzierte Sachen, die sie nach nur einem Jahr in die Kleidersammlung werfen. Natürlich muss man ab und zu die Bluse oder die Schürze ersetzen, wenn sie abgenutzt sind. Aber der Schmuck, das Kleid an sich, das bleibt. Und man muss nicht studieren vor dem Kleiderschrank. Ich fühle mich gut gekleidet, wenn ich die Tracht trage.

Kann man eine Tracht ohne Hilfe anziehen?

Ja, ich schon. Am Anfang braucht man jedoch Hilfe beim Schnüren. Und Zeit braucht es auch. Bis ich die Sonntagstracht anhabe, dauert es 10 bis 20 Minuten.

Eidgenössisches Trachtenfest, 4.-6. Juni. Programm: www.trachtenfest2010.ch

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