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Die Wäschemange ist der Hit

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Die Wäschemange ist der Hit

Autor: Pascale Hofmeier

Frühstück gibts in der Schule Uttewil um 7.30 Uhr. Zubereitet wird es nicht etwa vom Mami, sondern von den Schülerinnen und Schülern des Freudenberg-Gymnasiums. Von einem Ort namens Uttewil hatten die Gymnasiasten nie gehört – bis sie die Informationsbroschüre für den dreiwöchigen Hauswirtschaftskurs erhielten. «Ich habe dann auf Google Maps nachgeschaut, wo das liegt», sagt Alex, der normalerweise in Richterswil wohnt.

Das Du hat Tradition

Aus der Küche dringt an diesem Morgen kurz vor neun gedämpftes Klappern. Beinahe wortlos räumt die Frühstücks-Gruppe die letzten Teller und das Besteck weg. Anweisungen braucht es kaum. «Sie kennen die Küche», sagt Tina Schnyder. Sie leitet gemeinsam mit zwei weiteren Lehrerinnen den Kurs. Sie alle sind vom Kanton Zürich angestellt. Während des Kurses leben sie gemeinsam mit den Schülern in Uttewil.

Von strenger Internatsstimmung kann aber nicht die Rede sein. Jugendliche und Lehrerinnen sind in den Hauswirtschaftskursen traditionellerweise per Du, und die Stimmung ist sehr friedlich – trotz der vielen Regeln: Keine Handys im Unterricht, ein Fernseher für alle, Jungs haben auf der Etage der Mädchen abends nichts verloren und umgekehrt, Nachtruhe um 22.30 Uhr. Auf die gewohnte Freizeitgestaltung müssen die Jugendlichen verzichten: Es gibt weder Läden noch Kino und Restaurants. Dafür einen Billard-Tisch und viel Platz.

Lustiges Internatsleben

Egal, wen der 18 Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren man auf das Leben im Verband anspricht, die Antwort ist immer: «Es ist lustig hier.» Die zweite Antwort ist: «Es ist anders anstrengend als Schule.» Dazu sagt Tina Schnyder: «Sie sind sich die körperliche Arbeit in der Küche und das Putzen nicht gewohnt.» Das sei jeweils gegen Ende Woche deutlich spürbar.

Die Klasse aus dem Freudenberg-Gymnasium ist eine der ersten, die im Kanton Freiburg den Hauswirtschaftsunterricht besucht. Im Sommer 2004 hatte der Kanton Zürich die Hauswirtschaftskurse abgeschafft, um zu sparen. Nur drei Jahre später hiess der Kantonsrat eine Volksinitiative für deren Wiedereinführung gut. Seit 2009 werden wieder Schülerinnen und Schüler in die – wie der Zürcher Volksmund sagt – Rüebli-RS geschickt. Dazu stehen mehrere Schulheime im eigenen Kantons zur Verfügung. Weil es aber insgesamt zu wenige sind, schickt der Kanton seine Gymnasiasten auch in die ehemalige Bäuerinnenschule Uttewil (siehe Kasten).

Unterricht in Wäschepflege

Auf dem Lehrplan stehen die Fächer Ernährungslehre, Hausmanagement, textiles Gestalten und Werken. Im Unterricht lernen die Jugendlichen Kleider flicken, Knöpfe annähen und Steckdosen montieren. «Wir versuchen, den Unterricht möglichst praxisnahe zu gestalten», sagt Schnyder. Bei 16- bis 18-Jährigen gehe es nicht mehr so lange, bis sie von zu Hause ausziehen.

Auch «Wäschepflege» ist Teil des Programms. In der Waschküche stehen enorme Waschmaschinen und ein riesiger Tumbler. Der Renner unter den Jugendlichen ist aber die Wäschemange. «Sie streiten sich fast darum, wer die Kü-chentücher durch die Mange drehen darf», sagt Fränzi Mumenthaler. Sie unterrichtet neben Kochen auch Werken.

Ob es daran liegt, dass sie solche Geräte nicht kennen? «Es ist eher so, dass sie es geniessen, bei einer Arbeit nicht viel denken zu müssen und dennoch ein Resultat zu sehen.» Entsprechend seien die meisten sehr motiviert im Unterricht. Natürlich seien einige sehr verwöhnt und andere sich eher gewohnt, zu Hause anzupacken. «Aber alle wollen, dass man sie fordert.»

Händewaschen ist Pflicht

Jeweils morgens um halb neun beginnt der Unterricht. Normalerweise. Aber heute ist die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Wegen der grossen Hitze hatten die Lehrerinnen den Stundenplan leicht abgeändert und die Bewegungsstunde in den Abend vorverschoben. Die Gymnasiasten hatten ein Volleyballturnier organisiert. Dafür fiel die erste Morgenstunde aus. Was aber nicht heisst, dass zu Beginn der Stunde alle pünktlich da sind. Die Klasse ist in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe für alle kocht, hat die andere Theorie oder Werken.

Langsam tröpfeln die Jugendlichen in die Schulküche, holen eine weisse Schürze aus dem Schrank und waschen sich die Hände. «Wir sind müde vom Volleyball», sagt Nicole, die ein wenig gekrümmt auf ihrem Küchenhocker hängt.

«Heute kochen wir italienisch», sagt Schnyder. Das Menü sind verschiedene Ravioli und Gnocchi alla Romana als Vorspeise, der Hauptgang ist Salat und ein Rindssteak. Dessert ist vom Vortag übrig: Pfirsichcreme und Zitronencake. Kaum ist das Menü bekannt, geht Jamin aus der Küche in Richtung Tiefkühltruhe und holt sein eigenes Fleisch. Er ist Jude und kocht koscher. «Wir sind zu zweit in der Klasse, die füreinander kochen können.» Weil es in der Schulküche keine getrennten Pfannen für Fleisch und Milch hat, haben sie die Küchenutensilien für die koschere Küche selber mitgebracht. «Im Koffer hatte ich mehr Pfannen als Kleider», sagt Jamin.

Für Tina Schnyder ist dies eine Premiere. «Wir hatten schon einige, die kein Schweinefleisch assen. Nun lerne ich dazu, was koschere Küche heisst.» Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen gehöre aber zum Kurs: «Wir hatten schon Jugendliche mit Zöliakie, anderen Allergien oder Krankheiten wie Diabetes.» Sie sei jeweils aber froh, dass die Jugendlichen und jungenen Erwachsenen sehr zuverlässig seien. «Sie übernehmen die Verantwortung für sich selber und sie helfen sich untereinander.» Und die beiden Lehrerinnen sind sich einig: «Vom sozialen Umgang her profitieren alle.»

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