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Die verborgene Schönheit

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

8 Uhr, Bootssteg, Restaurant Seepark, Schiffenen. Noch sind die Temperaturen angenehm kühl. Hermann Maeder, Tauchlehrer aus Gurmels, ist bereits da: «Ich bin der Hermann, unter Tauchern duzen wir uns.» Das kleine «Partyboot» ist startklar. Thomas Tschopp steht hinter dem Steuer. Mit acht Kilometern pro Stunde werden wir eineinhalb Stunden später bei den Neiglen in der Stadt Freiburg ankommen. Es kommt einem vor wie eine halbe Ewigkeit. Keine Wunder. Denn mit einer Länge von 12,7 Kilometern ist der Schiffenensee nur unwesentlich kürzer als der längste Speichersee der Schweiz, der Greyerzersee.

Gemessen an der Wasseroberfläche von 4,25 Quadrat­kilometern gehört er zudem zu den fünf grössten Stauseen der Schweiz. Während sich der Schiffenensee im Normalfall nur bruchstückhaft zeigt – in der Regel von einer der Brücke aus –, erschliesst sich dem Reisenden auf dem Wasser eine ganz andere, verborgene Dimension. Der gewundene Lauf der ursprünglichen Saane zwischen Kleingurmels, Düdingen, Bärfischen, Granges-Paccot und Freiburg prägt auch heute noch den See, hinter jeder «Ecke» tut sich etwas Neues auf. Und die Vorstellung, dass sich maximal 30  Meter unter der Wasseroberfläche ein in den Fluten versunkenes Tal mit all seinen Geschichten verbirgt, weckt die Neugierde.

Denn vor etwas mehr als 50 Jahren grasten im Tal der Saa­ne zwischen Düdingen und Pensier noch Kühe und spazierten Kurgäste dem Flussufer entlang durch die Auenlandschaften. Ein paar Brücken verbanden die deutschsprachige Ostseite mit der französischsprachigen Westseite des Saaneufers. Bis das, was auf alten Postkarten und Bildern zu sehen ist, 1960 endgültig dem Untergang geweiht wurde. Mit dem Baubeginn der Schiffenen-Staumauer.

Die Welt darunter

Der 1948 geborene Hermann ­Maeder war damals ein Teenager. Er kann sich noch gut an die Zeit vor dem Fluten des Saanetals erinnern. Mit seinen vier Brüdern und den Eltern ging er am Flussufer oft in der Saane baden und bräteln. «Der See ist schön. Aber früher war es schöner», sagt er rückblickend, «abenteuerlicher». Die alte Strasse, die von Kleingurmels ins Tal führte, endet heute abrupt am Seeufer. «Wenn man taucht und mit der Hand den Schlick ein wenig wegwischt, kann man die asphaltierte Strasse noch erkennen», erzählt der passionierte Tauchlehrer. «Und man sieht auch noch das Loch, wo der Kies als Streugut im Winter gelagert wurde.»

Hier gehts zur Bildergalerie mit tollen Eindrücken.

Sichtbar sei auch noch der Brückenkopf der ehemaligen Schiffenenbrücke, die Richtung Murten führte, mit der Ausbuchtung, wo die Madonna drin stand. Ansonsten sei nicht mehr viel zu sehen. Einerseits, weil es im See sehr dunkel sei, und andererseits, weil die landwirtschaftlichen Betriebe, Häuser und das Kieswerk im Tal vor dem Fluten dem Erdboden gleichgemacht wurden. Teilweise dienten sie der Armee als Objekte für Sprengübungen. «Für uns Buben war das ein Erlebnis. Das war wie im Krieg, als sie Minen warfen und Benzinfässer an die Felswände hängten und mithilfe von Fliegern darauf schossen.»

Auch der Kurort Bad Bonn wurde dem Megaprojekt geopfert. Sein berühmtes Hängebrücklein stürzte indes schon kurz vorher ein. Letzteres konnte man damals nur gegen Entrichtung eines Brückenzolls von 20 Rappen überqueren. «Oft hat einer von uns die Hörnlimutter abgelenkt, so dass wir umsonst über die Brücke kamen», erinnert sich Maeder und schmunzelt. Wie die Hörnlimutter, die das Geld einkassierte, wirklich hiess, weiss er nicht mehr. Noch gut erinnern kann er sich dagegen an die Dreharbeiten für die Jeremias-Gotthelf-Verfilmung «Anne­bäbi Jowäger» – bei denen das Bad Bonn vor dem Abbruch als Kulisse diente. Ein bisschen wehmütig wird Maeder schon, wenn er an diese Zeiten denkt; daran, wie sie mit dem Fahrrad ins Saanetal fuhren, «für ga z’schätzele». Auch die Halbinseln beim Bad Bonn, bei Staad (Gstad) und andernorts waren be­liebte Orte für ein romantisches Stelldichein.

Ruhig und wild zugleich

Wir fahren weiter Richtung Freiburg. Gegenüber von Bonn thronen die Schlösser von Gross- und Kleinvivers – erhaben, vom Stromprojekt nie bedroht. «Ab hier war das Tal kaum mehr besiedelt», sagt Maeder. Auch auf dem See ist es an diesem Morgen ruhig, das Boot fährt an einer Entenfamilie vorbei, ein Küken nach dem anderen taucht ab. Links bei Staad der Klangweg, eine Möwe lässt sich auf dem Wasser treiben, und plötzlich ragen Beine aus dem Wasser – eine Skulptur. In den hohen Sandsteinfelsen kurz vor der Autobahnbrücke erscheint die Magdalena-Einsiedelei.

Der See wird trüb. «Baden würden wir hier nicht», sind sich Maeder und die Tschopps einig. «Zu viel organisches Material.» Bei Räsch ist der See nicht mehr tief, maximal vier Meter, schätzt Kevin Tschopp. «Bei tiefem Wasserstand kann man hier den See praktisch zu Fuss queren.» Rechts Granges-Paccot, vor uns ragt die Grandfey-Brücke in den Himmel, wir tuckern demütig unten durch. Am steilen Ufer unterhalb von Windig ist alles verwachsen, teilweise sind die Bäume umgestürzt. Es fühlt sich an, als ob man sich in einem tropischen Mangrovenwald befände. Auch auf Höhe der «Auberge Aux 4 Vents» beeindrucken die Felswände, und man fragt sich, wie diese Landschaft wohl entstanden ist. In einem Aufsatz für den Deutschfreiburger Heimatkundeverein aus dem Jahr 1961 – also noch vor dem Fluten des Saanetals – gibt Othmar Büchi Antworten.

Die Schleifen, Mäander genannt, stammen aus der Zeit, als die Saane noch auf der Höhe des Tafellandes geflossen sei – also nach der Eiszeit – und sich ein neues Bett gesucht habe. Dabei habe sie die tiefsten Stellen abgetastet, so dass von Anfang an ein gewundener Lauf zustande gekommen sei. «Die Saane pendelte auf dem Tafelland zwischen den Hügeln hin und her; sobald sie auf ein Hindernis aufprallte, wurde sie auf die andere Seite zurückgeworfen. Die Prallstellen bilden heute konkave Felswände, die gegenüberliegenden Seiten dagegen Halbinseln.»

Nach einer weiteren Windung zeigt sich dann erstmals wieder die Zivilisation. Zuerst sieht man nur den Anfang der Poya-Brücke, dann zeigt sich das Bauwerk in seiner ganzen Grösse. «Wahnsinn!», entfährt es einem. In den Niederungen die Abfallentsorgungsanlage der Neiglen, und dann verrät ein intensiver Geruch die Kläranlage. Sind wir nun noch auf dem Schiffenensee oder schon auf der ­Saane? «Gute Frage», sagt Thomas Tschopp. «Wahrscheinlich grad auf der Grenze. Bei tiefem Wasserstand befinden wir uns hier schon im Saanelauf.» Er muss es wissen. Mit Familie und Freunden fährt er öfters mit dem Boot zum Apéro in die Stadt.

In einer Sommerserie reisen die FN entlang der Saane von der Quelle bis zur Mündung: zu Fuss, mit dem Zug und mit dem Boot.

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